Social Distancing für Erstsemester #klettekommentar

„Da haben wir uns ja ein schönes Jahr ausgesucht, um zu studieren“ – Dasselbe wie die beiden Mädchen letztens in der Vorlesung vor mir, denken sich heuer wohl viele Studienanfänger*innen. Die beiden haben ja noch Glück – die Vorlesung ist eine der wenigen, zu denen man an die Uni kommen darf. Die meisten Kurse finden ja online statt. Danke Corona. „First World Problems“ sagen die einen, tatsächlich ist der Beginn des Studierendenlebens aber eine ganz neue Lebensphase, die vor allem von einer Sache lebt: sozialer Austausch. Und gerade der fehlt jetzt massiv.

Keine Partys zum Semesterstart und zwischendurch, kaum Möglichkeiten neue Leute kennenzulernen und Anschluss zu finden, und die Vortragenden kommen per Videostream zu einem nachhause. Was aus Pandemiegründen sinnvoll ist, ist nicht nur für die Erstsemester traurig, sondern taugt leider auch nicht als pädagogisches Prinzip. Denn Lernen im Studium funktioniert ebenfalls durch Austausch, Fragen stellen und Diskussion, gerade am Anfang. Man kann auch im Chat diskutieren, oder in den Whats-App-Gruppen, in denen die Studis sich jetzt organisieren – der Effekt ist aber wohl kaum derselbe.

Eine wirklich gute Nebenwirkung der Pandemie: Die Lehrenden der Uni Wien (an die viele Niederösterreicher*innen zum Studieren kommen) schaffen es endlich, ihre Unterlagen zeitgerecht auf die elearning-Plattformen zu stellen und meistens sogar ihre Vorlesungen zu streamen. Das muss diese Digitalisierung sein, von der seit Monaten alle reden.Gerade im ersten Semester kann Studieren sehr überfordernd sein. Die richtigen Räume finden, sich organisieren und sich dabei vom Uni-System verwirren lassen – das sind Erfahrungen, die dazu gehören und die jetzt ganz anders gemacht werden. Aber keine Sorge liebe Studienanfänger*innen. Es gibt Studierende, die haben den Mikrokosmos Uni bis zum Ende ihres Studiums nicht durchschaut. Falls die Pandemie vor dem Ende eures Studiums vorbei sein sollte, habt ihr also noch genug Zeit das Studierendenleben live zu genießen. Auch wenn das nicht dasselbe ist.

Stefanie Marek  

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