Lass‘ uns reden// Die weibliche Lust.

„Lust ist Lust – da gibt es keinen Unterschied, der wird gesellschaftlich gemacht“. 

Wir wollen reden! Mit Expertin Martina Gröschl und mit euch. Und zwar über alles rund um Sex, Gender, Menstruation, Geschlechterrollen und mehr. In dieser Ausgabe geht es um die weibliche Lust, Individualität und Selbstbefriedigung. Vorab: Mit Frauen sind alle Menschen gemeint, die sich als Frau identifizieren, denn nicht alle Frauen haben eine Vulva und nicht alle Menschen, die eine Vulva haben sind Frauen. Gleiches gilt für Männer und den ihnen zugeschriebenen Geschlechtsorganen. 

Wie unterscheidet sich die Lust zwischen Mann und Frau? 

Lust ist Lust – da gibt es keinen Unterschied, der wird gesellschaftlich gemacht. Männliche Lust ist viel akzeptierter und viel prominenter, als über die weibliche Lust zu sprechen oder Bilder zu sehen. Weibliche Sexualität umfasst mehr als nur die Lust das alles muss man „besprechbar“ und benennbar machen. Es ist wichtig die Vulva richtig benennen zu können, denn ganz viele Mädchen nennen ihre Vulva „da unten“, als wäre sie ein schwarzes Loch. Ich finde es wichtig von klein auf die Vulva inklusive äußeren und inneren Vulvalippen richtig zu benennen. Jede Vulva ist wie ein Gesicht, jede Vulva sieht anders aus. Ganz wichtig ist auch, die inneren Geschlechtsorgane, die Klitoris und die erregbaren Zonen, zu besprechen. Die Anatomie ist gleich, aber das Wissen darüber nicht. Ein Penis ist ähnlich aufgebaut wie eine Vulva, wenn man die Schwellkörper und die Eichel mit der Klitoris vergleicht. 

Wo sind die erregbaren Zonen? 

Das ist der ganze Körper und das kann auch jeden Tag anders sein. Es geht um die Kommunikation und das Ausprobieren. Die klassischen erogenen Zonen von Frauen sind nicht ganz hinten in der Vagina, auch die Vulva und die Klitoris sind wichtig für die Lust. Der weibliche Zyklus und Hormone verändern die Gefühlslage zusätzlich fast täglich. Der sichtbare Teil der Klitoris ist im Übrigen nur die Spitze des Eisberges. Wir sagen den Jugendlichen in der Beratung immer, sie sollen sich langsam rantasten und den Orgasmus nicht als einziges Ziel vor Augen haben. Die Sorge um die Penisgröße verfliegt oft schnell, wenn bewusst wird, wie tief man in die Vagina eindringen muss, um die Klitoriseichel zu stimulieren. Nämlich gar nicht. 

Bild einer Klitoris/Vulva. Die Klitoris ist 7-13 cm lang, doch nur ein kleiner Teil – die Klitoriseichel – ist sichtbar. ©Alicia Läuger in „da unten“. 

Wozu selbst befriedigen? 

Es ist nicht jede Vulva gleich und nicht jede Frau spürt alles gleich. Es ist nur leider so, dass das Ausprobieren und die Selbstbefriedigung bei Mädchen schon früh mit Sätzen wie „Greif da nicht hin“ unterbunden wird und das zieht sich bis ins Jugendalter durch. Dadurch wird es etwas „Schmutziges“, während es für Burschen normal ist sich beim Pinkeln anzugreifen und herumzuzupfen. Wo es erlaubt ist mich anzugreifen und zu entdecken, fragen sich unterbewusst viele junge Frauen. Selbstbefriedigung ist sehr wichtig, um sich kennenzulernen, aber es nicht zu machen ist auch in Ordnung. Manchmal entdecken Mädchen erst in Beziehungen was ihnen gefällt und wo sie berührt werden möchten. Durch die anfängliche Angst, die von klein auf antrainiert wird, ist Selbstbefriedigung schambesetzt, das darf nicht der Fall sein. Daher ist auch der Ausdruck „Schamlippen“ völlig unpassend, das sollte nichts mit Scham zu tun haben. Je öfter man sich berührt, umso besser kennt man sich. 

Wie bringe ich mein Gegenüber zum Orgasmus? 

Der Orgasmus ist zu oft das Ziel, denn wenn man in der Lust ist, muss man nicht immer zum Orgasmus kommen. In Filmen sieht man immer, dass die Beteiligten gleichzeitig kommen oder der Mann kommt und dann ist Schluss. Die Lust der Frau wird durch das Patriarchat aus dem mehrheitsgesellschaftlichen Diskurs ausgeblendet. Die weibliche Lust steigert sich konstant, während die männliche Lust schneller zum Höhepunkt kommt und danach für einige Zeit Erholung braucht. Viele Frauen kommen vaginal nicht, sondern ausschließlich klitoral oder umgekehrt. Dadurch kann der Höhepunkt oft gar nicht zur gleichen Zeit sein, das verlangt Übung, Vertrauen und Durchhaltevermögen. Sexualität ist vielfältig und facettenreich. Sex kann sein was du möchtest, sei es Kuscheln, Oralsex oder Sex ohne Orgasmus.

LINKS 
vielma.at 
sexwecan.at 

BÜCHER 
Viva la Vagina!: Alles über das weibliche Geschlecht 
„da unten“ über Vulven und Sexualität. Ein Aufklärungscomic. 

INSTAGRAM 

@the.vulva.gallery 

@vulvae_ 

@thisisavulva 

@vivalavulva.at 

@mydearvagina 

@planetprudence 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s