Wie wird man eigentlich…

…SozialarbeiterIn?

Katharina Hacker (25) hat Soziale Arbeit an der FH St. Pölten studiert, arbeitet für die Jugend- und Suchtberatung „Auftrieb“ und ist an der Landesberufsschule Baden und der Polytechnischen Schule in Wiener Neustadt als Schulsozialarbeiterin tätig. Im Interview mit der Klette spricht sie über Sozialarbeit als vielseitiges und herausforderndes Handlungsfeld.  

Was bedeutet es für dich, Soziale Arbeit zu machen? 

Für mich persönlich bedeutet es, Unterstützung anzubieten für Leute, die es in der Gesellschaft vielleicht nicht so einfach haben, die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden und einfach eine außenstehende Person brauchen, die sie auf ihrem Weg begleitet.

Wie gehst du mit der emotionalen Belastung um, die dieser Beruf mit sich bringt? 

Ganz wichtig ist für mich der Austausch mit meinen Kolleginnen, wenn ich merke, dass mich etwas belastet, dann kann ich mir ihre Sicht anhören. Es gibt auch die Möglichkeit Supervision in Anspruch zu nehmen. Es ist auch ganz wichtig, dass es einem selber gut geht. Wenn es einem selbst nicht gut geht, kann man keine gute Arbeit leisten. Man muss privat einen Ausgleich finden, durch Sport zum Beispiel. Ich mache Dirt-Runs, aber auch nur ein paar Mal im Jahr, damit ich mich ein bisschen austobe und an meine Grenzen gehe. Man sollte generell Dinge tun, die einem gut tun und Energie für den Alltag geben.

Wie läuft dein Arbeitstag im „Auftrieb“ ab? 

Kein Tag ist gleich, das ist auch das Beste und Herausforderndste an dieser Arbeit. Da stellst du dich zum Beispiel auf eine gemütliche Beratung ein und dann ist gerade eine Krisensituation, die Freundin hat zum Beispiel Schluss gemacht. Da geht es darum selber sehr flexibel zu sein, auch was die Themen betrifft. Manchmal denkt man sich, ich würde da jetzt total gerne dranbleiben, aber wenn das für den Jugendlichen nicht relevant ist, dann reden wir eben über seine Haarfarbe, oder die Frisur, oder wie er sich anzieht. Man muss sich wirklich darauf einlassen, was den Jugendlichen wichtig ist. Neben den Beratungen und der Vorbereitung ist auch die Vernetzung mit anderen Einrichtungen ein wichtiger Teil meines Arbeitstages. Da geht es zum Beispiel darum, Projekte und Angebote zu finden, mit denen man die Jugendlichen unterstützen kann. Ich tausche mich mit meinen Kolleginnen aus und recherchiere, damit ich mich selbst auch weiterentwickle und mein Wissen erweitern kann. Es ist wichtig, dass man sich immer wieder einliest, gerade wenn es rechtliche Änderungen gibt.

Um welche Themen geht es bei den Beratungen? 

Unterschiedlich. Oft geht es um das Jugendschutzgesetz, die Einhaltung der Vorschriften, wenn man schon einmal straffällig geworden ist, oder Sucht von Angehörigen, das muss aber nichts mit illegalen Substanzen zu tun haben, sondern das kann auch Alkohol sein. Von Liebeskummer bis hin zu Schwierigkeiten zuhause, Versagensängste, oder auch Fortgeh- und Konsumerfahrungen ist alles Thema. Es geht oft um die eigene psychische Gesundheit, oder um den Selbstwert bei jungen Menschen. Unser Angebot ist freiwillig, es ist kostenlos und was wir ansprechen bleibt unter uns. Die Leute, die herkommen bleiben anonym, es werden keine Daten erfasst.

Welche Fähigkeiten sind in diesem Berufsfeld wichtig? 

Auf jeden Fall sollte man kommunikationsfreudig sein und offen auf Leute zugehen können, sein eigenes Denken und Handeln immer wieder reflektieren und den Leuten gegenüber authentisch sein. Es bringt nichts, alles nach dem Lehrbuch anzugehen, sondern man muss auch ein Gefühl für das Gegenüber haben und sehen, was in der Situation gerade gebraucht wird. Man muss sich immer wieder neu auf Menschen einlassen.

Was sind deine Erfahrungen mit dem FH-Studium Soziale Arbeit?

Das Studium war bei mir damals war so aufgebaut, dass alle sozialen Bereiche abgedeckt wurden. Da ging es um rechtliche und medizinische Dinge, Gesprächsführung, Reflexion und man erfährt auch viel über sich selbst. Es gibt auch Wahlthemen, in denen man sein Wissen zu einem bestimmten Bereich vertiefen kann. Dadurch, dass ich im Studium drei Praktika hatte, habe ich auch einen guten Einblick in den Beruf bekommen. Mein erstes Praktikum war bei der Kinder- und Jugendhilfe in Neunkirchen. Ich bin mit Sozialarbeiterinnen zu Hausbesuchen und Einrichtungen mitgefahren und habe geschaut, wie es den Kindern und Jugendlichen geht, welche Unterstützung in der Familie benötigt werden. Auch in Krisensituationen, wenn Kinder nicht mehr zuhause wohnen können und fremduntergebracht werden müssen, habe ich Einblicke bekommen. Das zweite Praktikum war in einem sozialbetreuten Wohnheim, eine Einrichtung für ehemals Obdachlose. Das dritte war in der Jugendarbeit, als Schulsozialarbeiterin war ich da kurz tätig, als Streetworkerin und in einer Jugendberatungsstelle.

Ein Rat an Menschen, die sich diesen Beruf vorstellen können? 

Am besten ist, zuerst irgendwo zu schnuppern, oder sich ehrenamtlich zu engagieren, damit man sieht, was es eigentlich bedeutet im Sozialbereich tätig zu sein. Auch um an der FH aufgenommen zu werden ist es gerne gesehen, wenn man Vorerfahrung hat. Ich habe damals ein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Es hilft, sich zu überlegen, was es genau ist, das einen daran reizt, mit Menschen zu arbeiten, weil es da natürlich viele Herausforderungen gibt und nicht immer alles so läuft, wie man sich das vorstellt.

-Stefi

 FACTS

Aufgaben: Prävention und Lösung von Problemen im Sozialbereich; Beratung, Betreuung und Unterstützung in belastenden Situationen, Organisation, Verwaltung

Ausbildung: Bachelor oder Masterstudium Soziale Arbeit (FH St.Pölten, FH Burgenland, FH Johanneum Graz, FH Campus Wien); Kinder- und Familienzentrierte Soziale Arbeit, Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit, Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit (FH Campus Wien)

Gehalt: € 1.830,– und € 3.050,– brutto — je nach Bundesland, Berufsjahren und anderen Faktoren.

 

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