Kolumne//Lass‘ uns reden…Das rote Tabu

Wir wollen reden! Mit den Sexualpädagoginnen Martina Gröschl und Katharina Imböck und mit euch. Und zwar um alles rund um Sex, Gender, Menstruation, Geschlechterrollen und mehr. In dieser Ausgabe geht es um die Periode und das starke Tabu, das nach wie vor damit zusammenhängt. 

Interview: Stefanie Marek 

Wie funktioniert die Menstruation und warum gibt es sie? 

Martina Gröschl und Katharina Imböck: Es gibt sie, weil der Körper in der Gebärmutter eine Art Bett vorbereitet, in dem sich im Fall einer Schwangerschaft eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Der Zyklus ist der Zeitraum vom ersten Tag der Regel bis zum letzten Tag vor der nächsten Regel. Ungefähr einmal pro Monat, in der ersten Zyklusphase, reift eine Eizelle in einem der beiden Eierstöcke heran und in der Gebärmutter baut sich eine Schleimhaut auf.  

Beim Eisprung wandert das Ei über den Eileiter in die Gebärmutter und kann sich in der Schleimhaut einnisten. Wenn die Eizelle befruchtet wird, kann ein Embryo dort heranreifen. Ist man nicht schwanger, menstruiert man, wird also alles, was sich da in der Gebärmutter aufgebaut hat, wieder los. Dabei verlässt nicht nur Blut den Körper, sondern auch Blutklumpen, Teile der Gebärmutterschleimhaut, die abgestorbene Eizelle und Scheidensekret.  

Man blutet im Schnitt drei bis sieben Tage lang. Mädchen menstruieren zum ersten Mal im Alter zwischen elf und 17 Jahren, es ist ganz unterschiedlich, wann man zum ersten Mal seine Tage bekommt. Wer während der Periode extreme Schmerzen hat, sollte unbedingt mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt darüber reden. Es könnte zum Beispiel eine Endometriose sein. Diese Krankheit betrifft ungefähr 10 Prozent der Frauen und kann unbehandelt sehr gefährlich sein.  

Wie wirkt sich der Zyklus auf Stimmung und Psyche aus?  

In der ersten Hälfte des Zyklus wird viel Östrogen ausgeschüttet. Man ist gut drauf und fühlt sich motiviert. Viele Mädchen und Frauen fühlen sich gerade kurz vor dem Eisprung oft sehr wohl im eigenen Körper und haben viel Lust auf soziale Kontakte. Die zweite Phase ist von Progesteron geprägt, man hat in dieser Phase häufig Stimmungsschwankungen und Stimmungsstiefs. Aber auch die Zeit der Mensturation und was sie mit sich bringt ist für manche sehr belastend.  

Wenn man weiß, was im Zyklus wann passiert, kann man seine eigene Stimmung beobachten und die Hochs und Tiefs besser beurteilen. Es ist wichtig, nicht nur das Stimmungstief mit dem Zyklus in Verbindung zu bringen, sondern auch das Hoch. Das sogenannte PMS, das Prämenstruelle Symptom, also körperliche und emotionale Beschwerden vor der Regel, ist medizinisch erwiesen. Das PMS teilweise lächerlich gemacht oder nicht ernst genommen werden, hängt viel mit dem Tabu rund um die Menstruation zusammen.  

Was sing gängige Menstruations-Mythen? 

Dass man extrem viel blutet während man seine Tage hat. In Wirklichkeit ist es insgesamt eine Espressotasse voll, das sind 30 bis 70 Milliliter.   

Dass die Monatsblutung immer gleichmäßig kommt ist falsch. Gerade wenn man jung ist muss sich das erst einpendeln. Der Zyklus beginnt alle 28 Tage von neuem, manchmal aber auch alle 32 oder 21 Tage, manchmal setzt die Menstruation auch aus.   

Es ist falsch, dass man während der Periode nicht schwanger werden kann. Faktisch kann man immer schwanger werden. Frauen haben eine fruchtbare Woche im Monat. Ausrechnen kann man sich die auch mit Apps aber nicht wirklich, weil dabei so viele Faktoren eine Rolle spielen. Gerade bei jungen Frauen kommt die Periode unregelmäßig. Sperma überlebt fünf bis sechs Tage im Eileiter und der Gebärmutter, auch die Eizelle überlebt zwei Tage.  

Woher kommt das Tabu rund um die Menstruation? Was kann man dagegen tun? 

Das Tabu gibt es in unserer Gesellschaft schon sehr lange. Es hat seinen Ursprung auch in der Unterdrückung von Frauen. Die Periode wird als etwas Mystisches gesehen, das mit dem Leben zu tun hat und gleichzeitig als etwas Ekelhaftes verurteilt. Das wird durch die Medien und die Werbung und auch durch Produktdesigns reproduziert und verstärkt. Menstruationsprodukte werden als sauber, sicher und frisch angepriesen, damit wird die Periode als dreckig, unsicher und gefährlich dargestellt. Als etwas, das unsichtbar und diskret stattfinden muss. In vielen Werbungen wird das Periodenblut immer noch als blaue Flüssigkeit dargestellt. Das ist absurd.   

Ein wichtiger Weg das Tabu zu brechen ist die Periode sichtbar zu machen, so wie sie wirklich ist. Mit starken Bildern kann man viel verdeutlichen. Dafür, bekommen Frauen in Sozialen Medien sehr viel Hass. Wir sind mit der Vorstellung aufgewachsen, dass die Periode etwas Arges, Ekelhaftes ist. Es ist aber etwas Normales, woran wir uns gewöhnen sollten.  

Es gibt außerdem tausend Synonyme für die Menstruation, damit man das Wort nicht sagen muss: die Tage, Tante Rosie ist zu Besuch und so weiter. Dadurch bekommt man von klein auf mit, dass es anscheinend etwas ist, das man nicht laut sagt, etwas Unangenehmes, Geheimes. Um das Tabu zu brechen ist es wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen, offen darüber reden und auch die Männer mit einbeziehen.  

Facts:

Gegen das Tabu: The Female Company (Instagram) 

Infoportal für Menstruation, Zyklus & Co.: www.erdbeerwoche.com  

Erklärmaterial für Pädagoginnen: http://www.ready-for-red.at 

Einführungszeremonien: www.rotesfest.at 

Buchtipp:  Go with the Flow 

Buchtipp: Die Periode ist politisch 

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