Band-Portrait//“Einfach das Leben feiern“

Band-Porträt// Seit acht Jahren gibt es sie bereits, gerade haben sie zwei neue Songs veröffentlicht: Die Band „Mindblind“, bestehend aus Markus (Gitarrist), Leon (Drummer) und Harry (Bassist, Sänger), macht Pop-Punk Songs auf Mundart. Für die Burgenländer haben wir tatsächlich unseren Lokalbezug etwas erweitert und sie nach ihrer Geschichte, den Bedeutungen ihrer Songs und ihren coolsten Momenten gefragt.

Von Celina Dinhopl

Passend zu ihrem achtjährigen Jubiläum haben „Mindblind“ vor kurzem zwei neue Lieder „Hawaiihemd“ und „Neben dir“ herausgebracht. Wie die anderen Songs der Band haben auch sie eine sehr persönliche Bedeutung, die Geschichten dahinter sind manchmal nicht ohne, wie zum Beispiel bei „Hawaiihemd“.

2019 verlor Sänger und Bassist Harry einen guten Freund an Krebs. Dessen Begräbnis, für die Harry den Song „Vorbei“ schrieb, wurde eine so schöne Feier, dass Harry begann, über den eigenen Tod nachzudenken. „Der Tod muss nicht immer etwas Trauriges sein, sondern kann auch etwas Schönes sein. Wir können einfach das Leben feiern und das habe ich als Anlass genommen, das Lied zu schreiben“, erzählt er im Klette-Interview. Für das passende Musikvideo war Drummer Leon zuständig. Bei einer Brainstorming-Session einigten sich die zwei mit Gitarrist Markus auf jene Dinge, die unbedingt im Video vorkommen sollen. Damit stand auch schon sehr schnell die End-Szene fest: Ein verbranntes Hawaiihemd. Doch nicht bloß irgendeines, sondern DAS Hawaiihemd, das Harry seit 2018 bei jeder Show anhatte und auf einer Tour in Lettland gekauft hatte. Ein guter Zeitpunkt also, um die Zeit mit dem Hemd zu beenden. „Harrys Verlobte und die Mama waren sehr froh darüber“, lacht Markus.

Der zweite Hit „Neben dir“ ist Harrys bester Freundin gewidmet, die sich schon seit einigen Jahren ein Lied von ihm wünscht. Ihr Wunsch ging so weit, dass sie eines Tages folgenden Satz in den Raum warf: „Muss i erst sterben, damitst ma a Liad schreibst?“ Und so machte sich Harry schließlich daran, auch für sie einen Song zu schreiben, der vor allem von ihren gemeinsamen Alkoholexzessen handelt. „Die Zeile im Refrain ‚Wenn ich neben dir speib, ist mir weniger schlecht‘ beschreibt sehr schön, was uns verbindet.“, erzählt Harry lachend.
Die Texte entstammen allesamt Harrys Feder, der einzelne Zeilen immer nebenbei niederschreibt. Dafür verwendet er üblicherweise sein Handy und wenn ihn dann die Motivation packt, macht er aus einzelnen Zeilen einen ganzen Song. Anschließend probiert er mit der Akustikgitarre herum, bis ihm die Melodie einigermaßen gefällt, um sie den anderen beiden weiterzuleiten. Im Proberaum, Leons Keller, wird dann gemeinsam am Song gearbeitet, dabei hat jeder seine eigene Aufgabe. Zum Abschluss geht es anschließend ins Tonstudio, um den Song zu vollenden.

Heute sind ihre Lieder ausschließlich auf Mundart, doch das war nicht immer so: früher sangen sie auf Englisch, was auch schon der Name „Mindblind“ vermuten lässt. „Ganz am Anfang haben wir einen Song auf Hochdeutsch probiert, aber schnell wieder verworfen. Des bin auch einfach nicht ich, das kann ich nicht authentisch rüberbringen“, meint der Harry. Ihren ersten Song auf Mundart veröffentlichten sie aber schon in ihrer englischsprachigen Zeit, nämlich auf ihrem ersten Album „Barely Illegal“ aus 2015. Auf Livekonzerten war die Nummer unter den Fans bald ein Favorit. Mit ihrer 2018 erschienenen EP „Gegenwindschiffen“ probierten sie dann das nächste Mal, auf Mundart zu singen. „Schon nach der ersten Nummer ‚Des Schenste‘ wussten wir, das ist jetzt unser Stil“, so Markus. Der Name „Mindblind“ hat übrigens keine wirkliche Bedeutung. Eigentlich wurde hierfür von Leon bloß englische Wörter im Kopf aneinandergereiht, bis schließlich eine coole Mischung entstand.

