„Man fühlt sich wie eine Fee“

Sport-Porträt| Seit fünf Jahren hat Julia Schmidt (26) eine Passion für die Sportart „Aerial Hammock“. Die Grundlagen hat sie sich selbst beigebracht. Heute unterrichtet sie Erwachsene, Kinder und Jugendliche AnfängerInnen in Wiener Neustadt und Traiskirchen. Vom Klischee des „sexy Frauensports“ hält sie nicht viel.

Text: Celina

Aerial Hammock ist eine Form der Tuchakrobatik, eine Kombination aus einfachen und komplexen Figuren. Die 26-jährige Julia Schmidt schwingt sich seit fünf Jahren an einem Tuch durch die Luft, davor war Aerial Yoga ihr Sport (Anm.: Aerial Yoga ist eine Mischung aus Yoga und Aerial Hammock, bei der traditionelle Übungen ohne Druck auf die Wirbelsäule und Gelenke ausgeübt werden können). Seit zweieinhalb Jahren unterrichtet sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene in WienerNeustadt und Traiskirchen. Derzeit biete sie auch Kurse in ihrem Garten in Sollenau an. Das sei jedoch nicht immer ihr Plan gewesen. Die Figuren für Aerial Hammock hat sie sich selbst beigebracht. Noch einmal würde sie das allerdings nicht mehr so machen. Ihren Schülerinnen empfiehlt sie, Übungen, die noch nicht im Kurs gemacht wurden,nicht selbst auszuprobieren, dabei könne nämlich viel passieren selbst mit Basiswissen. Sie trainiert drei bis viermal die Woche, wobei das Training meist aus Warm Up und IG Videos zur Inspiration besteht.

Aerial kann man überall machen, wo man auch Tücher sicher montieren kann. Hier zum Beispiel an einem Baum in Julias Garten. Foto: Doris Schmidt

Wie bist du zum Unterrichten gekommen?

Ursprünglich habe ich über Facebook nach einer Tanzpartnerin gesucht. Ich bin jedoch immer fortgeschrittener gewesen und habe ihnen immer et-was beigebracht. Und mit einer Freundin bin ich dann auf die Idee gekommen, ein Studio in Traiskirchen zu eröffnen. Das Studio heißt Crossfit2500 und wir beide sind dort eingemietet und schreiben eigene Kur-se aus. Genauso habe ich im Vereinshaus der Sportunion Wiener Neustadt mein Studio gemietet. Es ist schön, von Anfang an dabei zu sein und zu beobachten, wie die Schülerinnen beginnen, sich fallenzulassen.

Was ist das Besondere an dieser Sportart?

Dass die Schülerinnen so schnell ihre Grenzen überwinden können; das habe ich in keinem anderen Sport so gesehen. Gerade die Kinder sind anfangs sehr schüchtern und nach ein paar Stunden sind sie voll dabei. Wenn ein neues Kind in die Gruppe kommt unterstützen sie sich untereinander. Obwohl es ein Einzelsport ist, ist es so sozial. Für mich persönlich ist es das Gefühl inder Luft zu schweben, sozusagen ein kontrolliertes Fallenlassen. Man fühlt sich dabei wie eine Fee und es lässt sich mit nichts anderem vergleichen.

Gibt es auch Auftritte oder Wettbewerbe, bei denen du teilnimmst? Wenn ja, wie laufen die ab?

Wettbewerbe finden zwar in den USA oder Griechenland, aber nicht in Österreich statt. Ich würde zwar an welchen teilnehmen, falls zum Beispiel in Deutschland Wettbewerbe stattfänden, aber eigentlich bin ich nicht wirklich ein Wettbewerbstyp. Ich bevorzuge Auftritte und habe bisher an ca. acht bis zehn teilgenommen. Bisher bin ich für Auftritte durch Aufträge gebucht worden. Das wichtige dabei ist, dass der Veranstaltungsort eine Möglichkeit bietet, die Bänder zu montieren. Leider scheitertes oftmals an genau diesem Punkt. Ansonsten kann man Bänder im Freien z.B. an Bäu-men oder auch in großen Hallen anmachen

Was waren deine größten Highlights?

