Das Bandhouse//Der möglicherweise coolste Spot in Wiener Neustadt

Wieviele Bands es in Wiener Neustadt gibt, lässt sich nur erahnen – im „Bandhouse“ sollen rund 50 proben. 

Reportage | Im „Bandhouse“ in der Wiener Neustädter Bräunlichgasse 24a kann man einen Proberaum mieten und diesen rund um die Uhr benutzen. Dieses Angebot nehmen viele lokale und international bekannte Künstler*innen wahr. Dadurch sind die Proberäume nahezu immer belegt. Für euch war Klette-Redakteurin Celina genau in diesem „Bandhouse“, hat die Atmosphäre eingefangen und mit Musiker*innen gequatscht.   

Von Celina Dinhopl

Meine Suche nach dem Bandhouse endete zwischen der Tanzschule Weninger, Leder Moser und der Fahrschule Haltau vor einem unscheinbaren Gebäude, das viel mehr zu bieten hat als auf den ersten Blick ersichtlich. Das Bandhouse macht auf mich im ersten Moment überhaupt nicht den Eindruck, der coolste Ort Wiener Neustadts zu sein. Zur Seite steht mir Harry Leitner, ein Mieter und Musiker. Er ist mit dabei, da ich das Bandhouse ansonsten nicht betreten könnte.  

Proberäume voller Eigenleben 

Innen ist es auf den ersten Blick genauso unauffällig, nur das entfernte Geräusch eines Schlagzeugs lässt vermuten, dass hier Musiker*innen am Werk sind. An den Türen der einzelnen Räume, die sich die Bands entweder teilen oder allein für sich mieten, merkt man dann doch etwas individuelle Persönlichkeiten. Wie ich gleich erfahren darf, ist das Innere eines Proberaums nochmal viel einladender als die Türen selbst. Denn dann entdecke ich schon zwei Gesichter, die mich auch gleich in ihren Proberaum hineinlassen. Schon beim Hineinkommen sticht mir direkt eines ins Auge: Der Zigarettenrauch. Aber auch sonst vermittelt dieser Proberaum etwas sehr Alternativ-Musikalisches. Mit Postern von Konzerten oder Künstler*innen wie Bob Marley denke ich mir, dass das Bandhouse mitunter der coolste Ort sein muss, an dem man seine Tage verbringen kann. Im doch recht große Proberaum steht im hinteren Ende ein Tisch mit Erdbeermuster und dazugehörige Couches, auf denen wir uns zusammenfinden. Währenddessen entdecke ich dann auchdas wohl wichtigste im Raum, nämlich die Instrumente, die genau auf der anderen Seite des Raumes stehen. Durch den recht dunklen und verrauchten Raum mit grellem Lichteinfall kann ich aber nicht genau erkennen, was nun alles an der Wand steht. Die beiden Burschen, die ihre Probe für mich unterbrochen haben, heißen David und Martin und gemeinsam mit einem Dritten spielen sie als „Noah Scotia“ alternativen Grunge-Rock seit 2012 – genauso lange proben sie schon im Bandhouse. Einmal bis zweimal die Woche trifft sich „Noah Scotia“, um Musik zu machen. Das Bandhouse-Open Air 2014 zählen die beiden zu ihren coolsten Momenten im Bandhouse. „Dafür haben wir nicht weit gehabt, die Verstärker raustragen und schon waren wir auf der Bühne“, erzählen sie.  

Allein durch die Art, wie sie es erzählen, kann ich mir bildlich vorstellen, wie verschiedenste Musiker*innen oder Zuschauer*innen durch die unterschiedlichsten Bandräume ziehen. Der Austausch zwischen den Bands interessiert mich und Noah Scotia erzählt mir, dass sie schon oft durch zufällige Treffen „draußen“ im Hof oder bei den bisherigen Open-Airs des Hauses andere Bands kennenlernten. Auf die Frage, welche denn ihre Lieblingsband im Probehaus sei, antworten beide: „Die Bloodsucking Zombies, die sind richtig cool.“ (Anm.: Bloodsucking Zombies from OuterSpace, kurz: BZfOS – siehe Seite 14) Mir wird zwar der Weg dorthin mit mehreren „da rechts“ und „dort hinten“ beschrieben, aber leider befindet sich diese Band gerade nicht im Haus.  

