Das Ende einer Ära – 20 Jahre ASTPAI

„Und dann wurde die Show von der New York Police gestürmt“

Musiker Porträt | Wer öfter im Triebwerk abhängt, oder sogar arbeitet, hört einen Band-Namen oft – Astpai. Die Neustädter-Rock Band ist ein Triebwerk-Urgestein. Jede*r Mitarbeiter*in der Musik-Location kennt Manfred Herzog, kurz Zock (34), Band-Leader von Astpai. Und das zu Recht – sechs Alben und zehn USA Touren hat die Musikgruppe schon gemacht. Nun haben sie entschieden, sich musikalisch zu trennen. Den Grund dafür und einige Kult-Geschichten hat Zock Klette-Redakteurin Marie erzählt. 

Von Marie Hanakamp

Dass das Interview mit der Klette im Triebwerk-Garten stattfindet, ist im Falle von Zock fast eine Ausnahme: „Ich versuche so wenig wie möglich rauszugehen. Auch wenn draußen was schön ist, dann schaue ich mir das Schöne am liebsten von drinnen an“, erzählt der Band-Leader von Astpai. Denn er verbringt seine Freizeit am liebsten „indoors“ natürlich beim Musik machen.  

Musikalische Anfänge 

Kaum zu glauben, aber Zock war als Kind Volksmusik-Fan. Da wundert es nicht, dass er als erstes Instrument die Ziehharmonika lernte. „Meine Familie war immer schon volksmusikbegeistert. Da sind auch alle über drei Ecken mit Volksmusik-Kombos verwandt“, so der Astpai-Leader. „Irgendwann hab‘ ich meine Eltern überredet mir eine Gitarre zu kaufen und dann hab‘ ich mir halt die Basics selbst beigebracht.“ 1998 folgte die erste Band – der Vorgänger von Astpai. „Ein Schulfreund und ich haben uns einfach mal zum Lärm machen getroffen, weil Musik war’s noch nicht zu dem Zeitpunkt.“ 2001 dann das erste Konzert zu zweit unter dem Namen Astpai, das nicht in einer Location, sondern bei einer Privatparty stattfand. „Die erste Location, in der wir je gespielt haben, war das „Tratra“ in der Hagenmüllergasse. Und den ersten Auftritt im Triebwerk hatten wir 2003“, erinnert sich Zock. 

Wiener Neustadt als Homebase 

Zock wurde in Wiener Neustadt geboren und ist hier aufgewachsen. „Ich werd‘ Neustadt nie wirklich los, ich will‘s aber eh nicht loswerden“, meint der 34-Jährige Band-Leader, der mittlerweile in Wien wohnt und nur noch in Wiener Neustadt mit seiner Band probt. „Wie wahrscheinlich jeder andere Jugendliche, bin ich auch viel fortgegangen. Hauptsächlich natürlich in der Herrengasse. Beliebt war auch das „Papst“ (Wienerstraße) oder das „Father‘s House“ am Domplatz“, erzählt er.  

Gibt es genug Band-Locations in Neustadt? 

„Ich kann da glaub‘ ich nicht drüber urteilen, weil ich heute nicht mehr so involviert bin. Aber früher gab es, denke ich, auch nicht mehr Locations als heute. Private Locations, wie das „Entrop´s“, das „Bandhouse“ oder auch Privatpartys in Häusern, WG‘s, die Events veranstaltet haben, waren auch vor 15 Jahren Gang und Gebe“, so Zock. Auf die Frage hin, wie es mit Unterstützung seitens der Stadt aussah, meint er: „Grundsätzlich finde ich bis heute, dass die Stadt den ganzen Kulturbereich immer schon ein bisschen hängen gelassen hat. Man war als Musiker oder Band sehr auf sich allein gestellt. Bei Konzerten, Events und Co. konnte man keine Hilfe erwarten und musste alles selbst auf die Beine stellen. Was öffentlichen Raum angeht, also Orte wo man sich als Künstler kreativ austoben konnte, war das Triebwerk die einzige Anlaufstelle. Alles hat letzten Endes immer zum Triebwerk geführt.“ Dort könne man, laut Zock, ohne irgendwelche Erwartungen oder finanzielles Risiko Konzerte veranstalten, ob als Licht-, Tontechniker*in oder als Musiker*in. „Trotzdem muss man sagen, dass das Triebwerk immer schon ein wenig elitär war. Das gesamte Team dort ist sehr eingeschworen, fast wie eine Familie und als Außenstehender kann das auf den ersten Blick schon abschreckend wirken“, erzählt Zock.  

Wer oder was ist ein Astpai? 