Bei Auftritten ist mein Highlight, wenn ich die Spannung im Publikum spüre, wenn ich einen Drop/Abfaller mache. Meine Choreografien sind großteils sehr elegant und „tänzerisch“ aufgebaut. Drops kommen da bewusst dezent gehalten vor, weil sie einfach diesen gewissen Nervenkitzel aufbauen, den sowohl das Publikum, als auch ich spüren. Mir fallen zwei besonders schöne Auftritte ein: Zum einen habe ich 2016 einen Auftritt in der Sporthalle beim Abschlussfest des Gymnasiums in Unter Waltersdorf gehabt, dabei habe ich meinen ersten Auftritt alleine in Aerial Sikh zusammen mit Aerial Hammock und einer Tanzchoreo gehabt. Zum anderen denke ich an den SPÖ Ball im Jänner, bei dem ich den ganzen Auftritt über in meiner eigenen Welt war, nicht zuletzt, weil ich die Bänder weit weg vom Boden gespannt habe.

Gibt es irgendwelche Dinge,auf die man achten muss?

Ehrlicherweise: Anfangs tut es sehr weh. Das Tuch wirkt angenehm, schnürt aber an Stellen ab, an denen man es nicht gewohnt ist, wie zum Beispiel Rücken und Oberschenkel. Das Positive: Alle AnfängerInnen haben bisher in der ersten Stunde mindestens fünf Figuren gelernt. Man kann sich an den Sport herantasten und muss nicht sofort kopfüber gehen.

Wie gehst du mit dem Stereotyp von Aerial Hammock als „sexy Frauensport“ um? Machen das auch Männer?

Es ist schon so, dass es diesen Stereotyp über Aerial Hammock gibt, ich bin auch schon von FreundInnen belächelt worden. Aber „sexy“ trifft auf jede Sportart zu, die ästhetisch ist, oder bei der enge Kleidung getragen wird. Aerial Hammock soll elegant und leicht aussehen, aber genau das ist das Gefährliche daran, da andere denken könnten, dass es tatsächlich so einfach ist. Aber Kommentare über Sexyness höre ich auch, wenn ich ein Video hochstelle, indem ich in einer engen Leggins einen Handstand oder Spagat mache, obwohl ich damit gar nichts Reizvolles bewirken möchte. Ich gehe aber keine Diskussionen darüber ein, denn jemanden, der sowas in einem Sport sieht, kann man dadurch sowieso nicht umstimmen. Prin-zipiell machen Männer genauso den Sport, in meinem Kurs gibt es bisher noch keine Männer; abgesehen von Freunden, die Aerial Hammock einmal ausprobieren wollten

Welche ist deine Lieblingsfigur?

Prinzipiell jede mit einem Spagat. Da fühle ich mich total erhaben, oder wie eine Fee, die einen großen Sprung macht. Es kann aber auch sein, dass ich mich damit am coolsten fühle. In meinen Choreos baue ich auch immer mindestens eine Figur mit Spagat ein.

Welche Ziele möchtest du noch erreichen?

Ich möchte meine Kurse noch weiter ausbauen, sozusagen eine Aerial Familie aufbauen, das ist jedoch abhängig von Corona. Zudem möchte ich regelmäßig auftreten, denn bei den Kursen bleibt der eigene Fortschritt außen vor.

FACTS

Name: Julia Schmidt

Alter: 26

Wohnort: Sollenau

Ausbildung: BG Zehnergasse, Kolleg Kinderagrtenerzieherin Wiener Neustadt, Mentaltrainerin, weitere Fort- und Ausbildungen als Trainerin wie z.B. Fußball.

Studios: Crossfit2500 Traiskirchen, Vereinshaus Sportunion WienerNeustadt

Link: www.julia-schmidt.at

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