Neustadt: Stadt der Studierenden?

Wohnen, Freizeit, Einkaufen, Mobilität: Das
sagen unsere Studentinnen und Studenten.

Nachgefragt | Seit vielen Jahren gilt Wiener Neustadt ja schon als Schulstadt. Kinder und Jugendliche aus ganz Niederösterreich nehmen oft lange Fahrtzeiten auf sich, um in unserem Städtchen zur Schule zu gehen. Kein Wunder – das Angebot ist groß. Aber wie sieht es mit den Studierenden aus? Hat Neustadt das Potential zur Studentenstadt?

Von Marie Hanakamp

Seit knapp einem Jahr gibt es den City Campus der FH Wiener Neustadt jetzt schon im ehemaligen Karmeliterkloster im Stadtzentrum. Die Erwartungen an die Studierenden waren von Anfang an hoch. Die Stadt sollten sie beleben, in den Lokalen und Restaurants konsumieren, Wohnungen beziehen und Wiener Neustadt vor allem dabei helfen, sich als Unistadt einen Ruf zu machen. Aber haben sie diese Erwartungen auch erfüllt? Wie sehen Studierende Innenstadt, Campus-Politik und Co? Wir haben vier Bachelor-Studierende und eine Masterstudentin befragt.

Was macht ihr in den Pausen? Geht ihr essen, wenn ja, wo?
„Ich nehme mir eigentlich immer etwas zu essen mit für meine Pausen. Wir hatten zwar letztes Jahr ein kleines Buffet in der FH (mittlerweile nicht mehr), aber das war relativ teuer. In die Stadt gehen, ist meistens etwas mühsam, weil erstens die starkbefahrene Grazer Straße im Weg ist und es zweitens relativ lang dauert, bis man ein Lokal findet, in dem man als Veganerin etwas zu essen bekommen kann“, meint Kathi. Die 22-jährige „Business Consultancy International“-Studentin (BCI) kommt aus Winzendorf und ist in ihrem dritten Semester nach Wiener Neustadt gezogen. „Das einzige Lokal, das ich ab und zu besuche, ist Papa’s Kitchen. Da ist aber wiederum das Problem, dass man im Winter nicht drinnen sitzen kann.“ Fabian (20), der im selben Studienfach zuhause ist, meint hingegen, dass er recht oft in die Stadt gehe, um sich bei Lokalen des Marienmarktes einen Snack zu holen. Wilzcek, Taki und das Nudelhaus auf der Grazer Straße mag er besonders.
Die Cafés, vor allem am Marienmarkt, sind laut Emma(22) und Iveta (21) relativ klein und „entweder zu schick oder zu schirch“, so Emma. LeBurger, Italian und Fu Cheng profitieren anscheinend von der FH im Zentrum. Wenn sie essen gehen, dann dort. Auch wenn die Preise relativ hoch sind, herrscht laut Kathi eine „studentische und junge Atmosphäre, die es in der Innenstadt nirgendwo gibt“.

Wie sieht es mit den Einkaufsmöglichkeiten in Neustadt aus?
„Ich finde eigentlich, dass es in der Innenstadt alles gibt, was man zum Leben braucht. Klar, es könnte immer besser sein, aber ich bin zufrieden“, sagt der Oberösterreicher Fabian. Kathi und Iveta sind anderer Meinung: „Wenn wir einkaufen gehen, dann höchstens im Fischapark, in der Innenstadt muss man einfach zu lange suchen und meistens findet man dann nicht das, was man eigentlich sucht. Natürlich würden wir gerne das Zentrum unterstützen und dort einkaufen gehen, aber die meisten Geschäfte sind unserer Meinung nach eher etwas für ältere Leute.“

Wie bewegt ihr euch in der Stadt fort?
Bei einem Thema sind sich aber so gut wie alle einig, und zwar bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Vor allem die Busfahrpläne sind anscheinend nicht für die FH-Studierenden ausgelegt. Iveta und Fabian wohnen im Ernst Höger Studentenwohnhaus in der Nähe des Civitas Nova Gelände am Stadtrand. Sie müssen täglich in die Innenstadt pendeln. „Sonntags fahren schon gar keine Busse von und zum Studentenwohnheim und unter der Woche ist um 20 Uhr Schluss. Als würde die Stadt nicht wollen, dass man abends noch ein Bier am Hauptplatz konsumiert“, so Fabian.
Aber auch Kathi (22) und Paurnna (21), die nicht im Studentenwohnheim wohnen, sind unzufrieden mit den Busverbindungen. „Ich würde ganz gerne sonntags mal was essen gehen. Da in der Stadt ja alles zu hat, muss man logischerweise rausfahren. Ohne Auto kann man das aber vergessen, weil keine Busse fahren“, so Kathi.

Paurnna pendelt täglich aus Wien heraus: „Meistens gehe ich dann zu Fuß vom Bahnhof zur FH, weil ich oft eine halbe Stunde warten müsste, bis der nächste Bus kommt und mich zum City Campus bringt. Da kann ich also gleich laufen. Vor allem abends bleibe ich eigentlich nicht in Neustadt, weil eben keine Busse mehr zum Bahnhof fahren. Allein im Dunkeln zum Bahnhof gehen, will ich eigentlich auch nicht.“
Auch das Ankommen am Samstag- oder Sonntagabend am Bahnhof Wiener Neustadt kann kostspielig sein, wenn man ein Taxi zum Studentenwohnheim nehmen muss.