Das Wort bedeutet tatsächlich nichts. „Unser erster Schlagzeuger und ich haben Band-Namen gesucht, aber alle, die wir vorgeschlagen haben, klangen wie ein billiger Abklatsch von „Blink 182“. Ich erinnere mich da zum Beispiel an „Twinkle 3.1““, so Zock. Daraufhin hat ein Klassenkollege das „Eastpak“-Logo übermalt und den ersten sowie die beiden letzten Buchstaben mit anderen Lettern ersetzt. „Ich hab‘ mich mittlerweile mit der Geschichte unseres Namens abgefunden. Sie ist nicht cool, aber irgendwie doch.“ 

Touren durch die USA, aber wie? 

Wenn man einen Fakt über Astpai kennt, dann den, dass die USA-Tour bei der Rock-Band für gewöhnlich einmal im Jahr im Kalender stand. „2008 waren wir das erste Mal auf Tour in den USA. Seitdem war das fast jedes Jahr ein fixer Programmpunkt“, so der Astpai-Frontmann. Das letzte Mal ging es für die 4-köpfige Band 2019 in die Vereinigten Staaten. Junge, aufstrebende Bands stellen sich das wahrscheinlich aufregender vor, als es tatsächlich ist, denn: „Mandarf das nicht romantisieren. In Mitteleuropa haben wir einfach den Luxus, dass Konzerte von Privatpersonen, Kollektiven oder autonomen Zentren organisiert werden. Man muss dafür normalerweise nicht viel Kohle in die Hand nehmen. In den USA ist das nicht so“, erklärt Zock. Ironischerweise sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geheime beziehungsweise illegale Partys der Standard. „In 30 % der Fälle kommt die Polizei und bricht die Show ab. Ich hab‘ das selbst mal miterlebt, als wir in unserer liebsten Venue in New York gespielt haben. Mitten in einer riesigen Keller-WG stürmte plötzlich das NYPD herein. Offensichtlich wurde dieser Club schon monatelang undercoverinvestigiert. Da die Polizei wahrscheinlich nicht gut auf eine österreichische Band zu sprechen gewesen wäre, haben wir uns ohne viel Aufsehen rausgeschlichen, während nacheinander Menschen in Handschellen abgeführt wurden.“  

Eine Band ist nicht genug 

Eine Band reicht Zock selten. Immer wieder ergeben sich weitere musikalische Projekte, wie zumBeispiel „Petrol Girls“. „2004 habe ich zum Beispiel „the tiger mess“ mitgegründet, diesmal war ich aber am Schlagzeug“, erinnert sich der Astpai-Leader. Recht bekannt in der Triebwerk-Szene war auch „Conny Chaos und die Retortenkinder“ rund um den heutigen Triebwerk-Chef Conrad Heßler. „Es sind immer wieder Bands weggefallen und neue dazu gekommen. Ich spiele selten nur in einer Band“, so Zock. Zurzeit bereitet er sich mit der Musikgruppe „Dirty Talons“ für die Triebwerk-Show am 30. Juli gemeinsam mit „The Deadnotes“ vor.  

Aber bedeutet eine neue Band auch eine neue Musikrichtung? „Nicht zwangsläufig. Auch bei „Astpai“ hat sich das Genre von Album zu Album weiterentwickelt. Der Überbegriff blieb aber gleich: wir waren immer eine Gitarren-Rock-Band. Es hat sich nur von schnellen, harten und komplizierten Sachen zu interessanteren, poppigeren Song-Strukturen, mit dem Fokus „catchy“ zu klingen, weiterentwickelt“, erklärt er. 

Warum ist jetzt Schluss mit Astpai? 

 „Weil‘s irgendwann auch reicht. 19 Jahre ist eine gute Zahl, jetzt sind es eh 20 nach dem Corona Jahr. Wir hatten unseren „peak“ und wir haben es sehr genossen. Aber wir glauben einfach, dass wir erreicht haben, was man in unserer Position erreichen kann. Es gibt aber natürlich Bands, die es 50 Jahre oder länger gibt und die immer wieder Höhepunkte haben. Und es gibt Gruppen, die sich nie auflösen werden, keine peaks haben und die damit happy sind, einmal im Jahr ein Konzert zu spielen. Das ist auch ok“, erzählt Zock. Um den Abschied von den Fans noch einmal so richtig zu feiern, spielt Astpai übrigens als Haupt-Act am diesjährigen „Schlachthof Open-Air“ (4. September 2021), welches vom Triebwerk veranstaltet wird. „Wir wollen bei dieser Show eine gute Balance aus den Songs spielen, die die Leute erwarten und denen, die wir als Musikgruppe noch ein letztes Mal zusammen spielen wollen.“ # 

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