„Ich hab immer bevorzugt grausliche Typen gespielt“

Der Berufs-Künstler | Christopher Seiler (auf dem Fotos links) wurde in Wiener Neustadt geboren, fand hier eine Bombe und hat seinen ersten Auftritt als Rapper in der Herrengasse gespielt. Ausverkauft. Mittlerweile tourt er mit seinem Band-Kollegen Bernhard Speer durch Österreich und Deutschland oder steht vor der Kamera für seine erfolgreiche Serie „Horvathslos“. Wir haben uns mit dem Künstler getroffen und gefragt, wie er seine Jugend in Wiener Neustadt verbracht hat.

Während seiner Jugend lebte Christopher in Wöllersdorf und seine Schulzeit verbrachter er in Wiener Neustadt, wo er die Westhauptschule besuchte und später die HTL mit dem Zweig Hochbau. Lange blieb er dort aber nicht, sondern machte eine Lehre am Magistrat Wiener Neustadt. Schon damals entdeckte er seine Leidenschaft zum Schauspiel uns zur Musik. Als Kind wollte er immer Schauspieler werden und mit vierzehn begann er seine Karriere als Musiker. Seine Freunde und Familie standen von Anfang an hinter ihm, sie wussten, dass in ihm ein Künstler steckt, erzählt der heute 34-jährige.

„Neustadt war für uns damals wie New York“

Mit zwölf Jahren gab es für Christopher und seine Freunde nichts Spannenderes, als einen Ausflug in die „Großstadt“ Wiener Neustadt. Im Fernsehen hatte er immer die vielen Hochhäuser von New York gesehen. Da es in Wiener Neustadt auch welche gibt, hatte er das gerne mal verwechselt, schmunzelt er. Die Fahrt mit dem Bus von Wöllersdorf bis in die Innenstadt wurde schon Tage davor geplant. In der Stadt ging es dann zum Kaufhaus Müller. Seine Freunde und er waren Modellbauer und spielten mit kleinen Figuren Kriegsszenarien nach. „Also eigentlich eher ein Fall für die Psychiatrie“, lacht Christopher. Wenn er sich keine Modellfiguren gekauft hat, waren es Spiele für die Playstation. Regelmäßig suchten er und seine Freunde im Laden nach neuen Spielen, die wenigsten Leute hatten damals Zugriff zum Internet. Das Ganze war für ihn immer ein Erlebnis, genauso wie Besuche in der Videothek.

„Zum Wohnen war‘s damals (in Wiener Neustadt) nicht so großartig“

Ein Jahr hat Christopher Seiler in Wiener Neustadt gewohnt und auch wenn er fast nur gute Erinnerung an die Stadt hat, war das Wohnen in der Josefstadt kein Highlight, erzählt er lachend. „Die Wohnung war damals überhaupt nicht super, das war eher eine Notunterkunft und die Bauten waren meines Erachtens noch von den Trümmerfrauen nach dem Krieg aus den Trümmern erbaut worden. Da waren noch Schwarzpulver und Bombensplittern in den Wänden. Das ist jetzt nicht unbedingt das, was du für ein Kind brauchst.“ Auch die Nachbarn waren wohl sehr eigen erzählt der Kurzzeitneustädter weiter. „Vielleicht waren das auch die Anfänge vom Herrn Horvath“.

Damals noch als Rapper

Mit vierzehn startete Christopher Seiler seine musikalische Karriere. Anfangs, sagt er selbst, handelte es sich noch nicht wirklich um Rap, sondern um eine Fantasiesprache, aber später wurde daraus richtige Musik. „Da habe ich heute einen großen Vorteil, was Texte schreiben und so betrifft, weil du dadurch eine gute Wortschulung bekommst und deswegen tue ich mir heute nicht mehr schwer damit, Lieder zu schreiben“. Seinen ersten Auftritt als Rapper hatte Seiler im Lokal Sternberg in Wiener Neustadt vor etwa fünfzig Leuten. „Mehr haben nicht reingepasst, also man kann sagen, es war ausverkauft.“

Zum ersten Mal in der Zeitung

Als junger Schüler war Seiler oft mit seinen Freunden in der Schottergrube zum Spielen verabredet, doch es hätte wohl keiner damit gerechnet, dass sie dort einmal eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg finden und so in der Zeitung landen würden. Auf dem Bild der NÖN zeigen Christopher und sein Schulkollege stolz auf die, glücklicherweise nicht mehr aktive, Fliegerbombe. Mit siebzehn folgte dann ein weiterer Zeitungsbericht, diesmal war er auf dem Titelblatt des Amtsblatts von Wiener Neustadt. Lächelnd steht er dort neben der Wahlurne.

