#lassunsreden//Pornos: Die Infoquelle Nummer Eins

Kolumne | Wir wollen reden! Mit Expertin Martina Gröschl und mit euch. Und zwar über alles rund um Sex, Gender, Menstruation, Geschlechterrollen und mehr. In dieser Ausgabe geht es um Pornos und wie sie die Vorstellungen beeinflussen, die wir von Sex haben. Alles fake? Oder doch nicht?

Von Stefanie Marek und Iris Strasser

Sind Pornos so schlecht wie ihr Image?
Martina Gröschl: Pornos sind keine Aufklärung, sie sind aber trotzdem die Informationsquelle Nummer Eins bei Jugendlichen, wenn es um Sex geht. Man sollte Pornos nicht so negativ sehen. Es geht darum, dass man sich bewusst ist, dass Pornos fiktiv und immer inszeniert sind und dass die Lust gespielt ist. Es ist okay Pornos zu schauen, aber man sollte sich noch andere Quellen suchen, um sich über Sex zu informieren (siehe Infobox). Jugendschutz ist wichtig und die Altersbeschränkungen sinnvoll, weil Gewalt und Kinderpornografie ein Thema sein können. Ein späterer Zugang zu Pornos ist deshalb gut, weil man davon ausgeht, dass man schon besser unterscheiden kann, was echt ist und was nicht, wenn man älter ist.

Was ist das Gute an Pornos?
Man sieht nackte Körper und kommt mit dem Thema Sex in Kontakt. Pornos schauen kann sehr aufregend sein, auch weil es verboten ist. Manche finden das ekelhaft, andere faszinierend, Pornos funktionieren bei jedem anders. Man muss sie sich nicht anschauen, im Zweifelsfall wegklicken.

Vermitteln Pornos bestimmte Geschlechterrollen?
Ja. Pornos sind meistens von und für Männer gemacht. Frauen haben dabei eher die passiven Rollen. Man könnte auch zeigen, dass Frauen Nein sagen, oder die Hand um- lenken können, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Man könnte auch zeigen wie man Vulva und Klitoris stimuliert. Vor allem Mädels können Pornos verunsichern, weil sie sich fragen „Muss ich das jetzt auch machen?“ Nein, macht nur wobei ihr euch wohl fühlt. Burschen machen sich vor allem Sorgen, ob ihr Penis zu klein ist. Pornodarsteller werden per Casting nach ihrer Penislänge ausgesucht. Das ist klar, dass die alle ziemlich groß sind.

Was ist echt? Was ist fake?
Keine Geschlechtsteile schauen gleich aus, auch Brüste nicht. In Pornos ist viel präpariert und operiert. Auch diese
„Spermaüberschwemmungen“ (cum shot) sind unrealistisch. Es funktioniert im echten Leben nicht so, dass vor allem die Frauen für Sex sofort bereit sind, dass sie immer stöhnen und alle immer einen Orgasmus bekommen. Es müssen nicht 1000 Stellungen gemacht werden und ein Orgasmus ist bei Frauen nicht unbedingt das Ziel. Im echten Leben passieren außerdem auch Pannen. Das ist okay und Sex soll auch Spaß machen. Verhütung ist natürlich auch kein Thema in Pornos weil es da hauptsächlich um die Erregung geht, darauf sollte man beim Sex aber nicht vergessen.

Was müssen Jugendliche rechtlich bei dem Thema beachten?
Ab 18 ist es gesetzlich erlaubt Pornos anzuschauen und zu besitzen. Wenn man unter 18 ist und solche Videos geschickt bekommt, dann am besten gleich löschen. Denn das sit strafbar. Sexting und Nacktbilder in einer Beziehung zu verschicken (wenn die Beteiligten einverstanden sind) ist erlaubt. Wenn man sowas aber an Dritte weiter schickt, ist das ebenfalls strafbar, das kann als Kinderpornographie gelten.

Dein Tipp?
Beim Sex sind Entspannung, Lust und Spaß das Wichtigste. Achtet auf eure eigenen Gefühle und auf eure Grenzen. Macht nichts, was sich nicht gut anfühlt. Es muss immer für beide passen. Wenn ihr etwas aus Pornos ausprobieren wollt, dann sprecht vorher darüber und macht es nicht einfach so. Bei Pornos geht es außerdem immer um eine Show, eine Performance, aber beim Sex geht es nicht um die Darstellung, sondern ums Ausprobieren und dass ihr ihr selbst sein könnt. #

LINK-TIPPS:
Sexwecan.at (super Videos zu unterschiedlichen Themen der ersten Liebe/Sex)
Wienxtra.at – Thema Porno – Borschüre erster Sex und große Liebe
Klicksafe.de – lets talk about porno
Saferinternet.at – Kann das Pornoschauen Jugendlichen Schaden?
Firstlove.at – online Beratung
Rataufdraht.at – online Beratung
Loveline.de – online Beratung

Martina Gröschl ist Sozialarbeiterin, Jugendberaterin und Sexualpädagogin bei der Jugendberatungsstelle AUFTRIEB in Wiener Neustadt. www.auftrieb.co.at

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