„Für das Elvis – Konzert war ich noch zu jung“

Die Jugend von gestern | Katharina Dinhopl (72) hat ihr ganzes Leben in Wiener Neustadt verbracht. In ihrer Schulzeit in einer Klosterschule musste sie oft in der Ecke stehen und anstatt fortzugehen war der Eislaufplatz der Jugendtreffpunkt. Im Gespräch erzählt sie vom Spielen am Fohlenhof, der persischen Prinzessin Farah Diba und vom 24-Stunden-Theater.  

1947 wurde Katharina im Haus in Wiener Neustadt geboren, in dem ihre Eltern ein Lebensmittelgeschäft betrieben. Drei Jahre lang lebte die Famile am Fohlenhof, bis sie wieder in ihr Haus zurückzogen. Am Fohlenhof hatten sie viele Nachbarn mit Kindern, mit denen Katharina draußen spielen konnte. „Anstatt Häuser und Straßen waren viele Siedlungen voller Kornfelder. Wie ein goldenes Meer, das Wellen schlägt, wenn der Wind geht. Wir durften zwar nicht, trotzdem sind wir in die Felder gerannt“, erzählt die Wiener Neustädterin.  

Acht Jahre lang ging Katharina in die Klosterschule (heutige St. Christiana). „Unterrichtet wurden wir von Klosterschwestern, die eine Lehrer-Ausbildung machten. In der Volkschule durften sie uns noch mit Rohrstäbchen auf die Finger hauen. Ich musste auch oft in der Ecke stehen. Ich tratschte immer gerne mit meinen Sitznachbarinnen. Ich war ein Klassenkasperl. Die Lehrerin war ganz verzweifelt, weil ich die anderen immer zum Lachen brachte. Da half nicht einmal die Ecke, denn dann drehte ich mich einfach um, wenn sie an der Tafel stand.“ Katharina, von ihren Schulfreundinnen „Käthe“ genannt, war kein braves Kind. Ihre Hausaufgaben hat sie oft von ihren Freundinnen abgeschrieben. „Es hat keine eine andere verpetzt. Wir haben zusammengehalten, anstatt gegeneinander zu sein.“ Heute treffen sich die ehemaligen Klassenkameradinnen einmal in der Woche. „Einmal musste ich hundert Mal ‚Ich soll während der Pause die Mitschülerinnen nicht frisieren‘ schreiben. Damals war gerade die „Fara Diba (siehe Foto) Frisur modern und ich habe meine Freundinnen toupiert, damals war ich aber noch keine Friseurin (Anm. d. Red.: Nach der Schule machte Katharina die Ausbildung zur Friseurin). Das war nicht erlaubt, denn wir mussten die Haare zurückstecken und durften keine offenen Haare haben“, erzählt Katharina. Auch sonst galten strenge Kleiderregeln: Hosen waren unerwünscht und durften nur im Winter getragen werden und beim Sport mussten die Mädchen lange schwarze Leggins tragen. In der Volksschule gab es sogar eine einheitliche Schuluniform. 

1964 mit 17 im Föhrenwald 

Eislaufplatz & Saubad 

Zwar wurde auch bei Katharina das ein oder andere Tröpfchen Alkohol vergossen, Fortgehen war aber nicht die Haupt-Freizeitaktivität. Im Sommer waren Katharina und ihre Freunde im „Saubad“ (ehem. Volksbad)schwimmen, im Winter war Eislaufen im Stadtpark das große Highlight. „Das war auch die einzige Möglichkeit, Burschen zu treffen, denn sonst kam man nicht mit ihnen in Kontakt, schließlich war ich auf einer Mädchenschule. Anstatt meine Hausaufgaben zu machen, bin ich auf den Eislaufplatz gegangen. Abends wurde ich von meinem Vater oder meinem Opa abgeholt. Der hat sich die Schlittschuhe immer auf den Rücken geworfen. Und der Hula-Hoop-Reifen war auch sehr beliebt, damit haben wir damals alle gespielt.“ Fortgehen durfte Katharina erst mit 16, als sie ihren Freund kennengelernt hatte. Dieser war drei Jahre älter und hatte bereits ein Auto, mit dem sie herumfahren konnten. Ein Auto sei das Ziel der Jungen gewesen, um den Mädchen zu imponieren. „Mir hätte aber auch ein Moped gereicht.“ In ihren jungen Jahren war Elvis Presley der Hit. All ihre Freundinnen waren von dem Sänger begeistert. „Einmal kam Elvis Presley in die Wiener Stadthalle, doch da war ich noch zu jung. Wäre ich ein paar Jahre älter gewesen und hätte Geld verdient, wäre ich hingefahren.“ Aber auch das Kino war ein beliebter Ort: „Als Belohnung für die Kirche haben wir zwei Schilling bekommen, mit denen wir ins 24-Stunden-Theater im Stadttheater gehen konnten und Schwarz-Weiß-Filme schauen konnten.“  

Neustadt hat sich verändert 

„Früher war Wiener Neustadt eine gemütliche Stadt. Ich vermisse die Sicherheit. Heute gibt es Sicherheitszonen, aber wieso braucht man diese? Weil es gefährlich ist. Aber sonst bin ich den Veränderungen nicht negativ gestimmt. Was sich noch verändert hat? Meine Schule ist heute eine Schule für Burschen und Mädchen. Und auf der Grazer Straße wirst du fast zusammengeführt, wenn du hinübergehen willst, wohingegen in meiner Jugend oft Sandwege anstelle von Straßen waren und gerade einmal dasselbe Auto zweimal täglich vorbeifuhr.“ 

Ihre Ausbildung zur Friseurin hat sie übrigens von 1961 bis 1964 in Wiener Neustadt bei „Familie Kaiser“ gemacht. 

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