Lass‘ uns reden//Nackte Haut auf Social Media.

Wir wollen reden! Mit Expertin Martina Gröschl und mit euch. Und zwar über alles rund um Sex, Gender, Menstruation, Geschlechterrollen und mehr. In dieser Ausgabe geht es um nackte Haut auf Social Media, weibliche Nippel und Selbstliebe. Vorab: das Gendersternchen (*) hinter „Mädchen“ und „Burschen“ weist darauf hin, dass alle gemeint sind, die sich als Mann*, Frau* oder divers identifizieren. 

Wieso ist nackte Haut spannend oder erregend für uns? 

Martina Gröschl: Die Haut ist unser größtes Organ zur sinnlichen Wahrnehmung, zum Schutz und zur Abgrenzung. Jegliche Empfindungen kann man über die Haut spüren oder ausdrücken; Gänsehaut. Davon leiten sich auch Ausdrücke wie „Dicke Haut haben“ oder „durch die Haut gehen“ ab. Haut ist aber auch eine Fläche für Repräsentation, sowohl für eigene Blicke, um sich selbst anzuschauen und zu gefallen, als auch für fremde Blicke. Der starke Social Media-Fokus und der Überkonsum führen dazu, dass hauptsächlich das Äußere beurteilt wird und das Innere vernachlässigt wird. 

Wie lassen sich Selbstliebe und Repräsentation auf Instagram vereinbaren? 

Sich in der eigenen Haut wohlzufühlen und sich vorab zu fragen: „Was möchte ich zeigen?“, ist sehr wichtig. Es ist allerdings neben den individuellen Überlegungen auch viel Macht(-spiel) involviert, besonders gegenüber Frauen*. Den Druck der Selbstdarstellung auf Social Media haben auch Burschen*. Fit ist das neue schlank, heißt es. Körperoptimierung durch Disziplin. Die Kontrolle über den eigenen Körper haben, wird aktuell sehr angepriesen. Nur wenn ich mich selbst optimiere, gilt mein Körper als gut. Das ist nicht wahr, denn was man schnell vergisst: Vorbilder auf Instagram bilden nicht die gesamte Realität ab.  

Burschen repräsentieren sich stark und sportlich mit Sixpack im Fitnessstudio, während Mädchen schön, sexy, zerbrechlich, freizügig und eine Trophäe für Männer sein sollen. Das ist natürlich Blödsinn und reine Reproduktion von Stereotypen. Es braucht alternative Darstellungen, die verletzliche Burschen* und selbstbewusste Mädchen* zeigen. Hier mehr Bilder in den Köpfen Jugendlicher zu schaffen ist wichtig. Die Peergroups sind im Jugendalter derart wegweisend, dass die Kraft bestimmte Dinge zu hinterfragen meist fehlt. Das Internet ist groß und zeigt theoretisch viel, aber ich glaube, dass Schönheitsideale immer noch sehr eng definiert werden und Druck machen. 

Warum ist es so, dass weiblich gelesene Nippel auf Instagram gelöscht werden und männlich gelesene nicht? 

Weiblichkeit wird sexualisiert; immer schon. Im digitalen Zeitalter ist der Nippel der Frau* mit dem Penis gleichzusetzen und beides wird von Social Media Plattformen nicht gerne gesehen. In der Öffentlichkeit sorgt zum Beispiel das Stillen eines Kindes nach wie vor für Aufruhr, während nackte Haut in Musikvideos zelebriert wird. Die Parallelwelten sind absurd und die Frau ist immer im Fokus. Es scheint so zu sein, dass Instagram Bilder mit viel nackter Haut zum Beispiel einem Landschaftsbild vorzieht und da beginnt das Spiel mit Henne und Ei. Mag ich es, nackte Bilder oder nackte Haut zu sehen und wird es mir deswegen so oft vorgeschlagen, oder ist das vom Algorithmus gewollt, dass nackte Haut öfter vorkommt? Der Instagram Account @genderless_nipples prangert diese absurde Herangehensweise von Instagram an, indem Bilder diverse Nippel unkenntlich welchen Geschlechts gepostet werden. 

Wo liegen die Risiken, wenn man Bilder ins Netz stellt oder beim Sexting?  

Sexting, also das Verschicken von Nacktfotos oder erotischen Videos ist beliebt, vor allem in Zeiten einer Pandemie. In Bezug auf Jugendliche gibt es allerdings einige wichtige Regelungen. Denn der Besitz und das Verbreiten pornografischer Aufnahmen einer Person unter 18 Jahren ist strafbar. Eine Ausnahme gibt es für Beziehungen, wobei auch da gilt, dass die Beteiligten mindestens 14 Jahre alt sein müssen und die Aufnahmen nicht an Dritte weitergesandt werden dürfen. Früher war es so, dass die Person, die die Nacktbilder aufgenommen hat, strafbar war, wenn diese weiterverbreitet wurden. Ein klarer Fall von Victim Blaming. Was wir mittlerweile alle wissen: Ein Bild oder Video, das ins Netz gestellt wird, bleibt dort für immer in den Tiefen des Internets vergraben. Es gibt allerdings Möglichkeiten, es von der Oberfläche löschen zu lassen. Die Einfachste ist die Kontaktaufnahme mit der Serviceabteilung der Plattform. 

Peergroups = Einflussgruppen auf Individuen. Bei Jugendlichen wichtig für Zugehörigkeit und Sozialisierung. 

Victim Blaming = Täter-Opfer-Umkehr 

Instagram-Links: 
@genderless_nipples 

@bodyposipanda 

@charlottekuhrt 

@kenziebrenna 

@rebeccachelbea 

@fabianhart 

Bücher: 
Die Anleitung zur Selbstliebe: Liebe deinen Körper 
Make Love. Ein Aufklärungsbuch 

Film: 
Embrace – Du bist schön. 

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