Vom Zeichner zum Tätowierer

Wie wird man…? | Philipp Trettler (28) aus Wiener Neustadt hat uns erzählt, wie er sich seinen Berufswunsch als Tätowierer verwirklicht hat. „Es ist zwar ein Handwerk, aber eine künstlerische Begabung ist Voraussetzung“.

von Mariano

Philipp Trettler brach mit 17 Jahren das BORG ab und machte eine Lehre zum Bürokaufmann, machte die Matura in einer Abendschule nach und arbeitete bei verschiedensten Arbeitgebern, währenddessen zeichnete er bereits viel – damals noch auf Papier.

Zum ersten Mal tätowieren ließ er sich ebenfalls mit 17. Vor allem die zahlreich tätowierten Künstler aus Punk Bands, die er auf Konzerten sah, hatten ihn inspiriert. Er war fasziniert und begeistert und ihm wurde klar, dass es sein größter Traum ist, Tätowierer zu werden. Mehrere Jahre lang arbeitete er im A1-Shop, das Verhältnis zu seinem Chef war sehr eng und dieser wusste über seinen Traum Bescheid. Philipp wusste, dass er nur einen Weg nehmen konnte, um seinen Traum zu verwirklichen, den „richtigen“, den „Old School-Weg“.

Und wie sieht der aus?

„Der richtige Weg Tätowierer zu werden ist, dass man sich Zeit nimmt und sich Tattoo-Studios empfiehlt, indem man ihnen Zeichnungen schickt und sie bittet, einen auszubilden.“ Gesagt, getan aber es kam nie eine Antwort, „das war auch sehr deprimierend“: sagte Philipp im Interview. Nach einer kurzen Bewerbungspause versuchte es Philipp beim Rothwerk in Eisenstadt und durfte sich dort schließlich ausbilden lassen. Am Anfang sei es eine harte Zeit gewesen, es dauerte circa zwei Jahre bis Philipp das erste mal tätowieren durfte, aber nur an sich selbst. Als Anfänger bekommt man kein Geld für seine Arbeit, aber Philipp hatte genug Versuchskaninchen, (Freunde, Bekannte) die sich zur Verfügung stellten.

Wer denkt, dass Tätowieren ein einfacher Job ist, hat sich getäuscht. Es ist zwar ein Handwerk, welches man lernen kann, aber man sollte durchaus künstlerisch und zeichnerisch begabt sein. Um gewerbsmäßig tätowieren zu dürfen, muss man eine Prüfung machen, welche aus drei Teilen besteht: mündlich, schriftlich und praktisch. Man muss viel über die Anatomie des Menschen wissen, Hygiene ist natürlich auch sehr wichtig.

Warum sind Tattoos so teuer?

„Jeder Tätowierer hat seinen eigenen Stil, seine eigene Inspirationen und natürlich unterschiedliche  Preise. Man muss bedenken, dass viel mehr dahintersteckt, als nur drauf los zu “pecken“. Die meisten Tätowierer zeichnen dein Motiv oder verändern es und das müssen Kunden meistens nicht zahlen. Man zahlt nur die Zeit, in der man tätowiert wird. Das ganze Verbrauchsmaterial ist auch sehr teuer. Das Equipment, das man braucht, und so weiter, das sind alles Kosten, auf die man sich als selbstständiger Tätowierer einstellen muss und das ist am Anfang nicht sehr leicht. Natürlich ist es schön, selbstständig zu sein, aber es birgt auch ein großes Risiko“ erzählt Philipp.

Er ist nun seit ungefähr vier Jahren im Tattoo-Business. Er selbst sieht sich aber noch als Lehrling, da man in diesem Job seiner Meinung nach niemals ausgelernt hat. Er appelliert auch an alle jungen Menschen, die sich gerne tätowieren lassen wollen, sich sehr gut zu überlegen, was und ob man sich überhaupt tätowieren lassen will. Philipps erstes Tattoo hat er sich bereits wieder entfernen lassen. (Das Motiv hat er uns leider nicht verraten). Das empfehle er aber keinem, da es eine recht schmerzhafte, langwierige und kostspielige Geschichte sei. Auch zu welchem Studio oder Tätowierer man geht, sollte man sich gut überlegen. Die meisten Studios haben eine Sammlung ihrer Arbeit auf Instagram, Facebook, oder auf der Webseite gepostet, damit man sich bereits im Vorhinein ein Bild machen kann, was das Studio zeichnet und tätowiert.

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 „Ich mache das jeden Tag und ich liebe, was ich tue. Das war mein Ziel und ich habe mein Ziel erreicht“. Philipp Trettler über seinen Job als Tätowierer.

FACTS 
Name: Phillipp Trettler
Alter: 28
Wohnort: Wiener Neustadt
Beruf: Selbständiger Tätowierer im Neustädter Tattoo-Studio „The Mess“

Links:
www.facebook.com/trettlertattoos
Mail: trettlertattoos@gmail.com
Instagram: @trettlertattoos 

Übrigens: Das Tätowieren von Personen unter 16 Jahren ist verboten. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren brauchen die schriftliche Einwilligung ihrer/ihres Erziehungsberechtigten.

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