„Ich will den Menschen zeigen, wie besonders sie sind“//Künstler-Portrait

Die Fotografin | Auf sozialen Medien werden pro Sekunde mehrere tausend Fotos gepostet, von denen manche so schön sind, dass man gar nicht die Augen von ihnen abwenden möchte. Hinter solchen Bildern stecken meist ProfifotografInnen. Die 21-jährige Elisabeth Lechner ist eine von ihnen und hat Klette-Redakteur Mehmet im Interview in die Welt der professionellen Fotografie eintauchen lassen.

Elisabeth Lechner ist in Wiener Neustadt geboren und in Lanzenkirchen aufgewachsen. Sie hat das BORG in Neustadt besucht aber sich dazu entschieden, die Schule zwei Monate vor der Matura abzubrechen. „Ich war zum Schluss nicht mehr wirklich viel in der Schule, wollte ausziehen und nicht von meinen Eltern abhängig sein.“ Nachdem sie eine Reise mit ihrem Freund durch Südostasien unternommen hatte, um mehr von der Welt zu sehen, zog sie schließlich nach Wien, wo sie nun auch ihren Beruf ausübt. Nach sieben Jahren in der Gastronomie hat sie diesen Beruf an den Nagel gehängt, im Mary’s Pub in Wiener Neustadt, das ihrer Mutter gehört und das für sie wie ein zweites zuhause ist, hilft sie aber nach wie vor gerne aus. Während des Lockdown hat sie sich mit einer Post Production Masterclass weitergebildet und einige Selbstportraits gemacht, um sich besser in die Models hineinversetzen zu können. Shootings macht sie bis zu dreimal pro Woche.

Warum bist du Fotografin geworden? Was bedeutet dir die Fotografie?
Mich faszinieren Gesichter einfach. Ich bin ja auf die Portraitfotografie spezialisiert. Ich liebe verschiedene Gesichtszüge und liebe es diese zu analysieren. Der kreative Aspekt bei der Fotografie begeistert mich auch. Es gibt eben kein „richtig“ oder „falsch“ – man kann im Endeffekt tun was man will. Ich liebe was ich tue, bin gut darin und meinen Kunden gefällt es auch. Der schönste Moment ist immer, wenn meine Models oder Kunden und Kundinnen die fertigen Bilder sehen und sagen „Wow, ich wusste gar nicht, dass ich so aussehe!“ Ich liebe es, wenn ich den Menschen zeigen kann, wie besonders sie sind. Wenn ich ihnen zeigen kann, dass die Dinge, die sie am wenigsten an sich selbst mögen, die Dinge sind, die sie besonders machen. Einmal hatte ich ein Aktshooting mit einer Dame, die ihr Bein gehasst hat und immer nur lange Sachen angezogen hat. Sie hatte einen Motorradunfall und hatte schwere Verletzungen, die man noch sehr stark sieht. Als ich ihr die Bilder gezeigt habe, ist sie mir mit Tränen in den Augen um den Hals gefallen und hat sich bedankt, weil sie sich jetzt wieder schön fühlen kann und jetzt erst sieht, wie besonders sie die Narben eigentlich machen. Für diese Momente lebe ich.

Wie hast du mit der Fotografie begonnen?
Also den Gewerbeschein habe ich seit August 2018 – obwohl das im Nachhinein gesehen etwas überstürzt war. Viele und gute Aufträge habe ich seit Ende 2019/Anfang 2020. Davor habe ich hauptsächlich mein Portfolio mit freien Arbeiten aufgebaut. Meine erste Kamera (Canon 1100D) habe ich mit 13 von meinem Papa zum Geburtstag bekommen. Damals war ich einfach viel mit Freundinnen unterwegs und wir haben Fotos voneinander gemacht. Meistens ich hinter der Kamera (lacht). Letztens hat ein alter Freund zu mir gesagt „Also machst du jetzt das, was du schon immer gern getan hast?“ – Mir war bis dahin eigentlich nicht wirklich bewusst, dass ich schon so früh so gern und viel fotografiert habe.

Woher kommt deine Inspiration?
Von anderen Künstlern, Filmen und meiner Umgebung. Manchmal kommt die Inspiration auch während dem Fotoshooting und ich versuche alltägliche Dinge in meine Fotos einzubauen, die gerade einfach herumliegen, zum Beispiel das Glas eines Bilderrahmens, Pflanzen oder Geschenkverpackungen.

