Lass uns über Drogen reden

Kolumne/ Wir wollen reden und zwar mit euch und mit der Wiener Neustädter Jugendberatungsstelle Auftrieb. Die Sozialarbeiter*innen haben unsere Fragen rund um das Thema Drogen beantwortet. Wer trotz Verboten Drogen nimmt, sollte die Risiken kennen und wissen worauf zu achten ist. 

Von Iris Strasser

Die KLETTE: Sind alle Drogen illegal? 

Auftrieb: Bei Drogen denken viele sofort an Heroin, Ecstasy oder LSD. Es gibt aber viele Drogen – wie Nikotin und Alkohol – und auch Süchte, die legal sind. Nikotin ist laut Jugendschutzgesetz ab 18 Jahren legal und Alkohol (bis auf Spirituosen) ab 16 Jahren. Es gibt aber auch Süchte, die nicht illegal und nicht an Substanzen gebunden sind, zum Beispiel Kaufsucht, Glücksspielsucht, oder Computerspielsucht. 

Worauf sollte man aufpassen, wenn man Drogen konsumiert?

Jeder Mensch hat andere körperliche und psychische Voraussetzungen. Daher ist es für jeden von uns anders, ab wann welche Substanzen schädlich werden, oder beginnen uns zu beeinflussen. Es geht auch darum, wie oft und wie viel man konsumiert. Wenn man trotz gesundheitlicher und strafrechtlicher Risiken etwas ausprobiert, gibt es folgende Safer Use-Regeln: 

  • Informiere dich über die Substanz: Welche Dosis sollte beim ersten Mal beachtet werden, wie lange dauert es, bis sie wirken sollte (um eine Überdosierung zu vermeiden), welche Gefahren sind möglich?
  • Achte darauf, wie du dich an dem Tag fühlst, an dem du konsumieren willst. Passt die Substanz, die du konsumierst gerade zu deiner Stimmung? 
  • Es ist immer wichtig, Freund*innen während und nach dem Konsum bei dir zu haben, die nüchtern sind und auf dich aufpassen können.
  • Bei illegalen Substanzen kannst du nie sicher sein, was für Inhaltsstoffe drin sind. Daher gibt es von Check it (siehe Infobox) die Möglichkeit die Substanzen testen zu lassen. 
  • Für manche ist es ein besonderer Kick, beim Konsum miteinander zu schlafen. Egal ob Alkohol oder andere Substanzen – nicht vergessen zu verhüten. 
  • Essen/Trinken: Achte darauf, genügend gegessen und getrunken zu haben. Auch während dem Rausch und am Tag danach ist es wichtig, auf genügend Flüssigkeit zu achten.
  • Vermeide Mischkonsum:  Der Konsum zweier oder mehrerer unterschiedlicher Substanzen in kurzer Zeit stellt eine besonders starke Belastung für Körper und Psyche dar und erhöht das Risiko für gefährlicher Zwischenfälle wie eine Überdosierung.
  • Psychoaktive Substanzen schränken deine Fahrtüchtigkeit stark ein. Lenke unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen keine Fahrzeuge. Bringe dein Leben und das anderer nicht in Gefahr. Substanzen vom Vortag können nach wie vor Auswirkungen haben. 

Was passiert, wenn ich von der Polizei erwischt werde, wie ich Drogen nehme/anbaue/besitze?

Der Besitz, der Erwerb, die Weitergabe, das Befördern und der Anbau illegaler Drogen ist strafbar, der Konsum nicht. Ein Mythos: Eine kleine Menge Cannabis für den Eigenbedarf darf ich besitzen und bleibt straffrei. Das ist falsch. Cannabis mit einem THC-Gehalt über 0,3 Prozent fällt in Österreich unter das Suchtmittelgesetz. Wenn du von der Polizei mit einer illegalen Substanz wie Cannabis erwischt wirst, erfolgt eine Meldung an die Gesundheitsbehörde. Der Amtsarzt/Die Amtsärztin klärt dann weiteres ab und entscheidet weitere Schritte für eine gesundheitsbezogene Maßnahme (Beratung, Behandlung oder Therapie). Wenn ihr diese Bestimmungen erfüllt und dann auch weitere 12 Monate nichts ähnliches vorkommt, gilt die Sache als erledigt. Falls ihr aber diese Maßnahmen nicht umsetzt, dann gibt es eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft. Anders ist das beim Dealen, da wird gleich Anzeige erstattet. Bist du unter Drogeneinfluss mit einem Fahrzeug unterwegs, kommt es zusätzlich zum Führerschein/Mopedscheinentzug und es können noch weitere Kosten auf dich zukommen. Falls ihr mit legalen Substanzen erwischt werdet, aber noch nicht das erlaubte Alter erreicht habt (Nikotin 18 Jahre, Alkohol 16 Jahre bzw. 18 Jahre) können die Personen, die euch den Alkohol oder die Zigaretten verkauft/gegeben haben, angezeigt werden. Auch deine Erziehungsberechtigten müssen darauf achten, dass du das Jugendschutzgesetz einhältst.

