Kolumne//Queer gelesen: Identität und Geschlecht

Wir wollen reden! Mit Expertin Martina Gröschl und mit euch. Und zwar über alles rund um Sex, Gender, Menstruation, Geschlechterrollen und mehr. In dieser Ausgabe geht es um verschiedene sexuelle Identitäten und Orientierungen, Zuordnungen und darum, was das mit Geschlecht zu tun hat, oder eben auch nicht 

Das Konzept der Heteronormativität geht davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gibt, männlich und weiblich. Mittlerweile wissen wir, „normal“ ist noch viel mehr. Was gibt es noch? 

Martina Gröschl: Es gibt ein sehr breites Spektrum an sexuellen Orientierungen. Es ist wichtig zwischen geschlechtlicher Identität und sexueller Identität zu unterscheiden. Da gibt es das körperliche Geschlecht, das wird von der Biologie und der Medizin von Geburt an durch Hormone, Chromosomen und Geschlechtsorgane zugeordnet: männlich, weiblich, intergeschlechtlich. Die Geschlechteridentität ist das innere Wissen, welches Geschlecht man hat. Manchmal stimmen körperliches Geschlecht und Geschlechteridentität überein, bei sogenannten Cis-Personen und manchmal passt diese Zuordnung nicht. Mittlerweile gibt es viele andere Kategorien, denen man sich zuordnen kann. Trans*-Personen wurde zum Beispiel bei der Geburt ein Geschlecht zugewiesen, sie identifizieren sich aber mit einem anderen und non-binäre Personen fühlen sich keinem Geschlecht zugehörig. Genauere und mehr Definitionen gibt es im Queer Lexikon (siehe Infobox).  

Sexualität und Identität: Ist es überhaupt wichtig, sich selbst zuzuordnen? 

In der Teenagerzeit kommen viele Fragen auf: Wer bin ich, wer möchte ich sein, wie will ich mich ausdrücken? Für manche Personen ist es sehr wichtig, sich einer Kategorie zuzuordnen und die Zugehörigkeit zur LGBGTQI+ (Lesbian, Gay, Bi, Trans, Queer und Intersex)Community kann sehr unterstützend sein. Man soll sich aber keinen Druck machen, man muss sich nirgendwo zuordnen. Am besten ist es auszuprobieren und zu schauen, was sich gut und richtig anfühlt. Bei manchen bleibt die sexuelle Identität ein Leben lang gleich, bei manchen verändert sie sich. Das spürt man.  Die eigene sexuelle Identität, genau wie die sexuellen Vorlieben sind ein sehr privates Thema. Andere Menschen müssen sich einem nicht erklären. Man kann respektvoll fragen, mit welchen Pronomen jemand angesprochen werden möchte.   

In letzter Zeit outen sich auch vermehrt Prominente als non-binär oder trans*. Solche Vorbilder helfen, zu sich zu stehen. Es gibt aber auch Vorwürfe, es wäre ein Trend „anders zu sein“ oder eine Phase. Wie geht man damit um?  

Als junger Mensch muss man sich nicht festlegen. Die Suche nach der sexuellen Identität eine Phase zu nennen, ist falsch. Man kann sich nicht wirklich dafür entscheiden, man kann aber ausprobieren, was sich richtig anfühlt. Manche wollen das nicht und das ist auch okay. Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen, bekommen jetzt viel support, wenn sie sich outen, aber auch viel hate. Wenn man nicht der Norm entspricht, ist man immer am Rand. Es gibt nach wie vor sehr viel Diskriminierung. Diese Vorbilder zeigen aber auch, das sich das ändern kann.  

Was ist der Unterschied zwischen Geschlechtern und Sexualitäten?  

Am besten wäre doch, wenn man sich in einen Menschen verliebt und nicht in sein Geschlecht. Genau wie die Geschlechtervielfalt soll auch Sexualität offen und weit bleiben. Auch hier gibt es viele verschiedene Formen: Hetero- und Homosexualität kennen die meisten als Begriffe. Dann gibt es noch Bisexualität: Man findet Männer und Frauen anziehen, die auch biologisch als Männer und Frauen gelesen werden und sich so identifizieren. Bei der Pansexualität verliebt man sich in die Person, egal welche Geschlechteridentität diese hat. Die Asexualität beschreibt, wenn man sich sexuell zu niemandem hingezogen fühlt. Es ist generell auch ein Unterschied jemanden romantisch oder sexuell anziehend zu finden, das muss nicht beides gleichzeitig sein. Ein Beispiel ist das Konzept biromantisch asexuell. Das bedeutet, man hat keine sexuelle Anziehung, aber man verliebt sich in beide biologischen Geschlechter.  

FACTBOX 

queer-lexikon.net 

Genderdings.de 

Dievilla.at 

Hosiwien.at 

http://www.rklambda.at 

Diecourage – Beratungsstelle für alles 

Wien Extra (Kapitel zu Vielfalt) 

Rechtliches – Wiener antidiskriminierungsstelle (wast) 

https://www.jugendportal.at/themen/liebe-sexualitat-geschlecht/geschlechtliche-sexuelle-vielfalt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s