True Crime – Neustadt Edition

Triggerwarnung: auf den folgenden Seiten erzählen wir von Kriminal- und Mordfällen aus Wiener Neustadt. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Lies das hier nicht, wenn das bei dir der Fall ist.

Von Marie Hanakamp

Ermordung des Gerichtsdieners Carl Neidl durch seinen Knecht Georg Mayr 1717

Georg Mayr, 23 Jahre alt, hatte ein Verhältnis mit Eva Neidl. Die war aber mit Carl Neidl verheiratet. Mayr erschoss diesen am 27. Dezember 1717. Vorerst blieb das aber unerkannt, denn Neidl, der erst nach drei Tagen gestorben war, konnte den Schützen nicht identifizieren und es gab keine sonstige Spur. Verdächtigt wurde ein Gefangener, dem überraschenderweise die Flucht gelungen war. Mayr bekam nach Neidls Tod dessen Posten als Gerichtsdiener und heiratete Eva Neidl. Die Magd der Eva Neidl, Margarete Kainrath sagte aber im Jahr 1718 aus, sie habe beobachtet, dass Mayr und Eva Neidl ein Verhältnis haben und außerdem, dass Mayr vor der Flucht des Gefangenen vor Neidls Kammer war. Sie gab an, sie habe sich nicht getraut, diese Aussage zu machen, da Mayr sie bedroht habe. Eine weitere Frau sagte aus, dass sie Mayr am 27. Dezember auf der Straße hinter Neidl gehen gesehen habe. Wenig später habe sie den Schuss gehört. Mayr wurde verhaftet und am 6. Februar 1719 unter Folter befragt. Mayr gab an, den Gefangenen freigelassen zu haben, da dieser vom Verhältnis mit Eva Neidl wusste und weil er ihm versprach, Carl Neidl zu ermorden, damit Eva Neidl frei sein wird. Doch der Gefangene tat das nicht, sodass Mayr Neidl selbst umbrachte. Eva Neidl wurde auf alle Zeit des Landes verwiesen. Georg Mayr wurde am 24. März 1719 von oben herab gerädert und sein Leichnam auf das Rad geflochten und ausgestellt.

Mord an zwei Juden 1806

Am 13. Februar 1806 wurden in Wiener Neustadt die Bauernknechte Thomas S. und Konrad Sch. durch den Strang hingerichtet. Konrad Sch. hatte zwei Juden beim Verkauf von Leinenwaren kennengelernt. Diese, im benachbarten Ungarn beheimateten Juden, waren auf Leinenwaren- und Viehhandel spezialisiert, aber auch auf den Ankauf von alten, aus dem Verkehr gezogenen Edelmetallmünzen. Konrad Sch. bestellte die beiden nach Thernberg, wo er sie in Gesellschaft von Thomas S. unter dem Vorwand in den Wald führte, dass er dort alte Münzen vergraben habe. Im Wald angekommen, schlugen die beiden Knechte die Juden zu Tode. Vorher hatte Konrad Sch. einem der Juden 1500 Gulden für sein Leben abgepresst. Die Leichen schleppten die Knechte zum nahen Bach und machten sich daran, das Geld auszugeben. Aberglaube ließ sie unruhig werden, Thomas S. fürchtete, dass die Leichen ihre Mörder verraten würden, sollten diese von Glaubensbrüdern gefunden werden. So gingen sie in den Wald, schnitten den beiden Leichen die Köpfe ab und versteckten diese in einer tiefen Höhle. Die Tat kam ans Licht, da ein anderer Jude sie verfolgte und sodann zu den Mordopfern geführt wurde. 

Laut Polizeiamtsanzeige vom 4. Jänner 1847 wurde der 25-jährige Zimmerergeselle Adam Beck verhaftet, weil er am Neujahrstag auf der Straße die 30-jährige Handarbeiterin Agnes H. und die 36-jährige Handarbeiterin Theresia K. schlug, sie dann bis auf die Petersgasse verfolgte und sodann die Fenster ihrer Wohnung einschlug. Adam B. habe dabei ein blutiges Taschenmesser in der Hand gehalten. Gekommen war es zu dem Vorfall, weil der betrunkene Adam B. die beiden Damen, die er als „Straßendirnen“ wahrnahm, ansprach, worauf Agnes H. ihn beschimpfte. Adam B. ohrfeigte sie, worauf sie einen Stein nach ihm warf, der ihn im Gesicht verletzte. Dann verfolgte er die flüchtenden Frauen bis zu ihrem Haus in der Petersgasse. Agnes H. bekam einen Tag Arrest wegen Raufhandels. Adam B. wurde mit einem Tag Arrest, verschärft durch sechs Stockstreiche bestraft wegen Raufhandels und „krassen Excehses“. Er wurde auch verpflichtet den beiden Frauen zusammen 40 Taler Entschädigung zu zahlen und dem Gericht die Verpflegungskosten zu ersetzen. Er wurde nach Gerasdorf bei Wien abgeschoben.

