Die Ukulelen-Designerin//“Kunst ist so etwas elementares“

Künstler-Portrait | Die Wiener Neustädterin Caroline Scherleitner bemalt Musikinstrumente und vereint damit zwei Kunstformen. Warum gerade Konzert-Ukulelen ihr Herz erobert haben und welche Rolle die vier Elemente dabei spielen, hat sie uns im Klette-Interview erzählt.

Vor einigen Wochen stellte Caroline eine handbemalte Ukulele im Musikgeschäft „Soundkistn“ zusammen mit ein paar Flyern aus – eine halbe Stunde später hatte die Ukulele schon einen neuen Besitzer. Ihre Designs sind beliebt und das bringt die junge Künstlerin zum Strahlen. Bisher hat sie unter dem Namen „Elemental Ukuleles“ schon einige freie und Auftragsarbeiten gemacht, durch eine Kooperation mit dem Musikgeschäft ist eines ihrer Kunstwerke jetzt zum ersten Mal über eine Ladentheke gegangen.

„Ich war total baff, dass sie so schnell weg war. Ich bin gerade in der Ausbildung gesessen und hab das über eine Instagram-Story gesehen. Ich war hin und weg“, lacht Caro im Gespräch mit der Klette. Das hat ihr auch gleich ein paar neue Aufträge eingebracht, langweilig wird der vielbeschäftigten 24-jährigen mit ihren vielen Hobbies aber ohnehin nie.

Auch das Bemalen der Ukulelen ist nach wie vor ein Hobby, jedoch eines, das sie sich ohne den Verkauf der fertigen Stücke nicht leisten könnte. Ganz besonders freut sie sich aber, wenn sie anderen damit eine Freude machen kann. Alle ihre Stücke sind mit besonderen selbst gestalteten Designs, angelehnt an die vier Elemente, versehen. Gezeichnet sind die Motive alle Freihand. „Ich habe viel rumexperimentiert, was den Stil angeht, aber Mandalas haben mich schon als Kind angesprochen. Sie sind sehr harmonisch, aber auch teilweise unruhig, das passt für mich zur Natur und den Elementen“, erzählt Caroline.

Und warum sind es gerade die Elemente als Motive? „Ich bin selber sehr naturverbunden und gerne draußen. Musik ist ein Teil der Menschheit, sie war immer schon da. Sie ist so elementar. Außerdem sehen Naturmotive auf dem Holz der Ukulelen toll aus.“ Etwas wie ein Logo auf ein Instrument zu malen könnte sie sich nicht vorstellen, der Anreiz dazu fehlt: „Es ist nichts Schaffendes für mich.“

Aber nicht nur Ukulelen hat sie schon verschönert, auch ihre Gitarre hat einen neuen Anstrich bekommen, dadurch hat sie sogar ihre Freude am Spielen entdeckt. „Ich habe auf der Uni Gitarre gelernt, ich bin Linkshänderin und damals hat man es nur rechts gelernt. Damit habe ich mir relativ schwergetan“, sagt Caro, die als Volksschullehrerin arbeitet. „Als ich vor ein paar Jahren als Sprachassistentin in Irland war, hat eine Freundin dort Ukulele gespielt und das fand ich super. Ich konnte die Basics von Gitarre und dachte mir, Ukulele ist bestimmt leichter und hab mir eine bestellt. Dort haben wir dann immer wieder zusammen im Park gespielt.“ Die Idee, ihre Ukulele anzumalen hatte sie bald: „Es gibt ja auch bunte Ukulelen, aber die sind meistens einfärbig und sehen nicht so besonders aus. Ich male gerne und hab das dann einfach ausprobiert und war begeistert vom Ergebnis.“

Wieder zurück in Österreich sprachen sie immer wieder Leute auf ihre Ukulele an, vor allem bei gemeinsamen Abenden am Lagerfeuer mit Freunden, hatte sie das Instrument oft im Gepäck. Den Gedanken mehr Instrumente zu bemalen und daraus eine Art Mini-Business zu machen hatte sie schon länger, der Schritt es auch zu tun, kam dann 2019 durch die tatkräftige Unterstützung guter Freunde aus der Mach Krach-Musikschule in Wiener Neustadt.

Vom Alltagsgegenstand zum Kunstwerk

Bis die Ukulele fertig bemalt ist, kann das schon ein paar Wochen dauern. „Ich überlege mir, welches Element passt zu dieser Ukulele oder auch zur Person, der die Ukulele gehört und welches Mandala und dann fange ich einfach an. Bei der ersten Ukulele habe ich eine komplett detaillierte Skizze in Originalgröße gemacht, aber je mehr Ukulelen ich mache, desto freier wird das, es ist ein Prozess und der entsteht beim Malen. Ich fange mit der Form an – ich male nie das ganze Holz an, weil es zu schön ist, dann setze ich ein paar Markierungen für die Formen und für die zentralen Motive habe ich meistens schon ein paar Ideen, die anderen Dinge entstehen drum herum.“ Am Ende wird mit durchsichtigem Lack die Farbe gefestigt, dann ist sie fertig. Selbstkritik ist dabei ein bekannter Begleiter. „Oft male ich einen Teil und bin dann so happy damit, dass ich mich gar nicht traue, weiterzumalen aus Angst es kaputt zu machen. Das Risiko dass ich mich vermale ist da und dann muss ich nochmal drüber malen. Gerade am Ende bevor ich sie dann lackiere muss ich nochmal alles detailgenau nachziehen oder ausbessern.“

Auch andere Instrumente als Ukulelen zu bemalen stand bisher noch nicht im Raum. „Ein Instrument ist ja meistens nicht billig in der Anschaffung, da muss man schon auch viel Vertrauen in den Künstler haben. Es macht einen Unterschied, dass Ukulelen eher günstige Instrumente sind. Als ich begonnen habe, war mir nicht klar, ob ich es schaffe, sie zu verkaufen. Die drei, die ich am Anfang gekauft habe, hab ich bemalt und einfach gehofft jemand interessiert sich dafür.“

Auch so zeichnet Caroline viel und gerne, früher mit Buntstiften jetzt vor allem mit Wasser- und Aquarellfarben. Die Elemente hat sie auf den Ukulelen mittlerweile alle schon durch, auch Kombinationen findet sie toll. „Ich fände es cool, ein Unwetter zu machen, mit düsteren Elementen und Blitzen.“

Dass Ukulelen vor allem für Leute geeignet sind, die erst anfangen ein Instrument zu lernen, macht sie für Caroline besonders schön. Sie hofft, mit ihren Bemalungen noch mehr Freude am Spielen zu vermitteln. Sie selbst spielt auch weiterhin viel und gerne, vor allem am Lagerfeuer mit Freunden. „Ukulele spielen ist für mich etwas sehr soziales, da geht es gar nicht darum, die beste Musik zu machen, sondern ums zusammen sein, singen und spielen.“#

FACTS:
Name: Caroline Scherleitner
Alter: 24
Beruf: Volksschullehrerin
Wohnort: Wiener Neustadt
Hobbies: Malen, Tanzen, Improtheater, Bouldern
LINKS:
IG/elementalukuleles
FB/ Elemental Ukuleles
Preis für Bemalung: ca. 140 Euro plus 60-150 Euro für die Ukulele

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