Krisen-Arbeit

Nachgefragt | Wie waren die letzten Wochen für Mitarbeiter_innen in den Krankenhäusern? Tanja Kaiser (23) ist Diplomkrankenpflegerin am Landesklinikum Wiener Neustadt und hat uns ein paar Fragen zu ihrem „neuen“ Arbeitsalltag beantwortet.

Wie hast du den Beginn der Corona Krise erlebt?

Um ganz ehrlich zu sein, ganz zu Beginn, als die Meldungen aus China sukzessive mehr wurden, habe ich das irgendwie noch nicht so ernst genommen. Man liest es, registriert es und denkt nicht daran, dass diese Situation wirklich bis zu uns nach Österreich „überschwappt“. Abgesehen davon war ich gerade glücklich, dass mir meine lang angestrebte OP-Sonderausbildung genehmigt wurde und ich diese auch Anfang März angefangen habe. Plötzlich war die Krise auch in Österreich und meine Sonderausbildung nach nur zwei Wochen gestoppt. Das war kein gutes Gefühl. Dass sich die Lage so entwickelt und zur Pandemie wird, das hätte ich Anfang März nicht geglaubt.

Wie hat sich das auf die Arbeit und dein Privatleben in den letzten zwei Monaten ausgewirkt?

Im Privaten ist es mir wohl genauso ergangen wie allen anderen Menschen im Land. Kontakt nur mit den gemeinsam im Haushalt lebenden Personen, Kontakt zu Risikogruppen – im Speziellen zu alten Menschen – komplett meiden. Das hieß für mich: kein Kontakt zu meinen Eltern und Großeltern, Freunde nicht sehen. Das war ja die ersten ein, zwei Wochen nicht so tragisch, aber mit der Zeit merkt man, wie schwierig es gefühlstechnisch wird, seine Lieben nicht ab und zu umarmen zu können.

Was ist im Krankenhaus jetzt anders als vorher?

Es haben sich viele Abläufe geändert. Durch die Schutzmaßnahmen (Tragen von Masken, Abstand halten) kommt man sich in seinem Team auch nicht so nahe, man muss sich andere Arbeitsweisen angewöhnen. Ich bin diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP) und mein Stammbereich ist der GYN-HNODERMA-OP. Relativ bald im Lauf der Krise und bis heute versehe ich meine Dienste im Screening-Zelt am Haupteingang des Landesklinikums. Das war schon eine große Umstellung. Ich bin eigentlich eher schüchtern. Durch diese neue Aufgabe, bei der ich lernen musste, situationsbedingt selbst auch mal schnelle Entscheidungen zu treffen, bin ich viel selbstbewusster geworden. Ich bin – wie man so schön sagt – in der Krise an meinen Aufgaben gewachsen.

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