„Das Schauspielerleben ist ziemlich unsexy“

Künstlerinnen-Porträt | Katharina Holoubek (26) erzählt über das Leben als Schauspielerin, ihre Zusammenarbeit mit Lucas Fendrich und Christopher Seiler und die Vorteile an der Zeit zu Hause und das Aufwachsen in einer Künstlerfamilie.

Melina Sederl

Katharina Holoubek wusste schon früh, dass sie Schauspielerin werden möchte und hat ihr Können mit Filmen wie „Bad Fucking“ (2013) oder „Das Tor“ (2019) unter Beweis gestellt. Ihr musikalisches Talent zeigt sie aktuell im Song „Drei vor Zwölf“ zusammen mit DAME und Lucas Fendrich. Die 26-jährige gebürtige Wiener Neustädterin begeistert auch als Dorli an der Seite von Christopher Seiler in der Serie „Horvathslos“ und nachdem alle Fenster geputzt sind, vertreibt sie sich die Zeit der Ausgangsbeschränkungen damit, selbst kreativ zu werden.

„Irgendwann sind alle Fenster geputzt“

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. So waren für Katharina einige Projekte und Drehs geplant, die jetzt wegen Corona stillstehen. „Du bist schon vorm Absprung und freust dich darauf, dann verändert sich plötzlich alles“, meint die Schauspielerin. Die Erfahrung sei für uns alle neu, doch sie nütze die Zeit, um selbst Dinge zu kreieren, Gedanken aufzuschreiben und auch im filmischen Bereich Ideen zu sammeln und festzuhalten. Wenn sie wieder spielen dürfe, werde sie sich umso glücklicher schätzen, meint die Künstlerin und denkt, dass wir mit mehr Liebe zur Natur und Freude am Leben aus dieser Krise hinausgehen werden. „Ich habe grundsätzlich kein Problem, zu Hause zu sein und vertreibe mir künstlerisch die Zeit, bereite mich auf meine Arbeit vor und mustere mein Haus aus. Irgendwann sind aber alle Fenster geputzt und dann ist es auch gut, sich selbst herunterzufahren und auch zu genießen, einmal nicht beschäftigt zu sein.“

„Die Zügel selbst in die Hand nehmen“

Katharina könnte sich auch gut vorstellen, einmal als Regisseurin Filme selbst zu inszenieren, für die sie jetzt schon Ideen sammelt. „Mal schauen, was sich ergibt, ich hätte auf jeden Fall Bock darauf, die Zügel einmal selbst in die Hand zu nehmen“, meint die Künstlerin. Auch als sozialer Mensch, habe sie kein Problem, von daheim zu arbeiten und sich kreativ zu betätigen. Als Schauspielerin muss sie sich ohnehin oft zu Hause auf ihre Rollen vorbereiten und ist daher das Arbeiten von daheim gewöhnt.

„Drei vor Zwölf“ – Neuer Song mit DAME und Lucas Fendrich

In dem auf YouTube veröffentlichten Song „Drei vor Zwölf“ greifen der österreichische Rapper DAME, der Musiker Lucas Fendrich und Katharina Holoubek die aktuelle Lage sehr gefühlvoll musikalisch auf. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen? „Lucas und ich sind schon lange befreundet, er spielt mit meinem Mann in der Band „Hunger“. Auch DAME kennen wir schon länger und wir verstehen uns privat wie auch in Sachen Musik sehr gut. Als wir wie so oft FaceTime genutzt haben, ist die Idee entstanden. Wir haben den Song an einem Abend produziert und via FaceTimeCall aufgenommen.“ Diese Spontanaktion zeigt, wie trotz der Krise zusammen musiziert werden kann und kam trotz „null Erwartungen“ von Katharina sehr gut an. Die Musiker wollen mit dem Song Spenden an den „Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser“ sammeln. „Wir möchten mit dem Song kein Geld verdienen, der Spendenaufruf war uns besonders wichtig.“, meint Katharina.

„Ich könnte nicht ohne Musik“

Die Schauspielerin singt nicht nur, sie spielt auch Saxofon und Querflöte. Musik ist ein großer Teil ihres Lebens. Katharinas Mutter ist Konzertflötistin und Musikpädagogin, daher war Musik immer ein wichtiger Teil in ihrem Leben. „Ich könnte nicht ohne Musik. Durch meine Familie habe ich Musik von Anfang an mitbekommen. Die Möglichkeit, sich künstlerisch auszutoben war immer da, und es macht mir nach wie vor großen Spaß. Das werde ich wohl nie ablegen können, denn es ist ein Riesenhobby und macht glücklich. Auch das Musikmachen mit Freunden macht mir sehr Spaß.“