„Proben ist immer ´ne Freude“  

Schnell findet sich ein weiterer Musiker, der mit mir reden möchte: Hirschi. Hirschi geht mit mir nach draußen, um dort zu plaudern. Dabei zeigt er mir gleichzeitig den Haupttreffpunkt der Bands im Freien. Der kleine Platz erinnert ein wenig an einen Schulhof, da man dort Beine baumelnd auf einer Halbwand sitzen kann. Demonstrativ zeigen es mir Hirschi und sein Kollege Walli von „Small Hours“, der während unseres Interviews auch im Bandhouse ankommt, vor.  

Mit einer Zigarette in der einen und den Instant-Coffee in der anderen Hand, erzählt mir Hirschivon seinem Bandhouse-Leben. Er ist derzeit in gleich zwei Bands aktiv, nämlich „Smalls Hours“ und „Hiëna“. Hirschi gibt mir von Anfang an das Gefühl der chilligste Mensch auf Erden zu sein. Er kommt auch ziemlich nah dran, immerhin spielt er in beiden Bands verschiedene Instrumente und unterschiedliche Musikrichtungen. Er ist ein alter Hase im Bandhouse, mit seinem ersten „Bandprojekt“, wie er es so schön formuliert, probt er hier schon seit 2005 – und ist damit einer der ersten überhaupt gewesen. Damit kennt er den Ort schon seit seinen Anfängen und er beschreibt dessen Geschichte ganz lässig so: „Naja, es war halt immer ein Kommen und Gehen“. Damit meint er andere Bands, die sich gründeten oder auflösten. Für ihn ist die Frage, welcheandere Band nun sein Favorit sei, eine schwierige, trotzdem findet er schnell eine Antwort. Eine besondere Verbindung haben er und seine Kollegen mit „Astpai“ (Siehe Artikel Seite 33), doch auch die befindet sich gerade nicht im Haus. „Die Leute kenne ich schon ewig, mit einem bin ich sogar in die Schule gegangen“, erzählt Hirschi lachend.  

Spaß auf der Bühne 

Nach unserem kleinen Fotoshooting wandert Harry mit mir in den letzten Stock des Gebäudes. Im Keller ist das Licht etwas trüb, aber das passt perfekt zu meiner Vorstellung eines Kellers. Dort zeigt er mir die Tür zu einem Raum, der als interne Bar dient. Mehr als ein Poster ist aber nicht zu sehen. Anschließend lerne ich auch den letzten Proberaum für diesen Nachmittag kennen. Dieser sieht etwas ruhiger aus, er erinnert mich ein wenig an das Möbelgeschäft Ikea. Das liegt vermutlich an der Farbwahl, vor allem orange und grüne Farbtöne stechen mir ins Auge. Der Lichteinfall ist angenehmer und auch die Instrumente an der hinteren Wand machen den Probenraum-Vibekomplett. Meine dritte und letzte Interviewpartnerin ist „Franziska Gonzales“ von der gleichnamigen Band. Franziska zeigt sich mir genauso wie auf der Bühne, mit Perücke und Maske. Denn sie ist nicht wirklich Franziska, sondern eine Erfindung einer anderen Band. Als Spaß entstanden, stehen sie heute tatsächlich auf der Bühne und covern dort meistens Avril LavigneLieder, beziehungsweise wie sie es nennen: „Unsere Songs, die wir teuer an Avril verkauften. Wir wollen den Leuten die Angst vor der Bühne nehmen“, darum geht es der Gruppe. Mit den Bandmitgliedern anderer Bands ist sie teilweise aufgewachsen, aber auch sonst sind viele gute Freundschaften entstanden. „Alle sind irgendwie daran interessiert, was die anderen machen“, erzählt Franziska.  

Damit verabschiede ich mich schließlich von Franziska und dem Bandhouse. Auf meinem Heimweg wird mir rückblickend eines bewusst: Jeder Proberaum ist anders und erzählt andere Geschichten. Dennoch haben mir die unterschiedlichsten Leute von ähnlichen Erfahrungen erzählt und vor allem von einem: Den Freundschaften untereinander. # 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s