Poetry Slammer//Gedichte über die Unfähigkeit der Eltern

Der Poetry-Slammer | Ob lustige Geschichte aus dem Leben, klassisches Minnegedicht oder melancholische Reimketten: Beim Poetry-Slam geht es darum, das Publikum mit dem Vortrag der eigenen Texte zu begeistern. Die Teilnehmer eines Poetry Slam treten in mehreren Runden auf der Bühne gegeneinander an, das Publikum bestimmt die Gewinner. Ein Vertreter dieser relativ jungen Kunstszene ist der 20 Jahre alte Gabriel Seewald, der uns den Alltag eines Hobby-Poeten etwas näherbringt.

Von Julia Roschinsky

Die Begeisterung für Poetry Slam stammt bei Gabriel aus der Schulzeit: „Schuld an meinem Poetry Slam-Dasein hat meine Deutschprofessorin, die uns in der Oberstufe an die Materie herangeführt und schließlich sogar einen schulinternen Wettbewerb abgehalten hat. Dieser hat mich dermaßen begeistert, dass ich das ganze einmal in freier Wildbahn probieren musste“, erzählt Gabriel.

Der Einstieg in die Poetry-Slam Szene war allerdings von Hindernissen geprägt: „Mein Anfang war sehr schwer, weil ich wirklich kein Talent hatte. Meine ersten Auftritte waren eine Katastrophe für alle Beteiligten. Hindernisse waren fast alle Dinge: einen guten Text zu schreiben, die Performance, die Nervosität. Aber dadurch, dass ich immer wieder von anderen motiviert wurde, weiterzumachen, habe ich nie aufgegeben und jetzt mach ich es ja immer noch!“

Der Weg zum Erfolg
Während die ersten Texte noch simpel gehalten waren, mit Titeln wie „Warum es die Pubertät nicht gibt“, versucht Gabriel heute, auch aktuelle Themen in die Werke einfließen zu lassen. Wichtig ist ihm, nur selbstverfasste Texte vorzutragen, die Themen behandeln, die ihn in letzter Zeit beschäftigt haben. „Grob gesagt schreibe ich ein paar lustige Texte über die Unfähigkeit von mir und meinen Eltern und ein paar sprachlich versiertere Weltschmerz-Texte.“ Den größten Leistungssprung gab es bei den Auftritten selbst: „Ich würde behaupten, dass sich meine Bühnenperformance stark verbessert hat. Sobald man das Lampenfieber etwas ablegt, kann man besser mit der Stimme, Gestik und Mimik arbeiten.“

Obwohl Gabriel kein wirkliches Idol in der Poetry Slam-Szene hat, kann er einige KünstlerInnen empfehlen: „Wenn man von Größen wie Yasmo oder Elias Hirschl absieht, kann ich jedem Sarah Anna Fernbach, Anna Hader, Katharina Wenty und Elena Sarto ganz nah ans Herz legen.“ Eine wichtige Rolle in seiner Slam-Karriere spielen die drei KünstlerInnen Adina Wilcke, Simon Tomaz und Fanny Famos: „Diese drei reizenden Persönlichkeiten haben mich immer animiert, weiterzumachen und sind selbst ganz große Künstler und Moderatoren.“

Gabriel Seewald (3. von links) beim Österreichischen „LändleSlam“ 2018. Gewonnen hat er bei einem bundesweiten Bewerb leider noch nie.
Foto: LändleSlam

Einen Poetry-Slam Wettbewerb kann man sich in der Regel so vorstellen: „Grundsätzlich wird eine gewisse Anzahl von Poeten aufgestellt (12 ist eine optimale Zahl), die dann versuchen, mit ihren Texten so viele Punkte wie möglich vom Publikum zu bekommen. Die besten drei kommen dann weiter in die Finalrunde und mit Hilfe von Klatschwertung wird dann der Sieger des Abends gekrönt.“ Das Publikum selbst nimmt damit die Rolle der kritischen Jury ein: „Die einzige Schwierigkeit, die mir einfällt, ist, das Publikum richtig einzuschätzen, da dieses beim Poetry Slam selbst die Jury stellt und somit für das Weiterkommen der Poeten sorgt.“
Die TeilnehmerInnen müssen sich außerdem an einige Regeln halten: „Es gibt eine maximale Auftrittslänge von fünf Minuten und die Texte dürfen nicht gesungen werden, aber grundsätzlich ist man sehr frei in der Art des Textes.“ Für Gabriel ist die letztere Regel aber kein Problem: „Ich kann leider weder Singen noch ein Instrument spielen oder Zeichnen, aber mit dem Poetry Slam habe ich trotzdem einen schönen Weg der Selbstexpression gefunden!“

Vom Dschungel zum Loft
Gabriel selbst steht gerade vor einem Neuanfang: „Ich war bis jetzt sehr oft im U20 Slam (für alle Poetry-Slammer unter 20) im „Dschungel“ in Wien zu hören, da wachse ich aber dieses Jahr schon raus, also werde ich wohl zum Slam im „Loft“ in Wien oder zum Poetry SLAMMD in Mödling wechseln müssen.“ Bei bundesweiten Wettbewerben war Gabriel auch schon öfter dabei: „Ich war bereits bei drei U20 Wien-NÖ-Burgenland Meisterschaften und zwei U20 Nationalmeisterschaften.“ Diese Meisterschaften ähneln den kleineren Wettbewerben, es gibt allerdings drei anstatt der regulären zwei Runden und deutlich mehr Auftritte. Den ersten Platz hat Gabriel noch nicht erreicht: „Meine einzigen erwähnenswerte Plätze waren ein vierter Platz beim Ö-Slam und zwei Mal Vizemeister in Wien-NÖ-Burgendland, aber gewonnen habe ich noch nichts. Also nur Geschichten von Niederlagen, wenn auch sehr schöne Niederlagen!“
„Eine negative, aber verbreitete Meinung ist, Poetry-Slammer wären zu schlecht für Rap- und Redewettbewerbe.“, fällt Gabri- el auf. „Dabei sind wir einfach die perfekte Mischung aus bei- den Kunstformen!“
Den Job „Poetry-Slammer“ gibt es ebenfalls nicht, so seine Meinung: „Man kann vom „Slammen“ nicht leben, außer man macht etwas anderes noch dazu, zum Beispiel Bücher schreiben oder moderieren.“ Die Leidenschaft bleibt bei Gabriel also ein zeitaufwändiges Hobby.

Poetry-Slam Defizit in Wiener Neustadt
Eine Poetry-Slam Szene in Wiener Neustadt fehlt vollkommen meint Gabriel, aber das könnte sich in der nächsten Zeit ändern: „Wenn es doch nur irgendeinen Slam- mer aus der Umgebung gäbe, der sich dem annehmen könnte! Falls jemand Interesse an einem Neustadt-Slam hat, schreibt einfach eine DM an @hullnitembraced, vielleicht lässt sich ja etwas machen!“ #

Gut zu wissen: Gabriels Poetry Slam „Text for the Future“ könnt ihr jetzt auf unserem Instagram-Account @dieklette.offiziell nachlesen. Es lohnt sich auf jeden Fall vorbeizuschauen.

FACTS:
Name: Gabriel Seewald (Künstlername: Gabo)
Alter: 20
Wohnort: Mollram (bei Neunkirchen)
Ehemalige Schule: BRG Gröhrmühlgasse
Aktuelle Ausbildung: Physikstudium
Hobbies: Lesen, Schreiben, Videospiele, DnD, Kartenspiele, Musik hören
Links: IG: @hullnitembraced
YouTube: „Poetry Slam Gabo“

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