Was ist das Kunstvolle an Fotografie für dich?
Man kann Welten oder Szenen kreieren, die bei uns eigentlich gar nicht existieren. Nachbearbeitung ist ja mittlerweile ein sehr großer Bestandteil der Arbeit eines Fotografen – Photoshop macht so vieles möglich! Ich denke nicht, dass alle meine Bilder Kunst sind. Kunst sagt für mich immer etwas aus, übermittelt eine Message oder ist emotional – klassische Beauty Fotos die zum Beispiel ein Produkt bewerben sind für mich keine Kunst. Für mich ist es kunstvoll, wenn ich oder auch jemand anders, es geschafft haben, ein Thema aufzugreifen, zu interpretieren und visuell darzustellen.
Aber das Gute daran ist ja, dass ich nicht bestimme, was Kunst ist und was nicht.
Mein Ziel ist es, Menschen glücklich zu machen und dass sie sich schön finden. Natürlich auch, dass ich von der Fotografie gut leben kann. Von nichts kommt nichts.
Im Fokus steht aber, meine Kreativität ausleben zu können und so viele Menschen wie nur möglich zu fotografieren. Ich passe oft auch meine Preise an den Kunden an, damit sich jeder, der schöne Fotos von sich haben möchte, diese auch leisten kann.

Stellst du deine Bilder aus?
Ich habe meine Bilder schon mal bei einer Vernissage in Wiener Neustadt, organisiert von der Malerin „Mücke“ ausgestellt und werde dies auch wieder tun. Ich plane mit einer Freudin auch ein eigenes Atelier in Wien, wo wir Ausstellungen machen können. Ich bin aber natürlich über jede Möglichkeit, meine Bilder auszustellen, dankbar!

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Ich würde gerne mit großen, internationalen Magazinen und Firmen arbeiten. Ich möchte, dass meine Bilder gesehen werden. In Zukunft will ich aber auch weiterhin Events und Organisationen für einen guten Zweck unterstützen. Ich möchte auf keinen Fall aus den Augen verlieren warum ich fotografiere. Je größer die Aufträge werden, desto öfters kann ich auch für geringeren Preis oder unentgeltlich für Menschen arbeiten, die nicht so viel Geld besitzen.

Kann man, deiner Ansicht nach, etwas mit Fotografie erreichen?
Ich denke man kann als FotografIn schon Karriere machen. Meistens aber nur durch gute Connections. Ausnahmen soll’s geben. In Österreich habe ich festgestellt, ist der Markt nicht so groß wie zum Beispiel in Deutschland oder England. Um reich zu werden, wenn man das will, denke ich muss man international arbeiten. Aber es kommt natürlich immer drauf an welche Karriere man anstrebt. Es gibt auch viele FotografInnen, die es erfüllt, ausschließlich Privatpersonen zu fotografieren, damit kann man definitiv auch in Österreich etwas erreichen. Jeder definiert seine Ziele anders.
Mit der Fotografie kann man, wenn man es richtig umsetzt, auf jeden Fall auch Menschen emotional erreichen und berühren. Ein schlichtes, ausdrucksstarkes Portrait kann die verschiedensten Reaktionen hervorrufen. Hochzeitsfotografie sowieso – wenn man für private Zwecke Momente einfängt, werden diese Bilder für die Beteiligten immer etwas Besonderes sein. Ich finde wichtig ist es, dass auch alle Beteiligten am Set das Bild fühlen. Denn, wie soll das Foto etwas in jemanden auslösen, wenn die Gefühle der Personen am und auch hinter dem Bild nicht real sind?

Welche Tipps hast du für Neueinsteiger?
Üben, üben, üben. Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Workshops zu besuchen kann auch sehr hilfreich sein! Und ausprobieren! Ich habe das meiste, das ich kann, durchs Probieren gelernt. Vor allem den Umgang mit Blitzen. Viel Zeit nehmen und verschiedene Einstellungen versuchen und den Blitz an verschiedene Positionen stellen. Auf YouTube gibt es unzählige Tutorials, durch die man sehr viel lernen kann. Was auch wichtig ist: sich selbst mal vor die Kamera stellen! Man sollte ein Gefühl dafür bekommen wie sich die Leute vor der Linse fühlen.#

FACTS:
Name: Elisabeth Lechner
Alter: 21
Wohnort: Wien
Geboren in Wiener Neustadt, aufgewachsen in Lanzenkirchen
Beruf: Fotografin
Kameras: Canon EOS 7D und Canon EOS M6 Mark II
Link:
www.thelizlechner.com

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