Der Bleistiftmörder 1973

Im Februar 1973 wurde die damals 11-jährige Gabriele zuerst vergewaltigt und dann mit ihrem eigenen Schulbleistift bestialisch ermordet. Schon bald konnte die Polizei einen Verdächtigen festnehmen, Dieser gestand aus Angst, wurde jedoch beim Prozess einstimmig, aufgrund fehlender Beweise, freigesprochen. Bis 1999 lag der Fall ungelöst im Archiv. In diesem Jahr wurde mit Hilfe neuester Untersuchungstechnologie wieder ein Verdächtiger festgenommen und wie auch schon 26 Jahre davor, aufgrund mangelnder Indizien, freigesprochen. Bis heute wurde der Mörder von Gabriele nicht gefasst.

Fall Wastl 2001

Am 28. September 2001 verschwand die 38-Jährige Heidi Wastl ohne jede Spur. Erst ging die Polizei davon aus, sie sei mit einem Mann durchgebrannt. Erst ein Jahr später verwarf man diese These. Erich W. war nun im Visier der Ermittler. Zwei Dinge sprachen für die Schuld des damals 41-Jährigen. Erstens wurde er als Schreiber eines Abschiedsbriefes enttarnt, den Heidi Wastl zurückließ. Zweitens sagte seine damalige Lebensgefährtin aus, ihr Freund habe am Tag von Heidi Wastls Verschwinden seine neuen Turnschuhe, Jeans und T-Shirt in den Müll geworfen. Danach habe er sein Auto gründlich gereinigt und sogar die Bezüge der Sitze gewechselt. Aufgrund von mangelnden weiteren Hinweisen wurde er aber entlassen. Im Jahr 2013 wurde der Fall neu aufgerollt und Erich W. legte ein Geständnis ab. Laut eigener Aussage haben er und Heidi W. einen Spaziergang in Ofenbach (Bezirk Wiener Neustadt) gemacht. Dabei sei sie einen Abhang hinabgestürzt und sei von einem Ast gepfählt worden. Im Schock habe er sie dort liegen gelassen. Die Leiche wurde jedoch nie gefunden. Darum zweifelte die Polizei an der Geschichte, wodurch es zum Prozess wegen Mordes kam. Das Urteil: Freispruch wegen Verjährung. 

Mord im Anton-Wodica-Park 2019
Im Jänner 2019 liegt die 16-jährige Manuela K. tot im Anton-Wodica-Park unter einem Laubhaufen. Als verdächtig gilt der Ex-Freund des Mädchens Yazan A. Er wurde in Wien von der Polizei verhaftet. Die Obduktion der 16-Jährigen ergab inzwischen einen Tod durch Ersticken. Die Polizei ging davon aus, dass Manuela K. erwürgt wurde. Bei weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass Yazan A. bereits vor dem Mord gewalttätig seiner Freundin gegenüber wurde. Dem Mann wird der Prozess gemacht. Vorgeworfen wird ihm Mord, Störung der Totenruhe, Körperverletzung und versuchte Nötigung. Er selbst sprach immer von einem Unfall. Zum Tathergang wird vermutet, dass er Manuela K. in der Nacht auf den 13. Jänner in Wiener Neustadt nachgestellt hat. Als die Jugendliche gegen sechs Uhr nach einer Lokaltour mit dem Taxi nach Hause fahren wollte, soll ihr der junge Mann vorausgeeilt und sie im Anton-Wodica-Park abgepasst haben. Dort soll er sie aus Eifersucht mit einem Gürtel erwürgt haben. Der 19-Jährige muss sich auch wegen Störung der Totenruhe verantworten, weil er sich an der Leiche vergangen haben soll. Yazan A. bekam die Höchststrafe für jugendliche Rechtsbrecher: 15 Jahre Haft, sowie eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. 

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