Die Idee für eine gemeinsame Band kommt aus einer früheren Band, in der Leon und Harry gemeinsam spielten. Nachdem sich die alte Band auflöste, wollten die beiden trotzdem weiterhin Musik machen. Kurz darauf stieß Harrys Bruder Markus zur Band, indem er auf Facebook eine Einladung bekam, die Band „Mindblind“ zu liken. Als er sich die Webseite der Band genauer ansah, bemerkte er schließlich, dass er bereits als Teil der Gruppe, von der er vorher nicht viel wusste, erwähnt wurde. „Oh, ich hab eine Band“, dachte sich Markus in diesem Moment. Damit begann der gemeinsame Weg, der recht rasch mit den ersten Gigs weiterging. Das waren vor allem Bandwettbewerbe oder kleinere Live-Auftritte im Wiener Neustädter Triebwerk.
Schon nach einem Jahr stand Mindblind das erste Mal in einem Tonstudio, jedoch ohne einen wirklichen Plan. „Wir haben echt viel dazugelernt, vor allem, wie man es nicht machen sollte“, meint Harry, denn heute wissen Mindblind, dass man mit einem Plan besser dasteht. Leon setzt für den Erfolg der Band vor allem auf „Do it yourself“: „Man muss selbst Leute anschreiben, die Shows veranstalten. Warten wird keiner auf dich. Wir waren schon immer dahinter, die Musik haben wir immer ernst genommen, wir nehmen uns halt nicht ernst.“ So kam es auch dazu, dass irgendwann die Shows und Songs besser und größer wurden.

Auf Tour durch Osteuropa
Wenn sie an ihre bisherigen Highlights zurückdenken, kommt ihnen dabei vor allem ihre Tour durch Osteuropa in den Kopf. Gemeinsam reisten sie mit einem VW Caddy zwei Wochen durch Länder wie Russland, Ukraine oder Lettland und spielten dort fast täglich ein Konzert. Nicht nur das Hawaiihemd entstammt aus dieser Zeit, auch weitere schöne Erinnerungen verbinden die Truppe mit dieser Reise. „Und wenn du mit deinen Buddys in Moskau eine Show spielst, da muss man sich schon einmal selbst wachrütteln“, erzählt Leon. Doch auch sonst fallen ihnen coole Momente ein: „Eins der Highlights für mich ist immer, wenn wir im Studio sind und feststellen, der Song wird fett. Da bekommt man richtig Freude darauf, ihn allen Freunden vorzuspielen“, freut sich Markus. Harry geht dabei sogar noch einen Schritt weiter: Er nennt neue Songs, die er das erste Mal auf der Bühne spielt, seine Neugeborenen.
Auf die Frage, wie sie ihren zukünftigen Enkelkindern ihre Band beschreiben würden, haben sie eine klare Antwort: Wir werden noch immer nicht aufgehört haben. „Aber ich finde die Vorstellung gerade sehr schön, dass unsere Enkel das nächste Musikvideo ‚Neben dir‘ sehen können, denn wir haben da jetzt wirklich was festgehalten für die Ewigkeit“, grinst Markus zum Abschluss im Zoom-Interview.

FACTS:
Markus Leitner 26, Gitarrist
Harald Leitner 24, Bassist und Sänger
Leon Lederer 25, Drummer

Gegründet: 2013

EPs:
englischsprachige EP 2014
„Gegenwindschiffen“ 2018
Album: „Barely Illegal“ 2015

Links:
Website: mindblindmusic.com
Spotify: spotify.mindblindmusic.com
Youtube: youtube.mindblindmusic.com
Facebook: facebook.mindblindmusic.com
Instagram: instagram.mindblindmusic.com

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