Portrait//„Wenn du zu dem Preis nicht spielst, stehen drei Bands hinter dir, die es tun

Richard Maier aka Dead Richy Gein ist der Sänger der Psychobilly-Band „Bloodsucking Zombies“ 

Porträt | Mit dreizehn Jahren begann Richy in verschiedenen Bands zu spielen. Die anderen Mitglieder waren meist schon um die zwanzig, doch das hat ihn damals nicht gestört. In der Schule hatte er kaum Freund*innen, doch durch die Musik haben sich für ihn vollkommen neue Türen geöffnet. Heute blickt der Allround-Musiker auf unzählige Auftritte mit den verschiedensten Bands zurück. Die meisten davon hat er als Sänger und Mastermind der Bloodsucking Zombies from Outer Space (Kurz: BZfOS) erlebt. 

Von Lara Karner

Begonnen hat sein Erfolg bereits vor seiner Geburt. Der Vater des Frontsängers der BZfOS spielte damals schon als Gitarrist in einer Rockband, somit wuchs er schon in einem musikalischen Haushalt auf. Mit sieben Jahren wollte er dann unbedingt Schlagzeug spielen und probte zu Hause mit seinem Vater und seinem Bruder, der damals Gitarre spielte und heute Gitarrist der Band ist. 

Mit 16 traf er im BORG Wiener Neustadt auf einen Mitschüler mit dem er begann sich über Musik zu unterhalten. „Zu dem Zeitpunkt war der Punk in Neustadt eigentlich tot“, sagt Richy im Klette-Interview. Die beiden freundeten sich an, gründeten bald mit einigen anderen die Band „Radio Wahnsinn“ und traten im Februar 1997 zum ersten Mal im Triebwerk auf. Zu dieser Zeit überspielte Richy Platten mit Musik, die ihm gefiel und teilte diese an alle Leute aus, die er kennenlernte. „Ich hab‘ Leute kennengelernt und so infiziert“, meinte er. 

1998 wurde Richy Teil einer neuen Band: „My Moral Majority“, die 2001 das Album „Ein Gruppenabenteuer Für 3 Bis 5 Helden“ unter dem Label von Wolverine Records veröffentlichte. Das Rock/Punk Album umfasste zwölf Tracks, die dem Punkrock zugeordnet werden können und teilweise stark politisch waren. Bis heute gibt es wohl noch den ein oder anderen Fan aus der Zeit, doch Richy versteht das nicht ganz „Das ist wohl mehr Nostalgie“.  Einige der Songs sind heute auf YouTube zu finden. 

„Es war Zeit für was Neues“ 

Im Folgenden erzählt Richy, dass die vorherigen Bands meist aus einem bestimmten Grund gescheitert waren. Er wollte Musik immer professionell machen und nicht nur als Hobby, doch für die anderen Mitglieder der Bands galt das oft nicht. Zusätzlich kam der Punk zu dieser Zeit wieder in Mode, doch er war anders als zuvor, Richy beschreibt ihn als förmlicher, die Musiker*innen fühlten sich oft als Prediger*innen und sprachen bei Konzerten auch darüber, was man jetzt essen darf oder soll und was nicht. 2002 gründet er also die „Bloodsucking Zombies from Outer Space“ und setzt damit einen großen Schritt in diese Richtung. „Ich habe mir mein eigenes Supperl gemacht“. Die Zeit der politischen Punk-Rock-Songs war vorbei. Mit den Zombies ging es nun weiter mit der Stilrichtung „Psychobilly“ beziehungsweise „Horrorbilly“. 

Psychobilly

„Psychobilly“ wird als sein Subgenre der Rockmusik gesehen, bei dem Rockabilly und  Punkrock miteinander vermischt werden. Die Bands bestehen meist aus einer einfachen Zusammenstellung von Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang. Viele der Bands bestehen aber aus nur drei Mitgliedern, wobei einer neben dem Spielen seines Instruments auch singt. In den Songs lassen sich häufig Anspielungen auf Science-Fiction oder Horrorfilme finden. 

In zwanzig Jahren Bandgeschichte haben die Bloodsucking Zombies from Outer Space 10 Alben und zahlreiche Singles und EPs veröffentlicht. 2015 haben sie den Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie „Hard & Heavy“ gewonnen. Doch Anfang 2020 kam es dann zum Stillstand. Aufgrund der Covid-19-Pandemie mussten auch die Zombies ihre Tour verschieben und planen diese im Dezember nachzuholen. Ein Aufnahmetermin für eine neue Single war allerdings bereits gebucht und nachdem Richy einige Ideen für neue Songs hatte, wollten sie statt einer Single gleich ein ganzes Album veröffentlichen. Doch bald wurde das Geld knapp – keine Konzerte bedeuten auch keine Einnahmen – doch die laufenden Kosten der Band für Proberaum und Co bleiben. Da wurde folgende Idee geboren: Die Band verkaufte eine sogenannte „Supporter Box“ bei der man wie bei einem Sammelalbum eine Single nach der anderen bekommt. Nach einem Jahr hat man per Post dann insgesamt sechs 7-Inches mit je zwei neuen Songs. Zusätzlich auch einen Onlinezugang zu exklusiven Bonusmaterial. Die Box war auf 222 Stück limitiert und schon am ersten Tag vollständig ausverkauft. Mit den Einnahmen kann die Band das Album jetzt auch finanzieren.  

„Das Jahr war nicht angenehm“ 

Die Pandemie und die für ihn darauffolgende Kurzarbeit, nutzte Richy, um sich intensiver mit den Zombies zu beschäftigen, als je zuvor. So war auch genügend Zeit und Energie da, um die „Supporter Box“ zu erstellen, für die er auch eine Mini-Doku gedreht hat. Auch wenn die Zeit von Sorge geplagt war, konnte er sich so mehr Zeit für die Band nehmen und genoss es auch, mal weniger zu arbeiten. Doch jetzt kann auch er es kaum erwarten, endlich wieder Konzerte zu spielen. „Es wird zu einer Übersättigung kommen“, prophezeit er. Der Frontman beschreibt, dass jetzt alle Bands ihre Touren nachholen, ihre neue Musik präsentieren und einfach endlich wieder auf der Bühne stehen wollen. Ebenso sieht er die Gagen der Künstler*innen sinken, denn alle wollen spielen und die Clubs haben aufgrund der notgedrungenen Schließung nicht genug Geld, um die alten Gagen zu zahlen „Und wenn du zu dem Preis nicht spielst, stehen drei Bands hinter dir, die es tun würden“, sagt der erfahrene Musiker. 

„Einer könnte von der Musik leben“ 

Die Proben der Bloodsucking Zombies from Outer Space finden immer samstags im Bandhouse in Wiener Neustadt statt. Die Zombies bestehen aus fünf Mitgliedern und obwohl sie die ganze Welt bereisen, um ihre Musik zu den Leuten zu bringen, könnte unter normalen Bedingungen nur einer von den Einnahmen der Band leben. Daher haben alle Bandmembers einen Job, den sie neben ihrer Leidenschaft ausüben.# 

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