Kommentar der Redaktion//Wie Haut zeigen und Feminist*in sein zusammenpasst.

von Iris Strasser

Im Alltag und auf Social Media Haut zu zeigen ist für viele undenkbar. Die Angst vor Kommentaren der Kolleg*innen, Respektverlust oder geringeren Jobchancen hält zurück. Für Frauen* sind diese Bedenken normal. Sollten sie aber schon lange nicht mehr sein. 

Der Feminismus hat viele Facetten. Jede*r lebt ihre*seine Werte und Überzeugungen in feministischen Fragen anders aus und das ist gut so. Wir sollten allerdings darauf achten uns nicht gegenseitig zu bremsen. „Würde ich niemals posten, aber mach du, irgendwer muss es ja machen“, ist auf die Frage nach einem Instagram-Post in Unterwäsche zwar unterstützend gemeint, unterstützt aber den Gedanken der gemeinsamen Arbeit gegen die Unterdrückung der weiblichen* Sexualität nicht. Natürlich fühlen sich manche am authentischsten in Cosplay-Kostümen, während andere nur ohne Hülle sie selbst sein können und das ist auch gut so. Wir müssen nicht auf den gleichen Nenner kommen. Nur wissen, dass das Patriarchat auch hier alle Arbeit leistet uns Frauen* weiter voneinander zu entfernen als wir es eigentlich sind. „Wie nackt darf ich sein, um keine anstößigen Bemerkungen, Blicke oder sexualisierte Übergriffe und Gewalt zu erfahren?“, fragen sich viele Frauen* regelmäßig. Die Antwort sollte lauten: „So nackt wie du heute sein möchtest!“ Diese Freiheit scheint 2021 noch immer ein wenig utopisch, aber wir kommen dem Gefühl immer näher, dass nackt sein nichts mit Sex zu tun haben muss. Wir sind am richtigen Weg und der wird aktuell vor allem online gegangen. 

Die Plattform OnlyFans macht dort weiter, wo Instagram den Schlussstrich zieht. Der britische Unternehmer Tim Stokely schafft mit seiner App Raum für freie Sexualität, Feminismus und guten Verdienst. Instagram Algorithmen bevorzugen Posts mit nackter Haut und löschen trotzdem einen weiblich gelesenen Nippel in Rekordzeit. Das nimmt Frauen* die Entscheidung sich online so zu präsentieren, wie sie möchten. Die Möglichkeit auf OnlyFans ohne Management oder Agentur zu arbeiten und 80% der Einnahmen zu behalten, ist für derart viele „Creator“ attraktiv, dass die Pornoindustrie ins Schwitzen kommt. Zu Recht, denn die Creator bestimmen den Inhalt und ihre Fans bezahlen für direkte Interaktion und Nacktheit. Ob OnlyFans ähnlich wie Instagram von Algorithmen regiert wird und dünn, weiß und blond bevorzugt, sprich abermals ein toxisches Schönheitsideal reproduziert, steht noch in den Sternen. Was allerdings feststeht: Nackt sein sollte für alle etwas Schönes sein, denn der selbstbestimmte Umgang mit dem eigenen Körper und der Sexualität ist wichtig für ein respektvolles Zusammenleben. 

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