Klette-Kommentar//Warum wir uns nicht schämen sollten

Von Stefanie Marek

Shit. Sie kommt. Gerade jetzt, wo man nicht mit ihr gerechnet hat. Gerade jetzt, wo man nichts dabei hat. Und man wendet sich an eine Freundin, eine Kollegin, eine völlig Fremde. Ein verlegenes Lächeln, ein verständnisvoller Blick. „Hast du was?“ Ein Nicken, ein Kramen in der Tasche. Die Hand öffnet sich und schließt sich schnell wieder, als etwas kleines weißes die Besitzerin wechselt.  Dann schnell zur Toilette.  

Nicht selten fühlt sich nach einem Tampon oder einer Binde zu fragen an wie mit Drogen zu dealen. Es ist irgendwie heimlich, irgendwie peinlich, wenn nicht peinlich, dann zumindest ein wenig unangenehm, zumindest soweit, dass man nicht will, dass jemand anderes mithört. Schließlich soll niemand wissen, dass man gerade blutet. Und das obwohl jetzt gerade jede fünfte Frau weltweit blutet. Jede von uns, fast jeden Monat, fünf bis sechs Jahre im Leben. Obwohl es so normal ist, so allgegenwärtig schämen wir uns dafür.  

Wir schämen uns, wenn wir bei einem Freund zu Besuch vergeblich nach einem Badezimmermistkübel suchen und dann versuchen das blutige Tampon oder die Binde in Klopapier eingewickelt in den Küchenmistkübel zu schmuggeln. Wir schämen uns, wenn wir in der Öffentlichkeit unterwegs sind und spüren, wie der nächste Blutschwall kommt. Hoffentlich, hoffentlich geht nichts daneben, hoffentlich, hoffentlich sieht man keine Flecken. Natürlich geht immer etwas daneben. Wir wissen alle, dass kaltes Wasser gegen die Flecken hilft. Sieht man die Binde durch die Hose? Merkt nur ja niemand, dass es gerade diese Zeit im Monat ist?  

Es ist uns peinlich. Doch die Wahrheit ist: Das sollte es nicht sein. Unsere Körper tun das, was sie tun. Und wer unsere Körper deswegen ekelhaft nennt, der soll sich erst mal einen Badezimmermistkübel zulegen.  

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