Musik als Beruf//„Die besten Produzent*innen haben keine Ausbildung“

In Neustadt gibt es ungezählte Tonstudios. Wir waren in jenem von BORG-Absolvent Gregor Huber  

Wie wird man eigentlich …Musikporudzent? | Er produziert für Musiker*innen aus ganz Österreich und tourt als Live-Musiker um die Welt. Gregor Huber (30) verdient sein Geld mit dem Arrangieren von Musik. Aber was bedeutet das eigentlich? Was macht ein*e Produzent*in so den ganzen Tag und wie geht’s wirklich im Musik-Business zu? Unsere Redakteurin Marie hat ihn genau das gefragt. 

Fun Fact zu Beginn – Gregor ist tatsächlich Musikschullehrer. „Ich habe Musikschullehramt an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien studiert. Es hat mich einfach interessiert, aber auch als Absicherung war es mir wichtig.“ Sein Leben lang Musikschullehrer zu sein, hatte der Wiener Neustädter allerdings nie vor. „Ich bin dem Unterrichten grundsätzlich nicht abgeneigt – unsere Musikschullehrer machen alle einen guten Job. Denn wie soll das Musik-Business funktionieren, wenn es diese Menschen nicht gäbe, die den Kindern zeigen, wie cool Musik ist?“ 

Wann wusstest du, dass du Produzent werden möchtest? 

„Im BORG wollte ich eigentlich immer Live-Keyboarder werden. Ich habe schon dort das komplette Musik-Programm durchgezogen, von Rock- über Big-Band bis hin zum Musical. Ich wollte alles mal durchprobieren.“ Erst in der Uni sei die Lust gekommen, eigene Ideen zu skizzieren und aufzunehmen. „Ich habe meinem Professor oft gesagt, dass ich nur Live-Pianist werden möchte. Seine Antwort darauf war: Wart’s mal ab“, erinnert sich Gregor. Mittlerweile verbindet er das Beste aus beiden Welten und tourt einerseits als Live-Musiker mit Bands, produziert andererseits deren Live-Sets. 

Wie sieht der Produktionsprozess eines Songs aus? 

„Das Ganze beginnt mal mit einer Idee, das heißt der Künstler oder die Künstlerin kommt meistens mit einer Handy-Aufnahme zu mir und dann beginne ich mir Gedanken zu machen, wie ich das arrangieren könnte. Ein Produzent ist ja im Grunde nichts anderes als ein Arrangeur“, erklärt Gregor. Daraufhin wird eine sogenannte „Demo“ produziert, wobei das ungefähre Genre und die Richtung festgelegt wird, in die es gehen soll. Man kann also sagen, die erste Demo ist eine Art Skizze des Songs. Danach wird eine weitere Demo mit einer konkreteren Struktur produziert. „Erst dann lasse ich den Sänger oder die Sängerin zum Einsingen kommen und es wird zusammen weitergebastelt“, so der Produzent. „Das Prinzip ist eigentlich immer Try&Error.“  

„Zwischen der ersten Demo und der Akustik-Version eines Songs ist meist nicht viel Unterschied.“ 

Was tun, wenn der Song oder der*die Künstler*in nicht gut ist? 

„Natürlich bin ich nicht Fan von jedem Song oder jedem*r Musiker*in. Aber trotzdem hat jede*r, meiner Meinung nach, einen Platz in der Musikwelt verdient. Es gibt auch Songs, die taugen mir zwar nicht, sind aber top produziert. Geschmäcker sind eben verschieden“, betont er. Aber was, wenn die Stimme nichts taugt? Bis zu einem gewissen Grad sei es möglich, die Stimme mit ein paar Tricks zu „tunen“. Aber: „Shit in – Shit out. Wenn jemand einfach kein*e talentierte*r Sänger*in ist, kann ich noch so viel versuchen auszubessern – am Ende wird trotzdem nichts Gutes dabei rauskommen. Da ist es gescheiter, ich lösche die Gesangsspur und bitte darum, das Ganze nochmal einzusingen oder ich schlage vor, sich Hilfe zu suchen, mit einem*r Gesangslehrer*in weiter zu üben und zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukommen. Ehrlichkeit ist wichtig, auch in der Musikwelt“, so Gregor. 

Genügend Anerkennung für die Produktion? 

mit Streaming-Plattformen genügend Geld, aber andere, die ebenso gute Musik machen, aber nicht diesen Bekanntheitsgrad haben, können davon nicht leben“, meint Gregor. 

Kann man ohne Ausbildung Produzent*in werden? 

