Wie baut man einen Flügel?//„Wir haben einen Flügel für den Rapper ‚Drake‘ gebaut“

Alina ist nach Wiener Neustadt gezogen, um eine Lehre als Instrumentenbauerin bei Bösendorfer zu machen.

Musik als Beruf  |  Wie wird man eigentlich Klavierbauer*in und wie lange dauert es, ein Klavier zu bauen? Das und einiges mehr über ihre Lehre bei der Firma „Bösendorfer“ in Wiener Neustadt hat uns Alina Bauer (21), ein Mitglied der Klette-Redaktion, verraten. 

Wie lange dauert die Anfertigung eines Flügels? 

Alina: Es gibt sehr viele Schritte bis zum fertigen Klavier und die meisten muss man auch ein paar Mal wiederholen. Zum Beispiel muss man den Flügel immer wieder nachstimmen, damit er am Ende auf der gewünschten Tonhöhe bleibt und richtig klingt. Sowas ist Präzisionsarbeit, weil schon ein halber Millimeter eine große Auswirkung auf den Klang hat. Da ist es gut, wenn man bei jedem abgeschlossenen Arbeitsschritt nachkontrolliert. Dadurch fallen die Fehler schon früh genug auf und häufen sich später nicht derart an, dass der Stress diese auszubessern enorm wird. Aber alles in allem dauert ein Klavierbau schon so circa ein Jahr. 

Wie bist du zur Firma „Bösendorfer“ gekommen? 

Ich war damals in der Schule bei ein paar Unternehmen schnuppern, unter anderem auch beim „Klavierhaus Weinberger“ in Enns und bei „Lieb Klavier“, allerdings baten diese nur Services rund ums Klavier an, wie das Stimmen oder die Reparatur, aber nie den Bau per se. Letzteres hat mir dann aber die Firma „Bösendorfer“ in Wiener Neustadt empfohlen, die auch die einzige Klaviermanufaktur in ganz Österreich ist. Und mit dem Wissen bin ich auch nach der Schule von meiner Heimat Aschbach im Bezirk Amstetten nach Wiener Neustadt gezogen und arbeite nun seit September 2019 als Klavierbauerin in Ausbildung dort. 

Was gefällt dir an der Lehre am besten? 

Die Abwechslung und die Kombination aus Musik und Handwerk. Ich liebe die Musik und mag es einfach Dinge zusammenzubauen und der Beruf kombiniert einfach beides. Am meisten gefallen mir die Reparaturen sehr gut, weil ich da mehr herumtüfteln kann und auch sehr kreativ bei der Problemlösung sein muss. Es ist nur sehr schade, dass wir in Wiener Neustadt eher selten Reparaturen durchführen, das macht hauptsächlich das Servicecenter in Wien. Ansonsten ist jeder Tag abwechslungsreich und man muss sehr viele verschiedene Arbeitsschritte machen, wie zum Beispiel 88 Hammerköpfe einzeln von Hand leimen. Am Ende kann man dann auf das fertige Klavier blicken und echt stolz auf seine Arbeit sein. Da lohnt sich der Aufwand richtig! 

Üben sehr viele Lehrlinge diesen Beruf aus? 

Es gibt schon ein paar, ja, aber auch nicht sehr viele. Die Firma „Bösendorfer“ nimmt normalerweise zwei Lehrlinge einmal pro Jahr auf, als ich im September 2019 angefangen habe, bin ich quasi als dritte dazugestoßen. Die normale Lehrzeit dauert 3,5 Jahre, da ich aber aufgrund meiner fertigen Schulausbildung nur eine verkürzte Lehrzeit von 2,5 Jahren habe, bin ich gleichzeitig mit den beiden anderen fertig. Den Mangel an solchen Berufen habe ich auch bemerkt, als ich in die Berufsschule gekommen bin. Die „Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack“ ist im 15. Bezirk in Wien und da kommen ganz viele verschiedene Nischenberufe zusammen, von Bildhauern*innen, über verschiedene Instrumentenbauer*innen, bis hin zu Maler*innen und Tischler*innen. Also alles handwerkliche Berufe. 

Bei uns ist es so, dass es zum Beispiel keine drei oder vier erste Klassen im Jahr gibt, sondern nur eine. Also alle Lehrlinge aus dem Sektor des Instrumentenbauens aus ganz Österreich, die im gleichen Lehrjahr sind, werden in eine Klasse gesetzt. 

Gibt es gewisse Voraussetzungen, um eine Lehre als Klavierbauer*in beginnen zu können? 

