Jugend von gestern//„Vermisse die vielen Wirtshäuser, Kinos und Bars“

Jugend von gesternIn Rosemarie, auch genannt Rosa oder Rosi, Reinhalters Leben drehte sich vieles um die Gastronomie und das Arbeiten, das öffnete ihr auch die eine oder andere Tür. Von Falco-Konzerten bis hin zu Liebesg´schichten und Heiratssachen bekam die heute 63-jährige gelernte Kellnerin einiges in der Stadt mit. 

Von Joanna Reinhalter

Die gebürtige Steirerin Rosemarie Sommer kam als Baby nach Wiener Neustadt, wo sie 22 Jahre lang am Flugfeld wohnte bis sie eine alte Beamtenwohnung am Fohlenhof zu ihrem Zuhause machte. 
Rosa besuchte die Rudolf Wehrl-Volksschule und im Anschluss die Hauptschule im Akademiepark. Danach begann sie mit 16 Jahren eine Ausbildung als Kellnerin im Gasthof „Fromwald“ in Bad Fischau-Brunn. An ihre Berufsschulzeit erinnert sie sich besonders gerne zurück. „Schon ziemlich am Anfang der Berufsschule mussten wir auf einem Schiff prominente Gäste betreuen, das war schon sehr aufregend für ein junges Mädchen! Die Schule war zwar anstrengend, aber wir hatten trotzdem jede Menge Spaß. Nach dem Unterricht waren wir oft beim Café Stucky gegenüber, da es in Waldegg früher sonst nicht sehr viel mehr gegeben hat. Wenn es ab und an mal später wurde und wir die Sperrstunde verpassten, haben wir dann versucht, uns hineinzuschleichen, oder den Portier mit etwas Alkohol zu bestechen“, lacht Rosa, während sie von Berufsschulzeiten erzählt und dabei ihre Hündin Sunny streichelt. 

Wenn der Postbote nicht nur Briefe bringt …
Rosa erzählt wie sie in der Gastronomie Liebesgeschichten nicht nur erzählt bekommen, sondern auch selbst erlebt hat. „Damals habe ich im Gasthaus „Zum goldenen Adler“ als Kellnerin gearbeitet, als uns ein junger Mann immer die Post gebracht hat. Wir sind ziemlich bald ins Tratschen gekommen und so hat sich dann etwas mehr ergeben. 1979 haben wir dann geheiratet, da war ich 22. Weil er bei der Post war, haben wir zirka ein Jahr später eine Wohnung am Fohlenhof bekommen, da diese Häuser früher speziell für Arbeiter und Beamte waren. Außerdem hat er dann irgendwann eine andere Route zugeteilt bekommen, an der auch unsere Wohnung gelegen hat, somit haben wir uns dann öfter am Tag sehen können. Im gleichen Jahr ist dann unsere Tochter und später dann unser zweites Kind zur Welt gekommen. Jetzt wohne ich schon fast 41 Jahre hier.“ Die 63-jährige sieht verträumt aus dem Fenster und lächelt. 

Aber bitte mit Sahne, junge Römer! 
Neben den ganz normalen Alltagsaufgaben und typischen Paaraktivitäten, wie zum Beispiel im damaligen Jugoslawien Urlaub zu machen, haben Rosa und ihr Mann Josef Reinhalter auch oft gemeinsam gearbeitet. „Beim Faschingsfestival am Hauptplatz oder bei Ausstellungen am alten Ausstellungsgelände hatten wir immer einen Imbissstand, oft waren das nur ein, zwei Bänke, ab und an aber auch eine kleine Hütte. Einmal war ich sogar bei einem Konzert von Falco, 1994 am Domplatz, ich war zwar nur zum Arbeiten dort, aber es war eine sehr tollte Show. Er hatte sogar ein Orchester dabei! 1997 kam dann Udo Jürgens nach Wiener Neustadt, er trat auch am Domplatz auf. Ich war bei vielen Veranstaltungen dabei, ohne dafür Geld ausgegeben zu haben“, schmunzelt Rosa.  


Nostalgische Rückblicke 
Wenn Rosa heute an ihre Jugend zurückdenkt macht sie das sehr gerne, aber in ihren Erinnerungen schwingt oft auch ein wenig nostalgische Melancholie mit. „Damals gab es in Wiener Neustadt mehr Veranstaltungen, ob es nun Konzerte am Domplatz, diverse Ausstellungen und Messen am Flugfeld oder ein Faschingsfestl am Hauptplatz waren. Die vielen Wirtshäuser, Kinos und Bars, vermisse ich sehr, das war immer ein großer Spaß! Es ist sehr schade, dass es sowas für die Jugendlichen heute nicht mehr gibt.“ 

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