„Natürlich – die besten Produzent*innen haben gar keine Ausbildung. Dasselbe gilt für Musiker*innen – um Musik zu machen, muss man nicht Musik studieren!“, betont der Produzent. 

Du produzierst ja viele Pop-Künstler*innen– könntest du dir vorstellen andere Genres, wie beispielsweise eine Heavy Metal Band zu produzieren?  

„Da hab‘ ich ganz ehrlich zu wenig Erfahrung. Jede*r Produzent*in hat schon so sein Genre. Ich bin hauptsächlich im Pop-, Oldschool- aber auch Rock- und Soul-Bereich zuhause.“ 

Produktion for free? 

„Als ich begonnen habe als Produzent zu arbeiten, habe ich natürlich alle Jobs angenommen, die ich kriegen konnte. Heute ist das nicht mehr so. Ich habe zum Beispiel einige Herzensprojekte, wo ich mit Sicherheit wesentlich mehr reingebuttert habe, als am Ende dabei rauskommen wird. Aber hey – wenn man nicht für Musik brennt, dann würde man sowas ja auch nicht machen“, erzählt der 30-Jährige. 

Wie sieht dein nächstes Jahr aus? 

„Diverse Gigs nachholen, die aufgrund von Corona verschoben wurden. Außerdem stehen einige Touren an, zum Beispiel mit Tina Naderer und Thorsteinn Einarsson“, so Gregor.# 

„Ich denke schon, dass Produzent*innen mittlerweile genügend Anerkennung bekommen.“ Anders sei es bei Songwriter*innen. „Die werden oft rausgekauft und stehen somit nicht in den Tantiemen.“ Durch Petitionen wird zurzeit versucht, für mehr Anerkennung der Songschreiber*innen zu sorgen. „Nehmen wir mal an, für eine*n große*n Künstler*in wird ein Song geschrieben. Oft steht ihr*sein Name automatisch in den Tantiemen – das ist eigentlich unfair, denn sie*er hat ja nicht mitgeschrieben“, meint Gregor. 

Wer verdient am meisten mit einem Song?  

„Bevor Künstler*innen Geld bekommen, nehmen sich die Major Labels das meiste, genauso der Verlag und dann geht’s ans Cent spalten. Künstler*innen, vor allem unbekanntere, stehen oft ganz unten in der Nahrungskette.“  

Dass Streaming-Dienste Künstler*innen unfair vergüten, ist allgemein bekannt. Dazu meint Gregor: „Die goldene Zeit für uns Künstler*innen ist eigentlich vorbei. Die CD ist tot, Vinyl teuer zu produzieren und Spotify und Co. zahlen pro Aufruf eines Songs einen Bruchteil eines Cents.“ Das Geschäft, mit dem Künstler*innen am meisten Geld einnehmen, ist das Live-Geschäft und das ist durch Corona ziemlich gestrichen worden. Mittlerweile wird auch viel Geld über Merchandise gemacht. „Um einen Ed Sheeran mache ich mir keine Sorgen, der verdient auchmit Streaming-Plattformen genügend Geld, aber andere, die ebenso gute Musik machen, aber nicht diesen Bekanntheitsgrad haben, können davon nicht leben“, meint Gregor. 

Kann man ohne Ausbildung Produzent*in werden? 

„Natürlich – die besten Produzent*innen haben gar keine Ausbildung. Dasselbe gilt für Musiker*innen – um Musik zu machen, muss man nicht Musik studieren!“, betont der Produzent. 

Du produzierst ja viele Pop-Künstler*innen– könntest du dir vorstellen andere Genres, wie beispielsweise eine Heavy Metal Band zu produzieren?  

„Da hab‘ ich ganz ehrlich zu wenig Erfahrung. Jede*r Produzent*in hat schon so sein Genre. Ich bin hauptsächlich im Pop-, Oldschool- aber auch Rock- und Soul-Bereich zuhause.“ 

Produktion for free? 

„Als ich begonnen habe als Produzent zu arbeiten, habe ich natürlich alle Jobs angenommen, die ich kriegen konnte. Heute ist das nicht mehr so. Ich habe zum Beispiel einige Herzensprojekte, wo ich mit Sicherheit wesentlich mehr reingebuttert habe, als am Ende dabei rauskommen wird. Aber hey – wenn man nicht für Musik brennt, dann würde man sowas ja auch nicht machen“, erzählt der 30-Jährige. 

Wie sieht dein nächstes Jahr aus? 

„Diverse Gigs nachholen, die aufgrund von Corona verschoben wurden. Außerdem stehen einige Touren an, zum Beispiel mit Tina Naderer und Thorsteinn Einarsson“, so Gregor. #

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