Musikalischer Nachwuchs//Kein Mensch, kein Applaus

Von Talent-Shows, dem Theaterspielen und einer Flucht vor der Realität 

Neustädter Nachwuchs | Schon ihr ganzes Leben lang singt die junge Musikerin Elisa Ferstl aus Wiener Neustadt. Damals sang sie Kiddy Contest Songs auf Kinderfaschingsfeiern, heute tritt die 18-jährige Absolventin des BG Babenbergerrings mit ihrer Band elisa and friends auf diversen Bühnen in Wiener Neustadt auf. 

Elisa drückt sich schon seit Kindheitstagen künstlerisch aus. Vor 15 Jahren begann sie mit Ballett und Jazzdance. „Irish Step Dance habe ich auch mal gemacht. Aber mein Herz ist vor allem bei Contemporary und Musical Dance“, erklärt das junge Talent. Aber auch das Singen war schon immer ein Bestandteil ihres Lebens. „Meine Mama trällert gerne vor sich hin, aber eigentlich bin ich die Einzige aus der Familie, die etwas mit Musik macht. Meine Eltern haben mich aber immer extrem unterstützt und ließen mich vieles ausprobieren“, erzählt sie stolz. Mit 14 Jahren nahm sie dann zum ersten Mal Gesangsunterricht und hat da auch mit dem Songwriting begonnen. „Mein Gesangslehrer war da sehr supportive, wir haben Demos aufgenommen und auf YouTube gestellt“, blickt Elisa auf ihre Anfangszeit zurück. 2018 nahm sie an der Castingshow „NÖN sucht das größte Talent“ teil und kam bis ins Finale. Dort sammelte sie ihre ersten Erfahrungen auf einer richtigen Bühne. 2019 folgte für die Künstlerin die Castingshow „The Voice“ im Fischapark, wo sie sich bis zur ersten Show qualifizierte. 

Aber auch die Schauspielerei ist eine große Leidenschaft der jungen Musikerin. Sie nimmt Schauspielunterricht, ist Teil des Theaters „Theater im Neukloster“ in Wiener Neustadt und stand dort zuletzt im Dezember 2019 als Prinzessin in „Des Kaisers neue Kleider“ auf der Bühne. Parallel dazu spielte sie auch noch im Stück „Letzte Tage. Der König der Narr und die Statue“ von Nico Dorigatti mit. 

Vom Keller auf die Bühne 

Der Grundstein für ihre jetzige Band „elisa and friends“ wurde gelegt, als Elisa mit zwei weiteren Freundinnen spaßeshalber zu musizieren begann. Anfangs machten sie nur für sich selbst Musik, doch nach einem Jahr beschlossen sie, sich auf die Bühne zu trauen. 2019 gründete sie ihre Band elisa and friends, welche mit Nico Dorigatti (Klavier), Tim Proy (Schlagzeug), Mustafa Sahin (Gitarre) und natürlich Elisa als Leadsängerin auftritt. Die Band spielt hauptsächlich Elisas Eigenkompositionen, die sie als Deutsch Poesie-Pop beschreiben würde. Aber auch einige Klassiker, wie zum Beispiel „Valerie“ von Amy Winehouse oder „Keine Maschine“ von Tim Bendzko dürfen bei Auftritten nicht fehlen. Geprobt wird in ihrem Zimmer oder auch im Keller, der zum Probenraum umfunktioniert wurde. „Vier Leute gehen sich da aus, dann wird es aber schon knapp!“, so Elisa. 

Mit ihrer jetzigen Bandbesetzung ist Elisa schon sehr gut eingespielt und routiniert „Vor einem Auftritt bin ich aber trotzdem immer sehr nervös und gleiche einem nervlichen Wrack. Eigene Lieder zu singen ist noch mal viel persönlicher und intimer. Ich setze mich vor Auftritten dann oft auf den Boden und mache irgendwelche Dehnübungen, keine Ahnung warum, aber das beruhigt mich irgendwie“, meint sie. 

