Mordserfolg mit dem Verbrechen

Von Stefanie Marek

Serienkiller-Dokus, Podcasts und YouTube-Channels, in denen es um wahre Verbrechen geht – “True Crime” boomt. Verbrechen als Unterhaltung war jedoch schon immer erfolgreich: Hinrichtungen waren einmal Volksspektakel.
Schon bevor es Zeitungen gab, verkaufte man Berichte über Gerichtsprozesse, bei denen die Gräueltaten der Angeklagten ausführlich geschildert wurden. Und auch heute gilt: Je spektakulärer das Verbrechen, desto höher das Interesse der Medienkonsument*innen.
Medien berichten natürlich über Verbrechen, weil sie die Aufgabe haben, zu informieren. Trotzdem werden Berichte auch gezielt eingesetzt, um zu schockieren und neugierig zu machen. Besonders auf Social Media hagelt es dann Klicks.
Ist es aber nicht irgendwo moralisch verwerflich, Verbrechen und Schicksale echter Menschen als Unterhaltung zu nutzen? Warum wir das mit der Krimi-KLETTE tun, was in den Medien gar nicht geht und wie wir verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen – a thread:
Wir Menschen finden Verbrechen als Unbeteiligte spannend, wem wollen wir etwas vormachen? Verbrechen zeigen uns aber nicht nur individuelle Taten, die jemand aus individuellen Gründen begeht. Verbrechen zeigen uns auch sehr deutlich, was in unserer Gesellschaft falsch läuft. Morde an Frauen erzählen uns etwas über ungleiche Machtverteilung, Jugendkriminalität vom Bedürfnis, Grenzen zu überschreiten und auch von Vernachlässigung und schlechten Vorbildern, Internetbetrug macht uns deutlich, wie verletzlich wir alle als User*innen sind.
Die Frage ist nicht, ob wir von Verbrechen erzählen und damit jemands Neugier befriedigen, sondern wie. Es geht um eine respektvolle Sprache, egal ob es sich um Opfer oder Täterin handelt – wir als Medium haben nicht das geringste Recht, Täterinnen moralisch zu verurteilen. Und es geht gleichzeitig darum, Gewalt zu benennen und nicht zu verharmlosen: ein Frauenmord ist kein “Beziehungsdrama”, ein Vergewaltiger kein “Sex-Täter”. Eine respektvolle Bildsprache ist ebenso wichtig: Gerade Opfer verdienen es in keinster Weise, entwürdigend dargestellt zu werden. Gerade Opfer sind eben nicht nur Opfer, sondern Menschen.

Stefanie Marek,
KLETTE-Redaktionsleitung

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