Was man in der Schule nicht lernt//SELBSTLIEBE

Alle predigen sie, aber wer lebt sie tatsächlich? Und was ist sie überhaupt? Die Rede ist von der Selbstliebe und bereits bei ihrer Definition scheiden sich die Geister. Wikipedia meint zum Beispiel, dass Selbstliebe, auch Eigenliebe, die „allumfassende Annahme seiner selbst in Form einer uneingeschränkten Liebe zu sich selbst“, bezeichnet. Dazu zählen zum Beispiel auch Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen und Selbstzuwendung. Wir erklären euch, warum uns Selbstliebe oft so schwerfällt, und was man tun kann, um sich um sich eine gewisse Form der Selbstliebe beizubringen.  

Von Marie Hanakamp 

Warum fällt es uns eigentlich so schwer lieb zu uns selbst zu sein? 

  1. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der ständiger Druck und eine hohe Erwartungshaltung von außen aber auch von innen allgegenwärtig ist. Das zeigt sich bereits in der Kindheit: „Schreib‘ gute Noten“, „Räum dein Zimmer auf“, „Studier‘ was Gescheites“, usw. Uns wird, wenn auch oft unbewusst, zu verstehen gegeben, dass man (nur) geliebt wird oder einen Wert besitzt, wenn man viele Erwartungen erfüllt. Wie kann man also sich selbst Wert zusprechen, wenn es andere nur unter bestimmten Voraussetzungen tun? 
  1. Wir vergleichen uns ständig mit anderen. Ob auf Social Media oder in der Schule. Manche tun das mehr, manche weniger. Aber Fakt ist: Die meisten Menschen vergleichen sich mit ihren Mitmenschen, mindestens einmal im Leben. Tägliches Timeline-Scrolling führt nicht selten zu Neid und dem Gefühl selbst nicht zu genügen oder auch zum Verlust von Selbstwert und Selbstakzeptanz.  
  1. Manchmal setzen wir fälschlicherweise Selbstliebe mit Egoismus, Narzissmus oder Arroganz gleich, was dem Ganzen einen sehr negativen Touch gibt. Wichtig zu wissen: Selbstliebe ist nicht gleich Selbstverliebtheit. Selbstvertrauen ist nicht gleich Arroganz. Und Selbstzuwendung ist nicht gleich Abschottung oder Egoismus. 

Na, kommt dir einer der eben genannten Gründe bekannt vor? Das ist kein Wunder, so sind nur rund 8% der unter 25-Jährgen mit sich zufrieden und würden sagen, dass sie sich selbst lieben.  

Wie praktiziere ich Selbstliebe? 

  1. Hör‘ auf dich mit anderen zu vergleichen. Ein Tipp: Sobald du merkst, dass dir Bilder oder Beiträge auf Instagram und Co. eher Neid und Traurigkeit in dir auslösen – Schließ‘ die App und leg‘ dein Handy weg. Seriously, das ist es nicht wert. 
  1. Nicht so bescheiden! Egal ob Tinder-Profil oder Bewerbungsgespräch. Trau‘ dich zu sagen, was du kannst. Mach‘ dich nicht kleiner, nur weil du Angst vor den daraus resultierenden Erwartungen hast. Du bist, was du bist. Du kannst, was du kannst. Und das darf jeder wissen. 
  1. Take care of yourself! Gönn’ dir Pausen. Gönn’ dir Auszeiten, auch wenn es sich dabei nur um dreimal tief durchatmen handelt. Wir sagen alle gern „Ich habe zu viel zu tun, um etwas für mich zu tun“. Das ist BULLSHIT. Jeder kann sich täglich etwas Zeit für sich nehmen, ob das ein kurzer Nap ist, eine Stunde Yoga oder zehn Minuten in der Sonne zu sitzen und Musik zu hören.  
  1. „Journaling“ ist heutzutage sehr beliebt, um Dankbarkeit und Selbstliebe zu praktizieren. Ganz ehrlich – das ist nichts für mich. Darum schreibe ich mir täglich drei Dinge auf, die ich selbst an mir mag und für die ich dankbar bin. Probier’s doch auch mal aus. 
  1. Spring‘ ins kalte Wasser! Trau‘ dich etwas, das du schon immer tun wolltest. Nimm‘ die Herausforderung an und du wirst am Ende mit Stolz auf dich selbst belohnt werden. 

Sich selbst zu lieben und mit sich zufrieden zu sein, geht nicht von heute auf morgen. Aber vielleicht hilft dir ja der ein oder andere oben genannte Tipp, dem ein wenig näher zu kommen. Du kennst doch bestimmt die Weisheit „Nur wer sich selbst lieben kann, ist bereit Liebe zu nehmen und zu geben.“ Auch wenn das eine Spur spirituell klingt, ist da laut Psychologen tatsächlich etwas Wahres dran. Und ist es nicht das, was wir alle wollen? Lieben und geliebt werden, sowohl von sich selbst als auch von anderen? 

Das Konzept der Selbstliebe kann auch problematisch sein. Es geht dabei aber gar nicht darum, alles an sich selbst toll zu finden und immer das Beste in sich selbst zu sehen, oder so zu tun als wäre man unbesiegbar. Es geht darum, die eigenen Schwächen, die „schlechten“ Gefühle, die eigenen Fehler zuzulassen, zu akzeptieren und sich als ganze Person mit allen Ecken und Kanten anzunehmen. Auch andere geliebte Personen gehen einem manchmal auf die Nerven, auch sie haben ihre Fehler und ihre schlechten Eigenschaften. Und wir lieben sie nicht trotzdem, sondern gerade auch deswegen und das können wir mit ein bisschen Übung auch bei uns selbst.  

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