„Schiedsrichter laufen oft mehr als Spieler“

Wie wird man… Schiedsrichterin? | Begonnen hat alles beim Kicken am Schulhof oder in Parks. Heute ist Sara Telek als Schiedsrichterin und Assistentin bei Spielen für die 2. ÖFB Liga, die Frauen-Bundesliga, die Landesliga Wien sowie international bei UEFA und FIFA Bewerben im Einsatz. | Autor: Fabian

Die gebürtige Wienerin verbrachte einen Großteil ihrer Jugend im Piestingtal. Als ehemalige Schülerin der Bilinguale Wiener Neustadt beschäftigt sich schon seit ihrer Kindheit mit Fußball. Doch damals hätte sie nie gedacht, dass sie eines Tages als Schiedsrichterin am Feld stehen würde. „Ich habe kaum realisiert welche Möglichkeiten es als Schiedsrichterin gibt“, sagt die 30-Jährige in einem Interview mit der Klette. Selbst als sie sich für eine Schiedsrichterausbildung entschied, war es wegen des allgemeinen Interesses am Fußball. „Ich wollte einfach mehr in die Tiefe gehen, mehr Background erfahren, mir mehr Kenntnisse aneignen. Der Fokus lag darauf, was ich mit der Ausbildung zur Schiedsrichterin für mich als Spielerin rausholen konnte.“ Die Leidenschaft für die Schiedsrichterei kam dann erst im Laufe der Karriere, die sie 2008 nach der Schule begann. Als Sara Schritt für Schritt erkannte, was man alles erreichen kann, wurde ihre Ehrgeiz entfacht.

Dass ein Schiedsrichter nur am Spielfeldrand steht und hin und wieder ein Foul pfeift sei nicht wahr. Die Aus- und Weiterbildung von Schiedsrichtern ist mit hartem Training und viel Verantwortung verbunden, meint Sara, denn: „Schiedsrichter laufen oft mehr als die Spieler“. Regelmäßige Lauf- und Regeltests sowie Coachings, Fehleranalysen und Beobachtungen von Einsätzen und Persönlichkeit sind nur ein Teil der Ausbildung. Sara geht sechs Mal die Woche eigenständig trainieren. Als Spieler hat man einen Trainer und fixe Termine, zu denen man erscheinen muss, bei Schiedsrichtern passiert das alles aus Eigenmotivation. Mit dem Fußballspielen hat Sara vor zirka fünf Jahren aufgehört: „Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß. Außerdem sah ich mehr Potential in einer Schiedsrichterkarriere.“

Die Aufgaben einer  Schiedsrichterin

Die Vorbereitungen für ein Spiel beginnen ungefähr eine Woche vor Anpfiff. Man wird als Schiedsrichterin einem Spiel zweier Mannschaften zugeteilt. Man erfährt Informationen wie Ort, Zeit und Schiedsrichterteam. „Heutzutage kann man sich ganz einfach online schlau machen, worum es sich bei dem Spiel handelt: Infos wie Tore und Karten der letzten Spiele, sowie Tabellenplätze sind für mich als Schiedsrichterin sehr wichtig. Es macht einen riesigen Unterschied, ob es sich um ein Spiel zweier Mannschaften auf Abstiegsplätzen handelt, oder ob Tabellenerster gegen Tabellenletzten spielt“, erklärt Sara. Zwei Stunden vor Spielbeginn trifft sie sich mit ihrem Team und besichtigt das Feld. Der Zustand des Rasens und der Netze, wie die Linien gezogen sind, ob Eckfahnen fehlen und ob die Farben der Dresse der Mannschaften passen, liegt alles in der Verantwortung der Schiedsrichterin.

Entscheidungen und Fans

Dass ein Schiedsrichter nicht immer recht hat, finden vor allem die Zuschauer im Stadion, gegen deren Team gerade eine vermeintliche Fehlentscheidung gepfiffen wurde. „90 Minuten lang fokussiert zu bleiben ist immer sehr schwierig. Jeder Schiedsrichter macht Fehler, aber das gehört zum Lernprozess. Fehler sind schwer zu verdauen und prägen extrem, aber man macht nie denselben Fehler zwei Mal.“ Und wie reagieren die Fans? „Egal, ob man in einem schwach besuchten Stadion jeden einzelnen Ruf aus dem Publikum mitbekommt, oder ob man nur die Stimmung der Massen spürt: Als Schiedsrichterin habe ich keine Zeit mich auf Fans zu konzentrieren. Ich muss mich immer zu 100% auf das Spiel fokussieren.“

Als Frau in einer  Männerdomäne

Für Sara gibt es einen eindeutigen Grund, wieso mehr männliche als weibliche Schiedsrichter auf Österreichs Rasen stehen: „Es spielen immer noch wesentlich mehr Burschen als Mädels Fußball und das, obwohl sich in den letzten Jahren irrsinnig viel getan hat. Sei es die Frauen-Europameisterschaft oder die Entwicklung der Liga in Österreich. Dieser Boom im Frauenfußball sei jedoch nicht genutzt geworden, um eine Basis zu schaffen und eine breite Masse an Mädels für Fußball begeistern zu können. Warum sollte es einen Ansturm am Schiedsrichterwesen geben, wenn es den beim Fußball noch nicht gibt?“

Schiedsrichtemangel

In Österreich gibt es aktuell generell einen Mangel an Unparteiischen: „Das Interesse ist nicht sehr groß. Viele kommen  gar nicht auf die Idee, denn wer will schon Schiedsrichter werden? Mit dieser Tätigkeit wird nicht gerade ein positives Bild vermittelt und assoziiert. Dass dieses Hobby jedoch ein enormes Potential für Persönlichkeitsentwicklung, Verantwortungsbewusstsein, sowie körperliche und mentale Herausforderung mit sich bringt, sportliche Karrierewege ermöglicht und zudem finanziell entschädigt wird, realisieren nur die wenigsten.

Ihr größtes Spiel

Ein Highlight ihrer Schiedsrichterkarriere fand sicherlich am 20. Mai 2018 statt. Es war Steffen Hofmanns letztes Spiel in einem ausverkaufen Allianz-Stadion bei dem Sara als Linienrichterin assistiere.

FACTS
Name: Sara Telek
Alter: 30 Jahre
Aus: Wien/Dreistetten
Leidenschaft: Schiedsrichterin

Seit 2016 FIFA Assistentin (Mit FIFA Schiedsrichtern europaweit unterwegs, internationale Damenspiele). Seit heuer Assistentin in 2. ÖFB Liga
Frauenbewerbe international: U17, U19
Qualifikationsspiele, CL Qualifikationspiele, EM/WM Qualifikationsspiele der A-Teams

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