Zwei Pfadfinderinnen – Eine Tradition

Portrait | Was weißt du eigentlich über die Tradition der Pfadfinder in Wiener Neustadt? Viele stellen sich die Pfadfinder als im Wald herumlaufende Jugendliche vor, die zwischendurch Kekse verkaufen und alten Damen über die Straße helfen. Aber stimmt dieses Klischee wirklich? Dem bin ich auf den Grund gegangen und habe dafür Melanie (17) und Lisa (19) zum Interview getroffen. 

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Lisa Lang (19) und Melanie Schreier (17) im Akademiepark. ©Janine Tremmel

2 Gruppen in einer Stadt
In Wiener Neustadt haben die Pfadfinder eine lange Tradition. Denn hier entstand 1910 die allererste Pfadfindergruppe in Österreich. Tatsächlich gibt es in unserem Städtchen heute aber zwei Pfadfindergruppen. „Bis 1980 gab es nur eine Gruppe in Wiener Neustadt. Zu dieser Zeit wurde sie wegen Meinungsverschiedenheiten der Leiter aufgeteilt. Es mag schon sein, dass damals eine Art Rivalität zwischen den Gruppen geherrscht hat. Heute ist das aber kaum noch spürbar. Schau uns an – ich selbst bin in Gruppe 1, während Lisa in Gruppe 2 ist, und hier sitzen wir und geben gemeinsam das Interview.“, erzählt Melanie. Heutzutage fahren die beiden Gruppen sogar gemeinsam auf Lager und starten zusammen Aktionen. 

 Der Weg zu den Pfadfindern
Sowohl Melanie, als auch Lisa kamen schon in sehr jungem Alter zum Verein, Melanie mit vier und Lisa mit sieben Jahren, entweder durch Familienmitglieder oder Freunde. „Mit der Zeit wurden die Menschen dort zu unserer zweiten Familie und wir haben Freunde fürs Leben gefunden. Außerdem wird es immer wieder spannend, weil man beispielsweise auf internationalen Lagern Pfadfinder aus der ganzen Welt kennenlernt und so ständig neue Kontakte knüpft!“. Grundsätzlich kann jeder Teil der Pfadfinder werden. „Wer dabei sein möchte, kann, auch gerne unterm Jahr, schnuppern kommen. Ganz nach dem Motto – anschauen und bleiben, wenn es einem gefällt.“ Für welche Gruppe man sich entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. „Auch das Alter spielt keine Rolle. Je nachdem wie alt man ist, kommt man in die passende Stufe mit Gleichaltrigen.“, erklärt Lisa. 

 Aber was machen Pfadfinder jetzt eigentlich? 
Das bekannteste Merkmal der Pfadfinder sind wahrscheinlich die Lager. Grundsätzlich gibt es diese mehrmals im Jahr. Dabei fahren sämtliche Altersstufen in die Natur, mal weiter weg, mal nahe an der Heimatstadt. Die Leiter denken sich im Vorhinein ein Thema, wie beispielsweise Harry Potter, Zeitreise oder Alice im Wunderland aus und gestalten dazu ein passendes Programm für Klein und Groß. „Die Lager sind eine perfekte Mischung aus Lernen und Spaß haben. Wir lernen zum Beispiel, wie man ein Feuer macht, kocht oder aber Dinge aus Holz baut. Daneben gibt es auch oft Teambuilding- oder gruppendynamische Spiele. Wanderungen gehören auch immer dazu. Wir lernen dabei, aufeinander zu achten, aber auch auf die Natur und unsere Umwelt. Das Alter spielt dabei keine Rolle.“, erzählen die beiden Schülerinnen. Rituale dürfen natürlich auch nicht fehlen. Dazu gehört beispielsweise die Flaggenparade als gemeinsamen Start in den Tag oder aber die Lagersongs, die abends gemeinsam am Feuer gesungen werden. Neben den Camps gibt es die wöchentlichen Heimstunden, in denen, je nach Altersstufe Projekte, wie beispielsweise für den Umweltschutz, verwirklicht werden, oder aber Spiele gespielt werden. Außerdem werden regelmäßig Events veranstaltet, wie der Knödelheurigen der Gruppe 1, um Geld für den Verein zu sammeln. Lisa und Melanie gehören zurzeit noch zu den Teilnehmern und tragen somit keine große Verantwortung. „Mit 21 Jahren kann man eine Pfadfindergruppe leiten, natürlich macht man das ehrenamtlich, so wie alle Aufgaben bei den Pfadfindern. Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, in ein paar Jahren eine Gruppe zu übernehmen.“, so Lisa.

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Am Pfadfindersommerlager muss erst mal alles gemeinsam aufgebaut werden. Tisch, Kochstelle und oder Lagertor werden aus Holz nur mit Schnüren zusammengebaut. Knoten und Bünde werden in den wöchentlichen Heimstunden erlernt. ©zVg

„Solche Erlebnisse bleiben für immer”
„Es ist immer wieder überwältigend, wenn man bei einem Großlager auf der Wiese sitzt und rund um dich singen tausende Pfadfinder den Lagersong. Solche Erlebnisse bleiben für immer.“, erzählt Melanie. Besonders das Gemeinschaftsgefühl und das Gefühl, dass man so akzeptiert wird, wie man ist, seien Gründe, warum die beiden, bis heute im Verein geblieben sind. „Neben den Erinnerungen, die man schafft, ist es für mich auch besonders schön, zu wissen, dass die Freunde, die ich bei den Pfadfindern gefunden habe, mit Sicherheit ein Leben lang bleiben.“, so Lisa.

 

Factbox:
Die Pfadfinder-Bewegung wurde 1907 vom Briten Robert Baden-Powell gegründet. Sie is politisch und religiös unabhängig und heute die weltweit größte Jugendorganisation.

Es gibt ca. 85 000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Österreich, über 40 Millionen sind es weltweit.

Die Pfadfingergruppe Wiener Neustadt 1 ist die älteste Gruppe Österreichs und zählt zu den ältesten bestehenden Gruppen weltweit.

Links:
Website der Gruppe 1
Website der Gruppe 2

 

Interview: Janine Tremmel

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