„Der Run, der das Spiel entscheidet“

Sportportrait | Die Neustädterin Mara Benckendorff (28) ist Teamkapitänin der lokalen Softballmannschaft „Crazy Chicklets“ und spielt im österreichischen Nationalteam „Softball Austria“.  Was ihre Spielposition Short-Pitch bedeutet, dass Softball gar nicht mit einem weichen Ball gespielt wird und mehr erfahrt ihr im Klette-Interview.

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Mara Benckendorff (28) im Dress der Crazy Chicklets. © Stefanie Marek

Es ist Sonntagmittag, der rote Sand am Ducksfield, dem Spielfeld des Baseball und Softballvereins „Diving Ducks“, ist noch leer, bald wird hier aber wieder fleißig trainiert. Mara Benckendorf vergleicht einen Baseball- und einen Softballschläger. Viel Unterschied gibt es nicht, auch die Bälle sehen sich ähnlich: Der Softball ist größer, weicher ist er aber nicht. Softball, traditionell von Frauen gespielt, ist eine Variante von Baseball – in Österreich relativ unbekannt. Die Regeln sind gleich, die Wurftechnik ist anders, das Feld ist kleiner. Die Leidenschaft für das Spiel hört man Mara an 

Du spielst auch Tennis im Verein, dein Fokus liegt aber auf Softball. Was ist das Besondere an Softball?
Du bist nicht wie beim Tennis dauernd unter Druck und spielst die ganze Zeit, aber in der einen Sekunde, in der du den Ball kriegst, in dem Moment musst du performen. Es sagen viele, dass man relativ viel herumsteht – ja, aber in dem Moment, in dem etwas passiert, musst du 100% da sein und deinen Spielzug machen. Das ist schon sehr spannend. Du musst die ganze Zeit sehr konzentriert sein. Man merkt, wenn die Leute müde werden, dann muss man sich gegenseitig pushen. Es ist ein Teamsport, du kannst einen schlechten Tag haben und trotzdem gewinnen, weil dich deine Leute auffangen. Das coolste ist der „Walk of Winds“, das heißt dein Team ist hinten und du musst einen Run machen und wenn das gelingt, ist das Spiel aus und du gewinnst.  

Im Vergleich zu Sportarten wie Fußball sind Baseball und Softball in Österreich eher weniger populär. Steht Softball hier im Schatten von Baseball?
Ja. Du merkst es an den Zuschauern, die Burschen haben wesentlich mehr als wir, das liegt auch daran, dass im Nachwuchs mehr Burschen sind und Baseball ist hier auch eher ein Begriff als Softball. Wenn du sagst, du spielst Softball, ist die erste Frage: Ah, ist das das mit dem weichen Ball?Nein. Es ist wesentlich bekannter als noch vor 10 Jahren, aber weniger als in Tschechien, den Niederlanden oder Italien.  

Wie bist du zum Softball gekommen?
Ich habe als Kind Baseball gespielt. Mit 14 hatte ich einen Milzriss, weil ich den Ball in den Bauch gekriegt habe. Ich war zwei Wochen im Krankenhaus und durfte keinen Sport machen. Und mit 14 ist der Unterschied zwischen Mädchen und Burschen schon größer und dann habe ich aufgehört, andere Sachen gemacht, Volleyball zum Beispiel. Eine unserer jetzigen Spielerinnen war in Amerika und hat dort in der High School Softball gespielt und als sie zurückgekommen ist hat sie unseren Obmann angerufen und gefragt, warum es in Neustadt kein Softballteam mehr gibt. Wenn sie genug Spielerinnen findet, können wir eine neue machen, hat er gesagt. Das war 2010, da war ich 19. Seitdem gibt es viele neue Spieler auch durch das Nachwuchsprogramm 

Was bedeutet deine Spielposition „Short Stop“?
Ich stehe zwischen der zweiten und dritten Base und muss die Bälle fielden, das heißt fangen und dann das Out machen.

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Am Feld der Diving Ducks. ©Stefanie Marek

Wie ist das Verhältnis zwischen Männer und Frauenteams bei euch?
Wenn man die Nachwuchsteams wegnimmt ist es relativ ausgeglichen, wir haben jeweils eine Mannschaft in der ersten Liga und jeweils eine Mannschaft in der Liga darunter. Persönlich haben wir ein gutes Verhältnis, viele haben im Nachwuchs schon gemeinsam gespielt und kennen sich alle schon ewig und machen auch so viel privat miteinander. Wir schauen den Burschen bei den Spielen zu, wenn wir nicht grade selber spielen, sie schauen uns zu, eher weniger als wir ihnen aber vielleicht kommt das ja noch (lacht).  

Dein bisheriges Highlight?
Ich glaube, mein Highlight war, einen Home Run zu schlagen. Ich bin nicht so ein Power-Hitter, ich haue nicht jeden Ball über den Zaun. Aber letztes Jahr in Linz habe ich auf die Nationalteam-Pitcherin, die beste Österreichs, einen Home Run über den Zaun gehabt, das war mein erster. Das war der beste Moment in meiner bisherigen Karriere würde ich sagen. 