Seiler macht Werbung für eine Wahl in Wiener Neustadt.

Die Figur Anton Horvath, die Christopher Seiler in der Serie „Horvathslos“ spielt, ist mittlerweile zu einer Art Kultfigur in Österreich geworden. Christopher hat ihn aus verschiedenen Menschen, die er im Laufe seines Lebens beobachtet hat, zusammengesetzt und verkörpert den arbeitslosen Alkoholiker seit 2013. Die Serie hat mittlerweile schon vier Staffeln. Anfangs waren es nur kurze Clips, jetzt sind es ganze Folgen. Am Set befinden sich teilweise bis zu zwanzig Personen und gedreht wird mit einem festen Drehbuch. „Bei Horvathslos hat man den Vorteil, man muss sich nicht immer an jedes Wort halten, sondern kann ein bisschen improvisieren und da entstehen dann oft die lustigeren Dialoge“, erzählt er. Heute kann die Serie auch schon einige Prominente Gastauftritte verzeichnen: August Schmölzer (Schauspieler, Schriftsteller), Nina Proll (Schauspielerin), Martin Oberhauser (Sänger, Schauspieler, Kabarettist) und Alexander Bisenz (Kabarettist, Maler).

Während der Dreharbeiten lernte er Bernhard Speer kennen, mit dem er den Sound-track für die Serie machte und daraus wurde 2014 die Band „Seiler & Speer“. Mit ihrem Musikvideo zu „Ham kummst“ (2015) gelang ihnen auf YouTube der großer Durchbruch. Heute spielen sie in ausverkauften Hallen vor tausenden Zusehern Songs aus ihren vier Studienalben.

Als YouTube noch Influencer-frei war

Doch schon vor dem Musikprojekt lud Christopher immer wieder lustige Clips auf YouTube hoch. Es hatte ihm Spaß gemacht sie aufzunehmen und ein Freund hatte ihn dann auf die Idee gebracht sie auf der Videoplattform hochzuladen, erzählt er. Christopher sieht YouTube heute als sein Sprungbrett, betont aber ausdrücklich, dass YouTube, als er damit anfing, noch ganz anders funktionierte. Die wenigsten kannten die Plattform und die Influencer waren noch lange nicht geboren. Aus den ersten Clips hat sich später auch die Idee zu „Horvathslos“ entwickelt.

„Irgendwann wird die Arena Nova halt zu klein“

In den letzten beiden Jahren waren Christopher Seiler und Bernhard Speer auf dem „Nova Rock“, in Deutschland bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ zu Gast. Das Spielen für deutsches Publikum ist laut Seiler sehr ähnlich wie das vor österreichischem. Die Leute verstünden zwar nur jedes zweite Wort, wenn sie nicht gerade aus Bayern kommen, so Seiler, bei englischen Acts sei das aber ähnlich. Ihr Heimkonzert spielen Seiler uns Speer in der Arena Nova, in der, wie Seiler erzählt, immer eine super Stimmung herrscht. Doch für den Musiker macht es wenig Unterschied wo er spielt, wichtig ist ihm die Stimmung. Die Arena Nova sei jedoch eine verhältnismäßig kleine Halle, da seien die Karten auch immer schnell ausverkauft.

Vor kurzem hat das Duo mit seiner Band ein LivestreamKonzert auf dem Nova Rock -Gelände gespielt. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte das riesige Festival nicht stattfinden. Vor wenigen Kameramännern und den Veranstaltern spielten sie eine ganze Bühnenshow. Seiler beschreibt das Erlebnis als eine Art Probe mit Pyrotechnik. Die Menschen sind ihm aber nicht wirklich abgegangen, da er wusste, dass sie hinter den Bildschirmen sitzen und den Act verfolgen, außerdem sieht der Musiker von der Bühne aus sowieso immer nur die ersten beiden Reihen, meint er.#

FACTS
Name: Christopher Seiler
Alter: 34
Geburtsort: Wiener Neustadt, aufgewachsen in Wöllersdorf
Wohnort: Wien
Beruf: Kabarettist, Musiker, Schauspieler
Ausbildung: Lehre m Magistrat Wiener Neustadt
Band: Seiler und Speer
Alben:
Ham kummst (2015)
Und weida? 2017)
Für immer (2019)
Links:
christopherseiler.com
seilerundspeer.at
horvathslos.at
IG: christophersailor, seilerundspeer
FB: Christopher Seiler
YT: jokebrothersproduction

Die erste Folge von „Horvathslos“ hat mittlerweile über 3 Mio. Klicks auf Youtube.

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