Küssen auf der Bühne? „Dabei entstehen schwierige Emotionen“

Interview | Nico Dorigatti hat vor elf Jahren mit dem Theaterspielen begonnen. Inzwischen war der Achtzehnjährige regelmäßig auf der Theaterbühne im Neukloster und bis vor kurzem auch in den Schulaufführungen des Babenbergerrings zu sehen.
Außerdem wird bald sein zweites selbstgeschriebenes Stück „Letzte Tage, oder der König, der Narr und die Statue“ aufgeführt.

Seit wann bist du beim Theater?
Wenn die Leute fragen: Was machst du so, dann sage ich meistens, dass ich Geschichten erzähle. Mein Ziel ist es, die Leute zu bewegen und zu sehen, dass die Zuschauer hinausgehen und sie mit dem was ich tue, berührt habe.
Ich glaube, dass ich 2009 das erste Mal Theater spielte, als ich in der Musikvolksschule war und sie für die Wiener Neustädter Sparkasse Sänger und Tänzer suchten. Das war quasi der Einstieg und danach habe ich immer wieder bei Schulproduktionen mitgewirkt und habe begonnen, mich zu interessieren. Seit 2016 bin ich im Theater im Neukloster und jedes Jahr bei unserer schuleigenen Dramagroup (Anm. d. Red.: Schultheater des Babenbergerrings) und dem griechischen Theater, das ich mitgegründet habe. Und jetzt ist meine zweite Eigenproduktion mit meiner eigenen Gruppe am Laufen.

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Nico als Kreon in „Die Könige von Theben“ am Urhof29. ©zVg

Welche Rolle war bisher deine Liebste?
Es ist grundsätzlich wichtig, Lieblingsstück von Lieblingsrolle zu unterscheiden. Beim Neukloster war mein Lieblingsstück auf jeden Fall „Big Fish“, ganz einfach weil ich die Geschichte unglaublich genoss. Meine Lieblingsrolle war, als wir „Die sieben Zwerge“ gespielt haben, weil wir durch die Aufführungen für Kinder direktes Feedback im Sinne von Gelächter oder Furcht bekommen und das war bei diesem Stück am stärksten und die Kinder haben das Stück geliebt. In der Schule spielten wir letztes Jahr beim griechischen Theater „Die Könige von Theben“ und dort führte ich die Figur Kreon auf. Die war bisher meine psychologisch tiefgründigste, in die man sich total hineinversetzen musste und die mir schauspielerisch, aber auch emotional einiges abverlangte. Es war auch die bisher schwierigste Rolle für mich. Ich bin zwischenzeitlich auch sehr oft verzweifelt, aber am Ende kam ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis heraus.

Wie hast du dich darauf vorbereitet?
Ich befasste mich eingehend mit dem Text und probierte, wie ich die Rolle am besten rüberbringen kann. Ich glaube, ich verschreckte einige Leute im Zug, wenn ich auf meinem Platz saß und den Text durchging.

Singst du auch für deine Rollen?
Da wir im Neukloster immer Musicals aufführen, kommt man nicht drum herum. Ich bin sicher nicht der souveränste Sänger in unserer Gruppe, aber ich tue mein Möglichstes. Das war auch beim Schultheater so, als ich für „Rocky Horror Picture Show“ Frank-N-Furter sang, was schlussendlich ein total schönes Erlebnis war.

Möchtest du eher Schauspieler oder Regisseur werden?
Beides. Für mich ist das eine nur möglich, wenn das andere auch da ist. Der Schauspieler bringt das auf die Bühne, was der Regisseur in seinem Kopf entwickelt. Und für mich ist es das schönste Gefühl, wenn ich beides mache.
Kannst du auf Knopfdruck weinen?
Wenn ich in der richtigen Stimmung bin, ja. Ich musste auch schon in mehreren Rollen weinen, unter anderem letztes Jahr bei „Der gestiefelte Kater“ oder dieses Jahr als Kreon. Aber dadurch, dass es emotionale Szenen sind, fällt es mir in solchen Situationen auch leicht.

Wie ist es, jemanden für eine Rolle zu küssen?
Beim ersten Mal ungewohnt. Was jedoch auf der Bühne geht, ist, dass sich die Emotion von der bei einem echten Kuss unterscheidet. Und das kommt mir auch sehr interessant vor und ich möchte auch betonen, dass auf der Bühne dabei sehr schwierig Emotionen entstehen. Ich küsse auch auf der Bühne, obwohl ich in einer Beziehung bin. Meine Partnerin ist selber schauspielerisch tätig und hat kein Problem damit.

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Nico Dorigatti als Vierter Zwerg bei „Schneewittchen“ im Theater im Neukloster. ©zVg

Was sind deine Grenzen, die du für die Schauspielerei nicht übertreten würdest?
Sex auf der Bühne wäre für mich ein Tabuthema. Das erschiene für mich auch nicht notwendig und könnte definitiv anders gelöst werden.

Glaubst du, dass du auf der Bühne bleibst, oder auch Filme drehen wirst?
Ich würde die Möglichkeit nicht ausschließen, aber in der derzeitigen Situation fühle ich mich eher zum Theater hingezogen. Und dadurch, dass doch ein großer Unterschied besteht, finde ich das Arbeiten mit Publikum und direktem Feedback viel reizvoller.

 

Interview: Celina Dinhopl

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