Was war die größte Herausforderung?
Das war heuer, wir haben vor der EM ein Vorbereitungsturnier in Tschechien gespielt. Es war ein ziemlich knappes Spiel. Da habe ich einen Ball verworfen und das war schon einer der bittersten Momente. Fehler können immer passieren, in manchen Momenten macht es gar nichts und manchmal so wie in dem Fall ist es genau der Run, der das Spiel entscheidet.  

Was sind deine Zukunftspläne mit den „Crazy Chicklets“ und im Nationalteam?
Es schaut im Moment so aus, als würden wir (Crazy Chicklets) den Grunddurchgang gewinnen. Wir haben 13 Siege und drei Loses und sind damit Tabellenführer. Wir wollen definitiv Österreich-Meister werden und ich glaube heuer haben wir sicher eine der besten Chancen in der Vereinsgeschichte. Weder die Männer noch die Frauen waren jemals österreichische Meister. Vizemeister hatten wir schon mehrmals. Ich möchte noch weiterhin im Nationalteam spielen. Nächstes Jahr ist wieder eine Europameisterschaft und da möchten wir noch mehr Siege schaffen. Wir waren heuer 13. von 23, haben aber leider knappe Spiele gegen Israel und Deutschland verloren. Ich glaube, wenn wir da noch mehr als Team zusammenwachsen, dann ist das definitiv drinnen. Top 9 wäre wieder das Ziel.

Die Mannschaft und Persönliches
Die „Crazy Chicklets“ spielen in der ASL (Austrian Softball League), der höchsten Liga in Österreich, die zweite Liga ist die SBL (Softball-Baseball League). Die Saison dauert von Mai bis September, pro Saison finden 20 Ligaspiele verteilt über ganz Österreich statt, zwei pro Spieltag. Im Winter wird dreimal pro Woche trainiert im Sommer zweimal plus ein bis zweimal in Kleingruppen. Ab 13 darf man in der Liga spielen.

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Die Spielerinnen der Crazy Chicklets. ©zVg

Nach der Matura im BRG Gröhrmühlgasse hat Mara in Wien Betriebswirtschaft studiert und in Graz einen Master in Wirtschaftspädagogik absolviert. Jetzt arbeitet sie bei einer Firma im strategischen Einkauf. Aufgrund des Trainings ist Neustadt ihr Lebensmittelpunkt.

Gibt es bessere Chancen professionell Softball im Ausland zu spielen? 
Mit 18 nach Amerika zu gehen, um am College zu spielen, das würde ich jedem empfehlen, der jung ist und hier trainiert. Du wirst in Österreich viel lernen, aber nie Geld damit verdienen. Mit Fußball oder so, geht das, in Österreich ist das Zielpublikum nicht da, sodass du den Spielern etwas zahlen könntest. Im Baseball geht das in Amerika, im Softball nicht, die spielen das bis zum College und dann ist es aus. Deshalb kommen viele nach der Collegezeit zu uns und hängen ein bis zwei Jahre mit Softball dran.  

Was sind Importspieler und wer ist eure größte Konkurrenz?
Kommt viel darauf an wer gerade Importspieler bekommt. Oft sind die besser als Österreichisches Pitching, die dürfen immer nur jedes zweite Spiel pitchen. Man merkt den Unterschied zwischen amerikanischem Schlagen und östterreichischem. Die lernen das mit 5,6,7, Jahre alt sind und spielen bis zum College durchgehend Softball und die haben schon eine andere Technik und mehr Kraft und schlagen relativ weit dann. Je nachdem wann ein Team Importspieler bekommt, merkt man in der Saison ob die jetzt viel zusammengespielt sind oder nicht. Im Moment sind die Wiener Teams ziemlich stark. Da gibt es zwei, die Wanderers und die M-Stars, die haben viele Nationalspieler in ihren Teams.

Spielregeln und Begriffe
Es gibt sieben Innings (Runden), einen Catcher, eine Pitcher (Werfer).
Base = Eines der vier quadratisch angeordneten Laufmale
Run = einmal alle Bases berühren
Home Run = Ball, der über die hintere Spielfeldbegrenzung geschlagen wurde und unerreichbar ist. 
Pitcher = Spieler der Verteidiger, der die Bälle so zu seinem Catcher wirft, dass der Schlagmann sie möglichst nicht treffen kann.
Run = Punkt, der von einem Baserunner nach einem Umlauf um die 4 Bases erzielt worden ist.
Hit = den Ball treffen und die erste Base erreichen 
Catcher = Verteidiger, der die Würfe des Pitchers fängt.

Factbox
Verein: Diving Ducks

Teams:
Crazy Chicklets (Softball Damen, Fast Pitch)
Rubberducks (Slow Pitch)
Chucks
(Ducks und Chicklets gemischt, einmal im Jahr, Slow Pitch)
Diving
Ducks (Baseball Herren und gemischte Kinderteams) 

Links:
Website der Diving Ducks
Facebook
Instagram

 

Interview: Stefanie Marek

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