„I bin immer wieda gern a bissl zua, wos wüst denn hean?“

Musik-Porträt | Man stelle sich zwei achtjährige Buben in einer Punkrock-Band vor. Klingt erstmal komisch oder? Bei Thomas Seidl und Stefan Tallian (beide 23) stellt diese frühkindliche Erfahrung allerdings den Beginn ihrer musikalischen Laufbahn dar. Heute sieht sich das Duo „Binsenweisheit“ im gesellschafts- und sozialkritischen Austropop angekommen.

In Kellern, Garagen und spontan bei Partys und Festivals – so startete das Duo-Projekt „Binsenweisheit“ der beiden 23-jährigen Ex-BORG Schüler Thomas und Stefan. „Am Frequency 2017 habe ich mir meine Gitarre geschnappt und Stefan hat sich ein Schlagzeug aus Bierdosen, Mülleimern, Schwimmreifen und was auch immer wir noch so gefunden haben, gebaut. Und dann haben wir einfach diverse Situationen besungen, die wir dort erlebt und mitangesehen haben“, erzählt Thomas über den Anfang des Zweiergespanns. Offensichtlich hinterließ das bei ihren Freunden Eindruck, das Duo wurde in den nächsten Monaten für Privatpartys in Kellern, Garagen und Co. gebucht. „Das meiste, was wir dort gesungen und gespielt haben, war improvisiert, Situationskomik eben. Man könnte es auch Blödsinn nennen und mit der Zeit hatten wir dann eben ein Repertoire an Blödsinn.“

Erste gemeinsame Band-Erfahrungen sammelten die beiden Studenten aber schon in der Volksschule, als sie sich in einer Punkrock-Band musikalisch ausprobierten. „Vor dieser Band hab‘ ich Musik eigentlich gehasst, dann hab‘ ich gemerkt, dass Musik richtig ‚gschissn‘ klingen kann und genau das hat mir besonders Spaß gemacht“, erzählt Thomas mit einem leicht sarkastischen Unterton. Stefan dagegen wuchs in einer musikalischen Familie auf und war durch seine Eltern immer schon von Musik umgeben. 2016 folgte dann die Gründung einer weiteren Band: „Clutch at Straws“ zusammen mit Dominik „Döme“ Langer. Im Februar 2018 dann die Veröffentlichung der ersten EP 01000011 01100001 01110011 (binär für cas, kurz Clutch at Straws). Mit „Binsenweisheit“ stiegen Thomas und Stefan in ein für die beiden ungewohntes Genre ein, weg von Progressive-Hardcore und Punk, hin zum gesellschaftskritischen Austropop. Die Themen variieren von alltäglichen Geschehnissen, über die Jammer- und Raunz-Gewohnheiten der Österreicher, Trinkabende, Lebensmittel (Anm. d. Redaktion: Thomas studiert Bio- und Lebensmitteltechnologie) bis hin zu sozialkritischen Inhalten wie Alkohol- und Nikotinkonsum. “Konsumpflicht“ aus dem Album „es is wie(n)s is“, das im April erschien, handelt beispielsweise von den typischen Konsumgewohnheiten der Österreicher*innen.

Auszug aus dem Song „daydrinking“

da kommst scho in hadern, gustln dads di scho
produktiv wuidast sei, is gestern a nix wurdn
a blick auf die uhr, scho fast zwöfe, da derf scho ans sei

daydrinking – moch da an schenan tog
daydrinking – schwimm auf da wön
daydrinking – die pflicht die ruaft a no muang
de konnn ja nie de goschn hoidn

um ans host a spitzerl umgstiegen auf spritzer
die pflichten san längst scho vagess ois wia
jetzt frogst die nur, wos wüst heit mochn, mit dein

„Meistens entstehen die Texte recht spontan und improvisiert. Dann kommen ein paar Gitarrenideen dazu und es wird aufgenommen. Besonders bei unseren ersten paar Singles sind wir allerdings ziemlich oft eskaliert, was Überproduktion angeht“, erzählen die beiden lachend. Zu ihrem Repertoire gehören inzwischen Songs, wie „Der Aufstrich und Fall des Gestaltwandlers“, „One Way Taxi“ oder „daydrinking“. Über die Plattform „bandcamp“ kann man so gut wie alle Songs von „Binsenweisheit“ gratis downloaden.

Der erste Auftritt

Eines ihrer ersten Konzerte fand als Teil des Veranstaltungsformats Summer Breeze im Triebwerk-Garten statt. „Überrascht hat mich bei unseren ersten Konzerten tatsächlich, dass Leute mitgeklatscht und mitgesungen haben. Grundsätzlich ist das ja kein erwähnenswertes Ereignis, aber wenn man davor in einer Hardcore-Band spielt, dann ist das schon komisch, dass das Publikum den Text überhaupt kennen kann. Bei Screamo passiert das eher selten“, so die beiden Neustädter. Ihr letztes Konzert in Wien Ende August entwickelte sich zu einem buchstäblichen Wunschkonzert. „Die Leute haben irgendwann begonnen, Wünsche zu äußern und wir haben spontan versucht, das zu spielen. Stefan hat zum Schluss noch ein Glasl zamghaut, so beendet man halt ein Konzert“, erzählt Thomas.
Die Geschichte der Namensfindung ist übrigens schnell erzählt. Stefan saß eines Tages mit einem Buch im Zug. Thomas hatte ihn angerufen, um zu fragen, wie das Projekt heißen soll und Stefan hatte das Wort „Binsenweisheit“ in seiner Lektüre entdeckt. Beide fanden das Wort „leiwand“ und so kam es zur außergewöhnlichen Benamung.

Bei der Frage, was sie in Zukunft noch so vorhaben, antworten beide scherzhaft: „Der nächste Fixtermin ist im Juni 2022, beim Donauinselfest. Da würden wir dann gerne mit Orchester spielen. Unsere Weiterentwicklung wird sich dabei dann anhand der Ausarrangierung der Nummern bemerkbar machen.“ In näherer Zukunft wollen Thomas und Stefan allerdings kleine Konzerte gegen eine freie Spende veranstalten. Bei Interesse kann man sich übrigens bei ihnen melden.

Tiny Triebwerk Session im Juni 2020

FACTS

Binsenweisheit
Austropop-Duo aus Wiener Neustadt
Alter: beide 23
Namen: Thomas Seidl und Stefan Tallian
Thomas studiert Bio- und Lebensmitteltechnologie und Stefan macht die Ausbildung zum Psychotherapeuten. Beide engagieren sich ehrenamtlich im Jugend- und Kulturhaus Triebwerk.

Links:
IG @binsenweisheit.band
FB @Binsenweisheit

www.binsenweisheit.bandcamp.com/audio

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