Was tun, wenn ich jemanden kenne, der süchtig ist? 

Es ist nicht immer eindeutig, ob jemand süchtig ist. Sucht ist eine Erkrankung, das bedeutet nur eine Fachärzt*innen können sie diagnostizieren. Zur Sucht zählen Faktoren wie:

  • Wiederholungszwang: es muss konsumiert werden, die Personen hat keine Wahl mehr.
  • Kontrollverlust: Die Person kann nicht kontrollieren, wie häufig und in welchem Ausmaß konsumiert wird.
  • Entzugserscheinungen: Wenn jemand nicht zu der Substanz kommt, können körperliche und psychische Entzugserscheinungen auftreten.
  • Dosissteigerung: der Körper und die Psyche gewöhnen sich an die Dosis, daher muss diese ständig gesteigert werden, um noch eine Wirkung zu spüren.
  • Interessenverlust: viele Dinge, die einem zuvor wichtig waren, sind nicht mehr von Bedeutung. Egal ob Hobbys, Freunde, Familie, die Sucht steht einfach drüber.

Solltest du bei einem Freund/einer Freundin/ Angehörigen solche Anzeichen bemerken –  zum Beispiel: Rückzug aus dem Freundeskreis, die Person konsumiert auch immer wieder alleine, schafft kein Wochenende mehr ohne Alkohol, oder ist nur mehr online aufzufinden – dann kannst du die betroffene Person in einem guten Moment vorsichtig darauf ansprechen und deine Wahrnehmung und Sorge mitteilen. Erwarte nicht, dass sich sofort etwas verändert. Unterstützung kann auch ein Gespräch sein, oder eine Begleitung zu einer Suchtberatungsstelle (siehe Infobox). Oft braucht es sehr lange und auch viele klare Grenzsetzungen von Angehörigen und Freunden, bis es zu einer Einsicht kommt und Unterstützung angenommen werden kann. 

Was tun, wenn ich selbst süchtig bin und aufhören will?

Die Freiwilligkeit und Einsicht eines Problems sind erste wichtige Schritte Richtung Veränderung. Empfehlenswert ist, sich professionelle Unterstützung zu holen. In einem ersten Gespräch wird herausgefunden, ob es sich tatsächlich um die Erkrankung Sucht oder um missbräuchliches Verhalten, Gewohnheit, Probierkonsum etc. handelt. Möglichkeiten gibt es unterschiedliche: eine Reduktionstherapie, die Aufnahme in ein Substitutionsprogramm mit regelmäßiger ambulanter Psychotherapie, oder vielleicht ist auch ein stationärer Aufenthalt (Grüner Kreis, Anton Proksch Institut etc.). Außerdem gibt es auch online Reduktionsprogramme. Hier kann mit psychologischer Unterstützung in zwei Monaten dein Verhalten beobachten und verändert werden (alkcoach.at , canreduce.at). Wenn eine Veränderung beim ersten Mal nicht klappt, sei nicht zu hart zu dir. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, und ein paar Schritte zurück.

Wie leicht passiert eine Überdosierung? Was ist die Gefahr daran?

Überdosierungen können passieren, vor allem wenn die Substanz nicht bekannt ist, also damit noch keine Erfahrungen gemacht wurden oder wenn verschiedene Substanzen gemeinsam genommen werden.  Gerade bei illegalen Drogen kommt es oft dazu, dass zu schnell „nachgenommen“ und nicht lange genug gewartet wird. Ein Mischkonsum, also, wenn verschiedene Substanzen konsumiert werden, kann ebenfalls leicht zu einer Überdosierung/Vergiftung führen, da es für  Psyche und Körper eine enorme Belastung darstellt. Wenn jemand zusammenbricht, versuche Unterstützung vor Ort zu bekommen. Leiste rasch Erste Hilfe: für frische Luft und Ruhe sorgen, in die stabile Seitenlage bringen, Atmung und Puls kontrollieren. Ist eine Freundin oder ein Freund von dir betroffen, dann lass die Person auf keinen Fall alleine. Bei Bewusstlosigkeit, Atemstörungen und fehlenden Reflexen immer sofort die Rettung 144 rufen. Egal welche Substanzen es betrifft (gilt auch für Alkohol!)

Hilfe/Infoseiten

Feel-ok.at 

checkyourdrugs.at 

fachstelle.at 

auftrieb.co.at 

drugcom.de 

mindbase.at 

dialogwoche-alkohol.at 

RAUSCHZEIT – Der tabulose Podcast über Alkohol und andere Drogen  https://sdw.wien/podcast-rauschzeit/ 

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