N.E.R.D.//Wie entwickelt man eine App?

Nachgefragt | Roswitha Rubel (25) studiert „Entrepreneurship and Applied Management” im letzten Semester an der Fachhochschule Wiener Neustadt. Seit September 2020 ist sie Teil eines Forschungsteams für die Entwicklung der App „NERD“. Was die kann, warum sie entwickelt wird und welche Aufgaben Roswitha dabei übernimmt, hat sie uns im Interview erzählt.  

Von Alina Bauer

Als Nerd bezeichnet man einen Menschen, der sich leidenschaftlich mit einem bestimmten Thema beschäftigt, oft geht es dabei um Nischenthemen, also Dinge, mit denen sich andere Menschen eher nicht auseinandersetzen. Beim App-Projekt einer Forschungstochter der Fachhochschule Wiener Neustadt steht die Abkürzung N.E.R.D. aber für „Nutzen, Effekte und Risiken der Regulierung digitaler Erreichbarkeit“. Das hört sich im ersten Moment etwas kompliziert an, im Endeffekt soll diese App Nutzer*innen aber dabei helfen, die Arbeitszeit vom Privatleben leichter trennen zu können. „Corona hat seit dem letzten Jahr diese Grenzen noch mehr verschwimmen lassen“, bestätigt Roswitha Rubel, eine Studentin der FH Wiener Neustadt, die aktiv an der Entwicklung der App beteiligt ist.  

Nutzer*innen der neu entwickelten App haben die Möglichkeit, die Arbeits- und Freizeit, sowie Urlaubstage in einen Kalender einzutragen. Zusätzlich erstellt die App wöchentliche und monatliche Übersichten, die das Verhältnis von Arbeitszeit zur Freizeit zeigen. „Arbeitet man zum Beispiel zusätzlich zur Planarbeitszeit noch einmal kurz in seiner Freizeit, so macht dies die App den Nutzer*innen bewusst“, erklärt Roswitha. Des Weiteren wird es noch self-care Features, die Tipps für Verbesserungen vorschlagen, sowie Entspannungsübungen und Prioritätenlisten geben.  

Vorrangig wurde die App für Arbeitnehmer*innen ab 20 Wochenarbeitsstunden entwickelt und eignet sich am besten für Berufe, die im Homeoffice ausgeübt werden können.  

Gut Ding braucht Weile 

Eine App entwickelt sich aber nicht von heute auf morgen und schon gar nicht von selbst. Bei der App NERD sind seit dem Startschuss circa 1,5 Jahre vergangen. Die Arbeiterkammer Niederösterreich initiierte einen Projektcall unter dem Namen „Arbeit 4.0“. Das Forschungsteam reichte ein Konzept ein und schlussendlich wurde die FH Wiener Neustadt ausgewählt. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit mit dem FH-eigenen Forschungsunternehmen FOTEC (Forschungs- und Technologietransfer GmbH), das Programmierer*innen zur Verfügung stellt.  

Roswitha Rubels Hauptaufgaben liegen im organisatorischen Bereich. Bevor eine App nämlich programmiert werden kann, müssen einige Vorbereitungen getroffen werden. Schritt eins: Literaturrecherche, um sich über die Auswirkungen ständiger Erreichbarkeit durch Arbeitgeber*innen zu informieren. Schritt zwei: Durchführen einer qualitativen und einer quantitativen Umfrage. Die qualitative Umfrage klärte, ob überhaupt Interesse von Arbeitnehmer*innen besteht und welche Funktionen sie sich bei einer App wünschen würden. Die anschließende quantitative Umfrage erhob, wie viele Befragte die App tatsächlich nutzen würden. Da diese Umfragen deutlich zeigten, dass die App Potenzial hat, verfasste Roswitha Rubel ein Lastenheft, das die Anforderungen an die App beinhaltet. Die FOTEC verfasste daraufhin das Pflichtenheft, also den Plan für die Umsetzung des Projekts. Danach wurden schon die ersten Designentwürfe vom NERD Team ausgearbeitet, welche die Programmierer*innen von FOTEC umsetzen.  

Zu Roswithas Aufgaben zählen nicht nur die Auswertung der Umfragen zu Beginn, sowie das Schreiben der Berichte für die Arbeiterkammer am Ende jedes Arbeitspaketes. Sie bereitet auch Workshops für potenzielle Nutzer*innen vor, in denen die App auf ihre Benutzerfreundlichkeit getestet wird. Auch die Vermarktung von NERD gehört zu Roswithas Aufgabenbereich. 

Auf Fehlersuche 

Mitte April dieses Jahres erschien dann die erste BETA-Version, welche in mehrmaliger Überarbeitung auch vom Team getestet wurde. Roswitha nutzt NERD schon vor dem Release in ihrem Alltag. Wenn ihr Bugs auffielen, oder sie Verbesserungsvorschläge punkto Design, Farben und Schriftarten hatte, dann meldete sie das dem Entwickler*innenteam, damit diese Änderungen noch vor dem Release vornehmen konnte.  

So reibungslos eine App-Entwicklung von außen auch aussehen mag, treten doch immer wieder unerwartete Schwierigkeiten auf. Auch bei der Entwicklung von NERD gab es Hindernisse. Angefangen von Problemen, um gewisse Rechte zu erhalten, damit alle Funktionen einwandfrei funktionieren bis hin zu den klassischen Bugs, wie das unerwartete Abstürzen der App. „Da sitzt man mit dem gesamten Forschungsteam vor dem Bildschirm und versucht herauszufinden, wann die App genau abstürzt“, erzählt  
Roswitha. 

Auf der Zielgeraden 

Die Veröffentlichung im Playstore sowie im App Store sind laut Roswitha Rubel gar nicht so einfach, da es hier bestimmte Anforderungen zu erfüllen gilt. „iOs erlaubt zum Beispiel den Zugriff auf einige Dienste nicht, wenn die App im App Store veröffentlicht werden soll“ erklärt Roswitha. Auch hier gilt es also, alle Rechte zu regeln.  

„Auch wenn es ein paar Hürden zu meistern galt, ist es super spannend, bei so einem Projekt mitzuwirken. Am Anfang hat man nur das Pflichtenheft in den Händen und jetzt ist die App fertig“, beschreibt Roswitha ihre Erfahrung im Forschungsteam. Ob die App wirklich Nerd-Potenzial hat, wird sich zeigen. Sie ist seit dem 1. Juni 2021 für alle Nutzer*innen kostenlos erhältlich.

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