Wie wird man eigentlich …Jägerin?

Wir haben mit Andrea Hartig darüber gesprochen, wie man ei- gentlich Jägerin wird, was ein Jäger genau macht und wie man mit dem Ausdruck „Bambi-Mörder“ umgeht. Das klischeehafte Bild, das viele im Kopf haben, wenn man das Wort „Jäger“ hört, trifft definitiv nicht auf sie zu.

Wie wird man also Jägerin?

Im Prinzip wird man Jäge- rin nicht anders als man Jäger wird. (lacht) Die Jagdausübung ist an zwei Sachen gekoppelt: Man braucht die Jagdprüfung vom jeweili- gen Landesjagdverband und dann muss man auch in einem Revier berechtigt sein um dort zu jagen. Wichtig ist, dass man immer eine gültige Jagdkarte für das jeweilige Bundesland hat. Das Jagen in Österreich ist Landessache: Wenn ich jetzt eine niederösterreichische Jagdkarte habe, aber einmal im Burgenland jagen gehen möchte, muss ich auch dort eine Jagderlaubnis beantragen. Die Jagdkarte muss man bei der Bezirkshauptmannschaft beantragen, die kostet zwar ein bisschen was, aber dadurch ist man auch versichert.

Wie ist deine Jagdprüfung abgelaufen?

Die ist schon ein paar Jahre her, das war 2004. Sie besteht aus einem praktischen und theoretischen Teil. In der Theorie geht’s hauptsächlich um das Jagdrecht, Wild- und Waffenkunde. Die Praxis unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, aber hauptsächlich geht es darum zu zeigen, dass man den Umgang mit der Waffe beherrscht.

Was sind deine Aufgaben als Jägerin? Würdest du es als Hobby bezeichnen?

Da mein Mann Jagdleiter zweier Reviere im Burgenland ist, bin ich dort jagdlich immer dabei. Wir betreuen die Jagd, die Fütterung, halten die Reviereinrichtungen in Ordnung, stellen Hochstände und Salzlecken auf. Für mich ist es eher eine Passion als ein Hobby, weil man den Jahresablauf miterle- ben darf und den Wandel der Natur sehr gut mitbekommt.

Als Jäger tut man also eigentlich viel mehr als nur Jagen. Oder gibt es auch Jäger, denen es nur um die Trophäe geht?

Es gibt auch unter den Jägern einige schwarze Schafe, denen es hauptsächlich um die Schussabgabe und die Trophäe an der Wand geht. Wenn man ein Jahr lang ein Revier betreut, dann ist das Erlegen des Tieres natürlich ein Abschluss. Aber das ist bei weitem nicht das Wichtigste. Es gibt einen Abschussplan, den man erfüllen muss. Darin ist genau geregelt, wieviel Wild man in einem Jahr erlegen darf. Jährlich werden die Abschusszahlen vor einer Tagung verlesen und hat man zu wenig bzw. zu viel geschossen, muss man das natürlich begründen.

IMG_0094
2004 machte die Berufsschullehrerin Andrea Hartig ihren Jagdschein.

Warum wurdest du Jägerin?

Ich bin durch meinen Mann zur Jagd gekommen. Ich war immer schon sehr naturverbunden und bin 10 Jahre lang nur so mitgegangen. Irgendwann habe ich dann die Jagdprüfung gemacht, war aber auch nicht sofort ausübend. Also ich habe gewartet, bis ich die größtmögliche Sicherheit verspürt habe, dass ich so treffe, dass das Tier nicht leiden muss. Dass wir jetzt eben eine Passion teilen, ist natürlich umso schöner.

Was ist das schönste für dich am Jägerinnendasein?

Die intensive Verbindung zur Natur. Wenn man am Hochstand sitzt und nur beobachtet, wird der Kopf vollkommen frei. Der Einklang mit der Natur, das Runterkommen, das ist wie Meditation.

Gibt’s etwas, das dir nicht so gefällt?

Ich muss sagen, dass wenn man in einer Runde sitzt und merkt, dass es manchen wirklich nur um die Trophäe geht – das gefällt mir nicht. Da kommt es auch sehr darauf an, welchen Lehrmeister man hat und wie einem die Jagd vermittelt wird. Ich habe eine sehr guten Lehrer gehabt, der wirklich sehr vorsichtig im Umgang mit der Natur ist. Wenn ich dann sehe, dass es einige gibt, denen nur die Trophäe wichtig ist, stört mich das, vor allem die Außenwirkung, die man dann hat.

Wie stehst du zu Jagdgegnern?

Als Jäger wird man immer wieder angefeindet. „Bambi-Mörder“ ist so ein Vokabel, das immer gerne verwendet wird. Ich biete jedem Gegner der Jagd an, einmal mitzugehen. Die meisten machen das eh nicht und reden nur gerne. Wenn ich dann aber jemanden mitnehme, sind die meisten erstaunt. Kaum einer weiß, dass die Jäger zum Beispiel für den Wildschaden aufkommen müssen. Wenn hingegen jemand sagt, ich esse kein Fleisch und möchte nicht, dass Tiere getötet werden – dann verstehe ich das. Aber die Doppelmoral, dass ich mir mein Steak schmecken lasse und vielleicht gar nicht hinterfrage wie es dem Tier gegangen ist, gleichzeitig aber alle Jäger als Mörder abstemple – das geht nicht. Wenn man sagt, für mich ist es moralisch nicht vertretbar Tiere zu essen, dann kann ich das nachvollziehen.

Dem Wild geht es vergleichsweise ja gut. Immerhin durften die bis zum Ende ihres Lebens in Freiheit sein, oder?

Eigentlich stirbt das Stück Wild so wie man das jedem Tier wünschen würde. Bis das Tier die Kugel bekommt, lebt es in der Natur. Optimal ist es, wenn das Tier nicht einmal mehr merkt, dass es erlegt worden ist. Natürlich passiert es auch, dass Tiere oftmals nicht tödlich getroffen werden. Aber ich kann euch versichern: das macht kein Jäger absichtlich, weil er sonst eh nicht schlafen kann.

Gibt’s noch irgendwas, das du uns auf den Weg mitgeben willst?

Ja! Die Zahl der Jägerinnen steigt rapide an. Also die Jagd kommt immer mehr in weibliche Hand. Es gibt auch eine Gruppe Waidfrauen, die sich regelmäßig im Raum Wiener Neustadt trifft. Was mir auffällt ist, dass den Frauen die Trophäe viel weniger wichtig ist als den Männern.
Und an alle Gegner der Jagd: Geht’s mal mit und schaut euch den ganzen Prozess an.

FACTS

Name: Andrea Hartig

Alter: 52 Jahre

Wohnort: Wr. Neustadt

Werdegang:
Lehre im Tourismus,
Pädagogische Hochschule,
Lehrerin an der LBS Waldegg

Jagdkarte seit: 2004

Niederösterreichischer Jagdverband: www.noeljv.at

-Johanna

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s