Als Alternative zum Bus sind die VOR- und Nextbikes beliebt, vor allem im Frühling und Sommer seien sie, laut den Studenten, praktisch um schnell um in die Innenstadt zu gelangen.

Wie ist die Wohnsituation für Studierende hier?
Beim Thema Wohnen macht man bei den FH-Studierenden ein großes Fass auf. Die Wohnsituation scheint heiß diskutiert. Die Wohnungen seien zu teuer, WGs gäbe es kaum und meist hänge ein Rattenschwanz in Form eines Finanzierungs- oder Genossenschaftsbeitrages mit dran. Da fragt man sich: „Welche Studierenden können sich das leisten?“ Kathi bezeichnet sich selbst als klassische Studentin. Sie studiert Vollzeit, arbeitet geringfügig nebenbei und gibt einige Nachhilfestunden. Zusätzlich macht sie den ein oder anderen Social-Media Job. Alles in allem hat sie ein Budget von rund 550 Euro pro Monat. „Eine Wohnung oder ein WG-Zimmer könnte ich mir damit alleine nicht leisten. Denn man braucht ja auch noch Geld für Lebensmittel, Bücher, den Semesterbeitrag und was eben sonst noch so anfällt. Ich habe einfach das Glück, dass mein Freund Vollzeit arbeitet und wir eine Wohnung im Zentrum gefunden haben, die privat vermietet wurde. Das bedeutet wir mussten weder einen, meiner Meinung nach meistens zu hohen, Finanzierungsbeitrag noch eine Provision zahlen“, erzählt sie.

Fabian und Iveta wohnen im Wihast Studentenwohnheim und sind im Großen und Ganzen mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden. Die Entfernung zur Innenstadt macht das für Iveta jedoch nicht wett. „Allerdings werden in der Innenstadt weitere Studentenwohnheime gebaut. Es wäre natürlich praktischer, näher am City-Campus zu wohnen. Aber tatsächlich bekommt niemand von uns Informationen über dieses Projekt. Man weiß weder wo man sich dafür bewerben kann noch wie teuer das Ganze sein wird“, meint Fabian.

Fazit: Würdet ihr Wiener Neustadt als studierendengerecht bezeichnen?
„Ich persönlich finde die Wiener Neustädter Innenstadt ist eher etwas für ältere Leute, sowohl die Cafés als auch die Preise spiegeln eher die ältere Generation wider. Es gibt auch nicht wirklich Orte wo man als Student lernen, oder sich länger aufhalten könnte, ohne nach einer Stunde gefragt zu werden, ob abkassiert werden kann“, meinen sowohl Kathi, Iveta als auch Pournna. „Ich würde mir auch Studentencafés wünschen, oder Lokale, wo man sich schnell und günstig etwas in der Pause holen kann, wie beispielsweise eine Salat- oder Bowlbar“, so Emma. Bei der Frage, ob die Innenstadt auf einer Skala von 1 bis 10 teuer oder günstig sei (1=günstig, 10=teuer), gibt Iveta eine 9, Kathi eine 8, Pournna, Fabian und Emma geben eine 5.

Letztendlich wissen wir aus den letzten Jahren, dass vor allem Lokale in Wiener Neustadt ständig wechseln. Neue Wohnungen werden so viele gebaut wie noch nie. Wir dürfen also gespannt sein, wie sich Wiener Neustadt entwickelt und ob es sich auf lange Sicht als Studierendenstadt etablieren kann. #

FACTS:
FH Wiener Neustadt
Gegründet: 1994 als erste Fachhochschule in Österreich
Standorte:

  • Wiener Neustadt (Campus 1 und City Campus)
  • Wieselburg
  • Tulln

Aktuell Studierende:
ca. 4000, rund 1900 davon am City Campus
Studiengänge: 37 Studiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sport und Sicherheit
Link: http://www.fhwn.ac.at

Katharina Narosy ist 22 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Winzendorf, lebt aber seit September diesen Jahres in Wiener Neustadt. Sie studiert seit Herbst 2019 am FH City Campus Business Consultancy International.

Paurnna Kolanchery ist 21 Jahre alt, sie ist aus Wien und lebt auch dort. Sie studiert seit Herbst 2019 am FH City Campus Business Consultancy International.

Iveta Juhásová ist 21 Jahre alt, lebt zurzeit im Wihast Studentenwohnheim in Wiener Neustadt, kommt aber aus Bratislava, Slowakei. Sie studiert seit Herbst 2019 am FH City Campus Business Consultancy International.

Emma Kubicek ist 22 Jahre alt und lebt in Guntramsdorf. Im September startete sie mit dem Master Studiengang Sales Management für technische Produkte und Dienstleistungen am FH City Campus.

Fabian Pointinger ist 20 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Prambachkirchen in Oberösterreich, wohnt aber derzeit unter der Woche im Wihast Studentenwohnheim in Wiener Neustadt. Er studiert seit Herbst 2019 am FH City Campus Business Consultancy International.

Foto Credits: Marie Hanakamp

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