Wir waren nüchtern am Borg Clubbing 2.0

Vor exakt einer Woche um diese Zeit lagen mehrere tausend Jugendliche der Region in ihren (oder fremden) Betten und versuchten verzweifelt, ihren Brand zu löschen. Wieder andere hatten Schwierigkeiten, den Eltern zu erklären, warum sie erst in den frühen Morgenstunden mit Knutschflecken, einer Ananas in der Hand oder blauen Flecken nach Hause getaumelt sind. Für alle, die sich damit identifizieren können und nicht mehr wissen, wo sie das letzte Wochenende verbracht haben: Du warst am sechsten Borg Clubbing in der Arena Nova.

„Pflichttermin, Oida“ – Lili*, 20

Für viele ist das Borg Clubbing, das mittlerweile übrigens nichts mehr mit dem Bundesoberstufenrealgymnasium in der Herzog-Leopold-Straße zu tun hat, ein Fixtermin im Kalender. So ist das auch für Lili*, aber zu bemängeln hatte sie trotzdem etwas: „Die DJs waren ja ganz gut, aber alle haben dieselben Lieder gespielt. Die sollten sich vielleicht absprechen, sonst macht’s ja echt keinen Spaß, wenn man alles drei bis viermal hört. Außerdem war der Altersdurchschnitt gefühlt bei 12 Jahre und …“, sie wurde abgelenkt, weil ein Bekannter auf sie zukam, der eine (für mein Empfinden) protzige Goldkette zur Schau stellte. Lili* war beeindruckt und wandte sich von mir ab, um ihm „Das Teil glänzt mehr als mein Leben, Oida!“ entgegenzurufen. Eines meiner persönlichen Highlights.

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Ananas und Handy in der ersten Reihe ein Muss
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DJ Toby Romeo (16)

„VIP-Lounge eher so meh“ – Ich, 20

Die ursprüngliche Schulveranstaltung entwickelte sich über die Jahre zu einem angesehenen Event und wurde stetig größer, doch nur vermeintlich besser. Negative Kritik bekam die VIP-Lounge von Anna (19) und Lena (18). Die Schülerinnen sind wegen des guten Lineups gekommen, bemängelten allerdings die mageren Sitzgelegenheiten und den minimalen Unterschied zu den regulären Tickets. „Ein Welcome-Shot oder ähnliches wäre doch nett gewesen, denn so bezahlt man gleich 20€ [49,90€] mehr, nur um die höhergelegene Tribüne betreten zu dürfen, aber sonst hat man keine Vorteile.“ Das Team rund um den Hauptverantwortlichen Fabian Blochberger (19) besteht aus drei bis vier Burschen. Einem davon bin ich in der Lounge über den Weg gelaufen und auch er gab mir ein kurzes Statement: „Wir sind mit der Organisation sehr zufrieden, hoffen unsere Gäste sind das auch und alle können friedlich und ohne Komplikationen, eine gute Zeit miteinander verbringen“, erzählte mir Max Leitgeb (20), die rechte Hand von Fabian.

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Moshpit für Anfänger*innen
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Aussicht von der VIP-Lounge

„Left Boy ist halt einfach geil” – Roxanne*, 20

Der Headliner dieses Jahr war der in Wien geborene Ferdinand Sarnitz aka Left Boy, der neben dem jüngeren Zielpublikum der Unterstufe auch vereinzelt Publikum Anfang 20 anzog. Neben Left Boy, der mittlerweile als internationaler Künstler gilt, wurden ausschließlich österreichische männliche DJs gebucht. Pro-Tipp: Weibliche Acts zu unterstützen, wäre mittlerweile echt angebracht. Den einzigen weiblich besetzten Programmpunkt lieferte Seven2Eight tanzend ab, hier könnt ihr unseren Artikel über die souveräne Tanzgruppe nachlesen.

Seven2Eight
Seven2Eight im Konfettiregen

Für Roxanne*, die sich ihr Pseudonym selbst aussuchte, war die Einteilung der Musikgenres nicht passend. „Hip Hop spielt’s in der kleinen Halle und Techno in der großen. Ich würd’s genau umgekehrt super finden, aber das ist einfach mein Musikgeschmack, da kann man nichts machen. Left Boy ist dafür halt einfach geil“. Für Samet (19) wiederum war „alles super“ versicherte er mir mit verschmitztem und leicht benommenem Grinsen.

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Left Boy live am Borg Clubbing
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Ferdinand Sarnitz alias Left Boy

„Mit 16 und angesoffen wär’s sicher witzig gewesen, aber so naja“ – Martin, 20

Für Martin war das Problem mit den sich wiederholenden Liedern auch ein Thema, er betonte aber, nicht zu wissen, inwieweit die Veranstalter darauf Einfluss haben. Außerdem meinte er: „Left Boy war find ich bissl zu spät und zu kurz, aber das müssen sie wahrscheinlich so machen, weil sonst keiner so lang dableiben würde. Der Rest war schon super organisiert und mit dem niedrigen Altersdurchschnitt war ja auch zu rechnen.“

 

Fazit

Nüchtern betrachtet und nach gut sechs Jahren intensivem Fortgehen war für mich das Borg Clubbing kein Highlight mehr, eher ein bisschen erschreckend, wie ungut ein Teil des Publikums miteinander umgeht und sich anderen gegenüber verhält. Story dazu: Zwei Burschen kamen auf mich zu mit der Anfrage ein Foto zu machen. Ich erklärte ihnen freundlichst, dass das mit dem Tele-Objektiv leider nicht funktionieren wird und ich später mit passendem Objektiv noch einmal vorbeikommen würde. Sie bestanden darauf, es zu versuchen und mussten sich ungelogen 20 Meter von mir wegstellen, um überhaupt im Bild zu sein. Hatte ich ja schon erklärt, dass das nicht funktioniert. Unzufrieden mit dem Foto rempelte mich der eine kurz an, während der andere „Danke für gar nix, du Oaschloch!“ in Kombination mit einem Mittelfinger als Feedback daließ. Dafür können die Veranstalter des Borg Clubbings nichts, doch unerwähnt wollte ich euch Ungustln auch nicht lassen.

Die Ungustl des Abends
Die Ungustln des Abends

Abgesehen davon, waren die Getränke unzureichend angeschrieben, dafür war das Essen vom Casa Delvino Catering umfangreich und geschmacklich gut. Auf mein Retourgeld der Cashless-Card, das ich online beantragen musste, warte ich nach einer Woche immer noch. Wäre da nicht eine zusätzliche Barauszahlung vor Ort möglich, damit sich die, deren Zustand es zu später Stunde noch erlaubt, ihr Geld gleich zurückholen können? Alles in allem möchte ich trotzdem ein Lob aussprechen, denn eine Veranstaltung dieser Größe auf die Beine zu stellen und die Mehrheit des Publikums zufriedenzustellen ist nicht einfach. Nächstes Jahr schicke ich allerdings unsere jüngeren Reporter*innen zum Borg Clubbing 2020.

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Eine Veranstaltung ohne Blumen- und Hasenohrenverkäufer wäre keine richtige Veranstaltung
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Ananas waren echt ein thing am Borg Clubbing 2019
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alle Bilder ©Iris Strasser
Dance with the Devil
Left Boy während Dance with the Devil

*Name geändert
Text und Bilder: Iris Strasser

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