„Horvathslos“

Katharina verkörperte die verpeilte und naive Dorli in der Serie „Horvathslos“ an der Seite von Christopher Seiler. „Die Zusammenarbeit war super lustig, von vorne bis hinten. Bernhard Speer kenne ich schon länger und die Rolle hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Dorli hat einen ordentlichen Sprung in der Schüssel! Das Drehen war professionell mit einer gewissen Lockerheit, es fühlte sich an, als ob eine Familie zusammen am Set arbeitete. Der Spaß am Dreh ging definitiv nicht verloren und mir wurde auch ein Spielraum beim Text überlassen. Somit bestand die Freiheit, spontan zu reagieren. Wir haben so viel gelacht und es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.“ Katharina ist auch weiterhin mit den Jungs von Seiler und Speer in Kontakt und schließt auch weitere Projekte mit ihnen nicht aus.

Der Weg zum Schauspielerdasein

„So kitschig es klingen mag, ich hatte diesen Moment, an dem ich wusste, dass ich Schauspielerin werden möchte.“, sagt Katharina. Schon mit sechs Jahren fing sie in einer Laientheatergruppe an, spielte neben der Schule und nahm Schauspielunterricht. Sie besuchte den Musikzweig des BORG Wiener Neustadt und wusste mit 14 Jahren, bei ihrem ersten richtigen Job, dass Schauspielerin zu werden, ihr berufliches Ziel ist „Wow, ich bin dankbar“, dachte sie sich damals und wusste, „das möchte ich machen!“. Sie hatte das große Glück, die Unterstützung und viel Verständnis von ihrer Familie zu haben. Nachdem sie die Schule fertig gemacht hatte, ging sie auf Schauspielschulen in Wien, Berlin und New York.

Aufwachsen in einer Künstlerfamilie

Katharina Holoubek stammt aus einer Künstlerfamilie (Ihre drei großen Brüder und ihre Mutter sind Musiker). War da Druck auf ihr, auch einen kreativen Weg einzuschlagen? „Meine Eltern hätten sich sogar gefreut, wenn ich was Gscheid‘s studiert hätte, da war nie Druck. Aber es ist schon gefördert worden. Meine Brüder sind Wunderkinder, inspirierende Künstler und Vorbilder für mich. Ich habe mir eher selbst den Druck gemacht und einen gesunden Biss gehabt. Ich habe schon früh die Realität des Künstlerlebens kennengelernt und somit eine gute und ehrliche Schule erlebt: Kunst soll eine Leidenschaft sein, aber es ist ein schwerer Weg.“

„Das Schauspielerleben ist ziemlich unsexy“

Viele Menschen haben wohl einen etwas verklärten, romantischen Blick auf das Schauspielerleben. Wie sieht eine klassische Woche für Katharina aus? „Ziemlich unsexy“, meint sie, „Das Schauspielerdasein besteht aus viel Vorbereitung, viel Warten, viel Üben und Recherchieren zu Hause. Dann erst gibt es den Kontakt mit Gegenspielern und die Magie passiert, wenn man zusammenspielt. Man stellt sich jeden künstlerischen Job definitiv zu romantisch vor.“ Sie liebe es jedoch, in ihrem Job Kind sein zu dürfen, sich selbst auszuprobieren und oft gegen ihren eigenen Charakter zu spielen. Schauspieler, die Katharina selbst besonders liebt, sind Tom Hardy und Clint Eastwood, wobei ihr Papa immer ihr größtes Vorbild bleibt. Jungen Menschen, die Schauspieler oder Schauspielerinnen werden wollen, rät sie, sich nicht unterkriegen zu lassen und es einfach auszuprobieren, wenn man dafür brennt.

Heimat Wiener Neustadt

Wiener Neustadt bleibt weiterhin ihre Heimat, auch wenn Katharina mittlerweile in der Nähe von Wien lebt. „Ich komme gern zurück. Hier hat alles angefangen und ich besuche immer gerne meine Freunde und Familie in Wiener Neustadt.“, meint die Künstlerin. Dass ihre Heimatstadt sie nie so richtig verlassen hat, merkt man auch daran, dass sie beim Interview einen Kuli der ehemaligen Jugendplattform „Megafon“ aus Wiener Neustadt in der Hand hält.

FACTS
Name: Katharina Holoubek
Beruf: Schauspielerin
Alter: 26
Daheim: geboren in Wiener Neustadt, wohnhaft in Perchtoldsdorf
Ausbildung: BORG Wiener Neustadt, Schauspielschulen in Wien, Berlin und New York

Links:
IG/katharinaholoubek
FB/ katharina.holoubek

Spendenkampagne:
www.betterplace.me/zusammenschluss-oesterreichischer-frauenhaeuser

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