Der Spaß hinter dem Make-up

Die Bodypainterin #kulturklette | Victoria Pammer macht ihr Gesicht zum Gemälde und verwandelt sich in Zombies, Puppen, Meeresungeheuer, Superman oder auch mal in einen Teppich. Dass Make-up kein Versteckspiel ist, sondern ein kreatives Tool, mit dem sie die verschiedensten Seiten ihrer Identität hervorbringen kann, das hat sie uns im Klette-Interview erzählt.

Lippenstifte, Lidschatten, Concealer, Glitzerstaub, Puder und Theaterschminke – wie viel Make-up eigentlich gerade in ihrer Wohnung herumliegt, das weiß Vicky Pammer nicht so genau, nur, dass es viel ist und dass es Spaß macht. Die Wiener Neustädterin hat die letzten vier Jahre als Au-pair und Studentin in Holland gelebt. Jetzt ist sie von ihrem Auslandsemester in Dänemark zurück in Österreich und eines ist klar: Trotz der vielen Umzüge wurden die Tuben, Tiegel, Pinsel und Pailletten nicht weniger. In den letzten Jahren war das Face- und Bodypainting vor allem ein Ausgleich zum Studium.

„Das Malen dauert dann schon mal fünf bis sechs Stunden“ – Victoria Pammer. ©zVg

„Es ist ein Hobby, aber ich habe schon einen hohen persönlichen Anspruch. Ich nehme mir immer einen ganzen Tag dafür. Das Malen dauert dann schon mal fünf bis sechs Stunden, dann mache ich noch Fotos und bearbeite sie und wasche dann alles wieder ab. Wenn ich das mache, dann kann ich Zeit mit mir alleine und meiner Leidenschaft verbringen, da geht es dann um nichts anderes mehr, das ist, als würde ich die Welt auf Pause drücken.“

Auf ihrem Instagram account „justmakeupalready“ veröffentlicht sie immer wieder Fotos von ihren Paints. Sie liebt vor allem bunte und kräftige Farben und Kontraste, Comic-Figuren und witzige Elemente. Das können dann zum Beispiel Mike Glotzkowski von der Monster AG, oder dieser Autoteppich sein, den wir als Kinder alle zuhause hatten – „Das ist dann ganz lustig, wenn ich dem Pizzaboten so die Tür aufmache“, lacht sie. „Wenn etwas mal nicht so gut aussieht, dann ist das auch nicht schlimm, es geht mehr um den Prozess als das Ergebnis.“

Dass das Ergebnis meistens nicht so schlecht ist, kann angenommen werden. 2019 kam sie etwa unter die Top 10 in der österreichischen Auswahl der „Nyx Face Awards“. Der Wettbewerb der Make-up Marke Nyx sucht jedes Jahr weltweit den „Make-up Artist des Jahres“. Die Tutorials für das Make-up, das sie in den Auswahlrunden gemacht hat, gibt es auf YouTube. In Zukunft bei weiteren Wettbewerben mitzumachen, kann sie sich gut vorstellen. Auszuprobieren gibt es für sie jedenfalls noch genug, denn der Kreativität sind schließlich keine Grenzen gesetzt. „Drag Make-up fasziniert mich sehr – das ist eine andere Kunstform, mit der ich noch nicht viel zu tun hatte, die finde ich sehr spannend, habe aber noch nicht die richtigen Produkte dafür“, erzählt Vicky, wenn sie an zukünftige Projekte denkt.

Make-up ist keine Maske

„Wenn ich die Zeit habe, Make-up zu machen, dann mache ich das auch, da verliere ich mich dann in Details. Manchmal denke ich mir: Heute mach ich das Tages-Make-up mal natürlich und ups, zwei Stunden später sitze ich dann mit full face da“, lacht sie. „Mein liebster Teil am Fortgehen ist das vierstündige Fertigmachen vorher, da schminke ich alle meine Freundinnen auch noch.“ An Halloween muss sie dafür schon am Vormittag anfangen. Mit dem Halloween Make-up, das sie für Freundinnen mit 14 Jahren machte, fing ihre Leidenschaft fürs Schminken dann auch an.

„Ich will am liebsten jeden Tag anders
aussehen.“

Mit der Meinung, dass Make-up eine Maske sei, hinter der sie sich verstecke, kann sie rein gar nichts anfangen. „Das habe ich mir schon oft anhören müssen, auch, dass ‚natürlicher‘ viel schöner ist. Ich finde solche Aussagen so unnötig. Was interessiert es mich, was andere davon halten? Klar fühlt man sich an manchen Tagen mit ein bisschen Concealer schöner, aber ich kann mich mit Make-up kreativ entfalten und mich ausdrücken, das hat absolut nichts damit zu tun, sich zu verstecken. Es tut niemandem weh und am Ende des Tages wäscht man es wieder ab.“

Bei Vicky Pammer ist von Tages-Make-up bis „full face“ über Halloween-Make-up alles dabei. ©privat

Schminktipps

Beigebracht hat sie sich die notwendigen Techniken und Tricks fürs Facepainting im Laufe der Zeit selbst, auch über Tutorials. Bevor sie ein neues Kunstwerk macht, zeichnet sie es auf ihrem iPad und verwendet ein Foto von sich, um alles richtig zu positionieren. Dann zeichnet sie die groben Formen und Linien auf ihre Haut, malt sie aus (das braucht am meisten Zeit) und erst die Details machen den Look dann komplett. „Ich weiß erst am Ende ob es gut ist, bis man die Details macht, schaut es oft recht blöd aus“, lacht sie. Dass man auch mit wenig Make-up ganz schön viel machen kann, davon ist Vicky überzeugt. „Meine ersten Sachen waren Kinderschminke auf Wasserbasis und Lidschatten. Mann kann mit vielen Dingen viel tricksen. Zum Beispiel mit Contour die Gesichtszüge verändern. Wasserfarben sind super, wenn man damit tanzt und viel schwitzt, sind aber Fettfarben besser. Da muss man aber Puder draufgeben, damit es nicht verwischt, die Farbe bleibt nämlich cremig.“
Auch im Alltag wird Vicky kreativ: „Alles Individuelle hat echt was Schönes an sich und schöne Sachen faszinieren mich. Für mich gibt es viele Arten schön zu sein. Ich will am liebsten jeden Tag anders aussehen, da benutze ich Glitzer, mal hab ich rosa Haare, mal bin ich puppenhaft und mal will ich mit Make-up gar nichts zu tun haben.“

„Meine ersten Sachen waren Kinderschminke auf Wasserbasis und Lidschatten.

Ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und professionell zum Make-up Artist zu werden, hat sie aber nicht vor. Nach ihrem Studium Medien- und Entertainment Management will sie ein Praktikum im Bereich Grafikdesign machen. Auf ihrem iPad zeichnet sie in ihrer Freizeit in diesem Bereich viel und gerne. Spannende Jobs, bei denen sie ihrer Leidenschaft für Make-up nachgehen konnte, hat sie aber allemal schon gemacht, etwa bei einem Halloween-Zirkus, beim Kinderschminken oder als Stelzenläuferin bei einer Entertainment-Firma. Und auch wenn am Ende des Tages alles wieder abgewaschen wird, was bleibt ist für sie der Spaß hinter dem
Make-up.

Text: Stefanie Marek

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