HVOB – Ein Welterfolg mit Neustädter Wurzeln//„Alles hat einen Soundtrack“

Porträt | Anna Müller und Paul Wallner sind seit 2012 als HVOB unterwegs und haben in kurzer Zeit viel erreicht. Doch bis HVOB entstehen konnte, sind zehn Jahre vergangen. Die Künstlerin Anna Müller über ihren Werdegang und ihre Abneigung gegen die Wettbewerbskultur der Musikbranche. 

Von Iris Strasser

Top 15 in den US-Billboard-Charts “Next Big Sound”, Nomination für „Beste Musik“ beim Österreichischen Filmpreis 2015 für die Filmmusik der Kinodokumentation „Attention – A Life in Extremes“, Platz 2 im DeBug-Leserpoll für „Top-Liveacts des Jahres“ und aktuell eine der bekanntesten Electronic/Techno Bands. Erfolge, die HVOB gleich in den ersten Jahren verschreiben konnte. Von außen sehe das gerne so aus, als würde alles von heute auf morgen passieren, beschreibt Anna, doch dass es gar nicht so schnell gegangen ist und woher Paul und sie kommen, würden vor allem die Wiener Neustädter und ihre Musik- Szene wissen. Anna ist in Wiener Neustadt aufgewachsen und hat auch hier ihre ersten musikalischen Schritte gemacht. „Der Weg hin zu HVOB hat über 10 Jahre gedauert, in dieser Zeit bin ich unzählige Male hingefallen, hab‘ aber so viel gelernt dabei.“ Ohne diese Lehrjahre würde es HVOB nicht geben, meint sie. Das Triebwerk habe großen Wert in ihrem musikalischen Werden, sagt die Künstlerin: „Es ist was sehr Besonderes, wenn dir ein Ort eine Chance gibt, sich auszuprobieren. Dafür bin ich dem Triebwerk sehr dankbar“. Außerdem ist sie dankbar für die durchwachsene Anfangszeit und die Menschen, die diesen Weg mit ihr gegangen sind. Anna erzählt, sie hätte immer schon gewusst, dass Musik genau das ist, was sie machen will. 

Der Wettbewerb in der Musikbranche 

HVOB wurde 2014 für den Amadeus Austrian Music Award „Electronic/Dance by KRONEHIT“ nominiert und hat die Nominierung mit einer Kritik am Radiosender „Kronehit“ und dessen „plumpsten Marketingbedürfnisse“ abgelehnt. Kronehit spiele kaum österreichische Musik, habe aber im Rahmen der Verleihung angefangen die Combo als „ihre“ Künstler*innen zu vermarkten. Um in dieser Kategorie abstimmen zu können musste man sich für den Kronehit-Newsletter anmelden, das fand das Duo im Hinblick auf ihre Fans nicht vertretbar. Den Amadeus an sich lehnen sie nicht ab, lediglich den Wettbewerbsgedanken und die Wahl der Medienpartner und deren Vermarktung. „Es ist schön, dass es den Amadeus gibt, aber er ist uns nicht wichtig“. In der Musik dürfe es nie um den Wettbewerb gehen, erklärt Anna, deshalb habe sie auch noch nie bei einem Bandcontest teilgenommen.  

„Alles hat einen Soundtrack“ 

„Alles durch, das ich gegangen bin, hat einen Soundtrack“, sagt Anna im Kurzdokumentarfilm „Let’skeep this quiet“ von Nicola von Leffern. Das neue HVOB Album bezeichnet sie als „Heilungsprozess“. Die letzte Tour „Rocco“, zu der das Livealbum „Live in London“ (2021) aufgenommen wurde, sei keine einfache für Anna gewesen. „Ich ging durch Dinge, die ich anscheinend lernen musste, und oft wusste ich gar nicht, ob ich das alles überhaupt schaffe“. Schon oft hätte sie sich gedacht, die Energie nicht zu haben, an einem Konzertabend rauszugehen und für die Leute da zu sein. In energielosen Momenten gebe Anna einzig und allein das Publikum die Kraft 100% geben zu können. Als hätten sie gewusst, dass Anna Energie braucht, schwärmt sie, „Das war extrem schön und das kann Musik. Man nimmt sich raus, was man braucht, und gibt zurück was man fühlt“.  

Müller & Wallner 

Seit 15 Jahren machen Anna Müller und Paul Wallner in den verschiedensten Konstellationen gemeinsam Musik. Dass ein kreativer Austausch leidenschaftlich ist, muss so sein, sagt Anna, sonst wäre es langweilig, doch daran, dass es jemals ernsthafte Konflikte gegeben hätte, kann sich Anna gar nicht erinnern. „Der Paul und ich haben früh erkannt, dass wir wie zwei Puzzleteile sind, die zusammengehören. Wir ergänzen uns und jeder kann Dinge gut, die der andere weniger gut kann“. Sie können einander eingestehen, wenn der andere die bessere Idee hat, da sei HVOB sehr uneitel. „Große Egos sind in einem Team nie gut, und ich denke deshalb funktionieren wir beide auch“, erklärt Anna. Sie würden sich beide nicht so wichtig nehmen, denn es geht um die Musik, nicht um sie, sagt die Künstlerin. 

Studioalbum im Frühjahr 2022 

Zum neuen Studioalbum, das im Frühjahr 2022 kommen soll, kann Anna noch nicht viel sagen, außer dass sie sich von Herzen wünschen würde, wieder touren zu können. Niemand weiß, wie es mit Corona und seinen Mutationen weiterginge, bedauert Anna. Die Ungewissheit sei keine schöne Erfahrung, vor allem nicht für die Musik-Branche. „Wir machen einfach weiter und geben nicht auf“.# 

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