Nicht wirklich. Man braucht nicht unbedingt musikalisches Talent oder gar ein absolutes Gehör. Die Firma „Bösendorfer“ bietet Unterricht an, der für alle Lehrlinge verpflichtend ist und auch zur Arbeitszeit gehört, aber viel wichtiger ist einfach, dass man eine Menge Geduld mitbringt und seine Arbeit gerne macht. Ein Klavier zu bauen braucht ganz viel Zeit und es wäre nur von Vorteil, wenn man einen Hang zum Perfektionismus hat. Bei vielen Schritten geht es tatsächlich um Millimeter, die einen riesigen Unterschied machen, deswegen ist es auch wichtig, dass man relativ feinfühlig mit manchen Bauteilen umgeht, zum Beispiel mit den Saiten beim Stimmen. Allgemein muss man einfach Interesse am Handwerk und ein gewisses Maß an Eigeninitiative mitbringen, aber das ist bei fast jedem Job so. 

Hattet ihr schon Spezialaufträge? 

Ja, die gab es auf jeden Fall! Wir haben einen Flügel für den Rapper „Drake“ gebaut. Es war eine Spezialanfertigung, bei der die schwarzen Tasten mit bunten ersetzt worden sind. Ich war zwar leider nicht am gesamten Prozess beteiligt, da ich erst später angefangen habe zu arbeiten, aber ich durfte das Ergebnis bestaunen. Das hat schon sehr cool ausgesehen! Außerdem gab es bei der „Airpower“ 2019 quasi ein Livekonzert, während der Show. 

Wie schaut deine eigene Musik Karriere so aus? 

Angefangen habe ich ganz klassisch mit der Blockflöte in der Volksschule. Ab der Mittelschule, oder damals noch Hauptschule, bis zur Matura hatte ich Klavierunterricht. Ich schätze es einfach enorm, Tipps von einem Profi zu bekommen, denn eine Art „externes paar Ohren“, die einem dann sagen, was man anders machen kann, schadet nicht. Meine Klavierlehrerin hat mir nie irgendwelche langweiligen Stücke aufgezwungen, ich konnte immer das üben, was ich auch wollte. Außerdem würde ich alleine immer nur dieselben Lieder spielen, die ich sowieso schon kann, anstatt neue zu lernen. Aber wenn jemand anderes da ist, dann besteht zumindest bei mir nicht die Gefahr, dass ich auf einem Level stehen bleibe. Glücklicherweise unterstützen mich meine Geschwister und Eltern dabei auch sehr. Es war von ihrer Seite auch nie wirklich Druck vorhanden und für diese Freiheit bin ich ihnen auch wirklich dankbar! Ich habe 2018 auch den „Spirit Award“ von der Joe Zawinul Foundation und einen Gutschein für das Musikgeschäft „Klangfarbe“ erhalten. Dann war ich noch bei ein- zwei anderen Talentshows dabei, sowohl alleine, also auch mit einer Freundin. 

Hast du musikalische Pläne für die Zukunft? 

Ja und nein. Ich habe mal überlegt, ob ich nicht ein Musikstudium beginne, aber dann habe ich mich doch dagegen entschieden, weil ich nicht wollte, dass Musik als mein Hobby verloren geht, wenn ich mich jeden Tag damit beschäftigen muss. Es soll ja schließlich eine Art Ausgleich bleiben und nicht ein Stressfaktor werden. 

Vor Kurzem habe ich dann auch mit dem Singen begonnen, weil es einfach angenehm ist, sich selbst mit dem Klavier begleiten zu können und es so leichter ist bei Taufen oder Familienfeiern aufzutreten. Ich habe zwar schon einmal versucht, Leute zu finden, mit denen ich zusammenarbeiten kann, aber es ist sehr schwer, dass die Musikrichtung, das Menschliche und auch die Entfernung zueinander passen. Dann habe ich tatsächlich mal einen Gitarristen gefunden, mit dem es auch gepasst hätte, nur hat sich das Ganze dann so entwickelt, dass besagter Gitarrist schlussendlich mein Freund geworden ist und wir, seitdem leider nicht mehr zum Proben gekommen sind. 

Ich muss auch echt sagen, dass mir das Singen sehr viel Spaß macht und ich mich mittlerweile traue, laut in der Wohnung zu singen, selbst wenn jemand anderer da ist. Es war am Anfang eine große Hürde einfach mal zu machen, aber wenn man diese mal überwunden hat, dann ist man auch viel entspannter! Inzwischen bin ich sogar mit Betty und Martin von „Mach Krach“ im Rahmen des Kultursommers in Wiener Neustadt aufgetreten. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht, auch wenn ich sehr nervös war. # 

Anm. der Redaktion: Alina hat Betty Hartmann bei ihrer Story für die KLETTE kennengelernt – die findet ihr auf Seite 46 

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