Für ihre berufliche Zukunft hat die Musikerin aber erst einmal andere Pläne, denn sie möchte Tanzpädagogik, Schauspiel oder Latein und Musikerziehung auf Lehramt studieren. „Die Musik möchte ich aber auf jeden Fall weiter machen, das stellt für mich keine Frage dar. Ein großer Traum war es aber schon immer, einmal in die Musikbranche einzusteigen. Mir ist aber wichtig, dass ich bei mir selbst bleibe und die Musik immer mache, weil sie mir Spaß macht“, betont sie. 

Vom Gefühl zum fertigen Song 

Elisa hört grundsätzlich Musik quer durch die Bank. Die Musikerin Revelle und die Band AnnenMayKantereit zählen aber zu ihren Hauptinspirationsquellen. Trotzdem spielen ihre Gefühle die größte Rolle beim Songwriting: „Ich schreibe Songs immer nur aus Gefühlen heraus. Auf Knopfdruck einen Song schreiben funktioniert bei mir nicht. Meistens kommt mir irgendeine Idee, sei es Melodie oder ein Text. Ich setze mich dann ans Klavier oder schnappe mir meine Gitarre oder Ukulele und probiere mit Akkorden herum. Irgendwie ergibt sich dann immer etwas von selbst. Wenn mich etwas aufregt, dann setze ich mich einfach an ein Instrument und schwafle vor mich hin. Da kommen oft auch coole Dinge raus. Die besten Ideen habe ich oft, wenn mein Tag furchtbar stressig ist, oder aber auch im Urlaub, weil ich da ganz viel die Menschen und die Natur um mich herum beobachte und mir dazu Geschichten überlege. Meine Ideen kritzle ich dann meistens auf irgendein Stück Papier oder eine Serviette und dabei bleibt es dann auch, bis ich den Song für die Band schön niederschreiben muss.“, erklärt Elisa den Songwriting-Prozess.  

„Keine Menschen, kein Applaus“ 

Aber auch Elisa bekommt die Pandemie deutlich zu spüren. „Ich kann mittlerweile schon gar nicht mehr sagen, was ich vermisse, weil es schon so lange her ist. Im ersten Lockdown hatte ich einen richtig kreativen Schub. Ich habe viel herumexperimentiert, neue Instrumente ausprobiert und Aufnahmen gemacht. Ab dem dritten Lockdown ging dann aber gar nichts mehr, weil ich einfach keine neuen Eindrücke aufnehmen konnte. Ich wollte Corona eigentlich gar nicht so sehr in mein Leben lassen, aber ich musste dann trotzdem einen Song darüber schreiben. Der Song heißt „von 100 auf 0“. Anfang 2020 hatte ich nämlich immer einen vollen Terminkalender und jeden Tag irgendein Projekt. Plötzlich stand alles still und seit über einem Jahr hatte ich keinen Auftritt mehr. Keine Menschen, kein Applaus, für einen Künstler*in ist das sehr schwierig“, blickt die junge Musikerin auf eine Zeit zurück, die gefühlt in einem anderen Leben stattgefunden hätte. 

Der Anker in der Musik 

Wie auch bei vielen anderen Künstler*innen möchte Elisa mit ihrer Musik andere Menschen erreichen. „Mir bietet die Musik einen Ausgleich und ermöglicht mir die Flucht vor der Realität, wenn es mir nicht so gut geht oder ich etwas vergessen möchte. Wenn mich etwas bedrückt, dann muss ich diese Gefühle loswerden und sie in einen Song verpacken. Ich finde es sehr schön, wenn Freunde und Fremde sagen, dass sie meine Musik fühlen können und sich verstanden fühlen. Menschen sollen in meiner Musik einen Anker finden und sich hineinfühlen können. Ich schreibe teilweise sehr tiefgründige Texte und für mich ist das eine Art Therapie und ich hoffe, dass das für andere Menschen auch so ist und sie dann über Dinge hinwegkommen können“, so Elisa. # 

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