Kommentar//Für das Sprechen gegen alle Regeln

Wer behauptet Sprache zu lieben und im selben Satz die sogenannte Jugendsprache als Beispiel für deren Verstümmelung nennt, der hat keine Ahnung, was Sprache ausmacht. Wieso reden Jugendliche nur mehr Englisch hieß es früher. Wieso reden Jugendliche wie die Deutschen, wir sind doch in Österreich, heißt es jetzt.  

Egal wie sie reden, es ist auf jeden Fall nicht richtig und verstehen kann man das schon gar nicht, was sie da alles von sich geben. Was gestern noch „lit“ war, ist heute längst nicht mehr „fame“ und sind wir ehrlich, manchmal fühlen wir uns alle etwas „lost“, wenn Pubertierende wie am Fließband neue Wörter erfinden – #dürfendiedas? Ja sie dürfen und sie sollen und ob es uns passt oder nicht sie werden auch und das ist gut so. 

Denn Jugendliche machen mit der Sprache einfach das, was sie immer schon gemacht haben und gleichzeitig auch nicht. Es ist das Neuerfinden, das Wörter- und Begriffekombinieren, das Spielen mit der Sprache, dass die Jugendsprache kennzeichnet wie kaum einen anderen Jargon. Und auch wenn Deutschlehrer*innen, Grammar-Nazis und selbsternannte Dichter und Denker das nicht hören wollen: Jugendsprache entstellt die Sprache nicht, sie erweitert und bereichert sie. Sie ist kreativ, sie provoziert und sie schert sich nicht darum, ob sie irgendjemand anerkennt. Denn darum geht es nicht und darum ging es nie.  

Sprache ist niemals „fertig“, sie entwickelt sich ständig weiter, in alle Richtungen und trotz vereinheitlichter Grammatik- und Rechtschreibregeln ganz ohne Regeln. Wer also Sprache ernsthaft liebt und Sprache als lebendiges Wesen versteht, kann nicht wollen, dass sich dieses Wesen immer benimmt, würde es sich eher austoben und sich von ihm überraschen lassen und sich dabei selber ausprobieren. Und könnte sich nebenbei den Atem sparen, um über „die Jugend“ und ihre Sprechweise zu lästern, denn das ist schlechter Stil und interessiert „die Jugend“ sowieso nicht.  

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